Erstligist trifft auf Viertligist in der ersten Pokalrunde, alle erwarten ein Torfestival und bekommen einen lauen Sommerkick. Soweit nichts Neues. Aber der neue Trainer zeigte eben auch zum ersten Mal das neue Schalke auf großer Bühne. Wenn auch natürlich mit Abstrichen.

Die Geschichte der Dynamo

Bevor wir zur Analyse kommen, ein paar Dinge die mir unter den Nägeln brennen. Wen sowas nicht interessiert, kann gern zur nächsten Überschrift runter scrollen.

In der Berichterstattung (zumindest in den Kanälen die ich so verfolgt habe) wurde häufig davon gesprochen, wie erfolgreich der BFC mal war, der Kontext DDR wurde dabei aber komplett ignoriert. Sowas finde ich schwach und möchte noch ein paar Randinformationen nachliefern, die ich aus dem extrem lesenswerten Buch „Football Against The Enemy“ von Simon Kuper habe (Rezension folgt). Dynamo Berlin war nämlich der komplette Gegenentwurf zu Union Berlin. Oder vielmehr war Union die Antwort auf Dynamo.

In der Sowjetunion wurden die Mannschaften Dynamo genannt, die vom KGB und deren Regionalverbänden geführt wurden. Darum sind die meisten Dynamos bis heute in der Bevölkerung noch recht unbeliebt. Eine der großen Ausnahmen ist Dresden.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Präsident von Dynamo Berlin bis zum Mauerfall Stasi Chef Erich Mielke war. Die „unbeliebteste Mannschaft Europas“, die auch die „11 Schweine“ genannt wurde, war natürlich sehr erfolgreich, das war schließlich der Plan. Ein Erfolgreicher Hauptstadtclub. Und so sorgte das Regime eben dafür, dass die besten Spieler der DDR ihren Weg dahin fanden. Außerdem gewann Dynamo unverhältnismäßig viele Spiele durch einen Strafstoß in der 95. Spielminute…

Selbstverständlich ist das lange her, und selbstverständlich sei allem und jedem die Chance auf Rehabilitation gewährt. Ich finde es eben nur entscheidend mit solchen Dingen nicht hinterm Berg zu halten. Aufarbeitung und Abgrenzung fände ich persönlich wichtig, wie auch Schalke offensiv mit der Nazi-Vergangenheit aufgeräumt hat (Ebenfalls sehr lesenswert: Zwischen Blau und Weiß liegt Grau, Goch & Silberbach). Soviel zu meinem persönlichen Rechtsempfinden, kommen wir zum Sportlichen.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Das Spiel der Dynamo

Die erste Pokalrunde, das hat Torsten Wieland im Königsblog letztes Jahr schön beschrieben (Der Pokal hat seine eigenen Gesetze), ist immer ein besseres Testspiel und fällt immer hinter den Erwartungen zurück. Im 4-4-2 Mauern und Kontern kann inzwischen jeder. Und genau das hat Dynamo auch gemacht. Die Berliner standen eng und kompakt, verschoben gut und liefen die Schalker gut an. Der Einsatzwille schlägt sich auch in der Zweikampfquote nieder, 51% gewonnen. Dabei ließen sie sich keineswegs immerzu nur direkt vor den eigenen Strafraum fallen, sondern pressten sehr variabel und schoben Schalke gelegentlich aus der eigenen Hälfte.

René Rydlewicz, Der Trainer von Dynamo gab vor dem Spiel zu Protokoll, dass man in der letzten Saison ebenfalls im 3-4-3 gespielt hätte und um die Schwächen wisse. Und so wirkte das 4-4-2 eben nicht als reine Mauertaktik. Die Formationsgrafik zeigt, wie so das 3-4-3 gespiegelt werden kann, mit einer Überzahl in der Verteidigung. Und so gab es auch über den ganzen Platz eine direkte 1:1 Zuordnung. Es wurde viel Manngedeckt und Schalke hatte so seine Probleme sich daraus zu lösen. Auch offensiv schafften die Berliner es sich so gelegentlich etwas freizuschwimmen und kamen auf 44% Ballbesitz.

Darüber hinaus gibt es zum Spiel des BFC nicht viel zu schreiben. Sie machten Druck, viel Druck. Und Schalke versuchte sich meist spielerisch zu lösen. Das klappte meist, aber eben nicht immer und so kamen die Berliner eben auch ein paar Mal in den Schalker Strafraum. Für ein Tor reichte es für Dynamo aber eben nicht und am Ende wurden die Beine schwer. Und so kam es zum zwar erwarteten, aber eben doch mühseligen Sieg für S04. Die Berliner haben sich stark geschlagen.

Tedescos Schalke 04

Wie schon in den Testspielen lief Schalke in einem 3-4-3 auf. Im Unterschied zu den meisten 3er-Ketten der Liga ist dies aber eine echte 3er-Kette und keine verkappte, die defensiv zur 5er-Kette wird. Auch in der Defensive bleiben die Flügelspieler vor der Kette.

Der Zentralverteidiger baut dabei das Spiel auf. Wie von Elias in der WAZ vorhergesagt, könnte dies die Saison des Thilo Kehrer werden, der mit seiner Spielintelligenz und Übersicht das Spiel gestaltete. Es wird spannend zu sehen, ob und wie lange er hier Ersatz für Naldo sein wird. Als linker Halbverteidiger spielte Nastasic gewohnt souverän seinen Stiefel runter. Auf der rechten Halbposition ersetzte Stambouli den Ex-Kapitän Höwedes. Denn auch wenn der Franzose einen guten Job machte, an dem Weltmeister wird er da nicht vorbei kommen. Für alle 3 Verteidiger kommt es darauf an Angriffe einzuleiten, gern über weite und diagonale Bälle. Stambouli ist dafür zu sehr der direkte Kurzpassspieler und fand in dieser Partie offensiv kaum ins Spiel. Darum tauschte er auch mit Kehrer die Position in der zweiten Halbzeit.

Das Mittelfeld besteht aus einer symmetrischen Doppel-6. Das heißt, dass nicht einer davon immer nach hinten gerichtet und der andere nach vorne gerichtet spielt, sondern, dass beide beides machen. Der jeweils ballnahe Spieler orientiert sich zum Ball, der andere stößt in die Lücke davor um Passwege zuzustellen und bei Ballgewinn anspielbar zu sein. In der Vorbereitung machte McKennie auf sich aufmerksam, aktiv, umtriebig und mit guter Übersicht. Beide 6er stießen auch immer wieder bei Angriffen dazu.

Die Außenspieler beackerten den ganzen Flügel. Sowohl in Angriffe als auch in die Verteidigung schalteten sie sich ein. Dabei allerdings nur selten in die erste Linie. Also wurden sie nicht zu Außenverteidigern einer 5er-Kette und genauso wenig stießen sie bis an die Grundlinie durch um zu flanken. Vielmehr waren sie Zwischenstation für Kombinationen. Sobald es auf den gegnerischen Strafraum zu ging, wurde das Spiel schneller gemacht und weniger breit.

Die 3 Offensivkräfte haben dabei jeweils einen großen Aktionsradius. Mal höher, mal zentraler, aber immer schnell und immer beweglich. Gern wurden sie diagonal aus dem Zentrum geschickt, der großen Stärke von Nabil Bentaleb. So soll das Problem der letzten Jahre, im Strafraum für Alarm zu sorgen, behandelt werden. Immer wieder wurden die gegnerischen Linien so schnell durchbrochen und überwunden.

Problemkind Konoplyanka, dem es letzte Saison an spielerischer Qualität mangelte, zeigte sich recht gut eingebunden. Seine unkonventionelle wuselige Natur konnte immer wieder zum Nutzen der Mannschaft aufglänzen. Harit zeigte ähnliches Verhalten, fand aber noch nicht richtig ins Spiel.

Das System

Domenico Tedesco will steil spielen lassen, viel Pressing und dann schnell nach vorne. Dabei geht Schalke etwas mehr Risiko als noch in der vergangen Saison, allerdings nur in der gegnerischen Hälfte, also mit genug Raum um den Ball umgehend zurück zu gewinnen. Das funktionierte meist recht gut. Insgesamt hatte Schalke aber auch allerhand Probleme mit den engagierten Gastgebern. Denn auch, wenn die passstärksten Spieler nicht dabei waren, eine Passerfolgsquote von nur 77% spricht Bände.

Die Kreation von Torchancen ist das Ziel des ganzen Aufwands, aber eben auch das komplexe. Hier ist viel Abstimmung nötig, die im Detail nur durch Übung erfolgt. Chancen gab es zur Genüge, Schalke muss noch weiter an der Verwertung arbeiten.

Fazit

Schalke spielt sehr diagonal, sehr schnell und sehr aktiv. Das sieht schon ganz gut aus. Wenn jetzt noch die nötige Chancenverwertung hinzukommt, macht das schon alles eine ganz gute Figur. Es fehlt natürlich noch einiges, aber die Saison fängt ja auch gerade erst an.

Interessanter Weise könnten aber besonders die Berliner den Fingerzeig für die Saison liefern. Die 4-4-2 Spiegelung mit starker Manndeckung könnte zur Blaupause für Gegner werden, die individuell schwächer besetzt sind. Schalke hatte stark zu kämpfen damit.

Alles in allem aber, nicht zuletzt wegen des eingesetzten/zur Verfügung stehenden Personals nicht viel mehr als das Vorglühen zur Liga. Seien wir gespannt was da noch kommt.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

26 Kommentare

Blauweißer Anhaltiner · 15. August 2017 um 13:35

Die Analyse des Spiels ist wie immer sehr treffend und gut gemacht. Zum ersten Teil kann ich noch ergänzen, dass erschreckenderweise der ehemalige Stasiverein der DDR nun ein Sammelbecken für Rechtsradikale und Neonazis in Berlin geworden ist. Vor dem Hintergrund, dass die Schalker U23 im September ein Benefizspiel gegen Chemie Leipzig – bekannt für seine eher linken Fans – in Leipzig bestreitet, hätte ich gestern mit Schlimmerem gerechnet. Zum Glück ist alles relativ ruhig geblieben.

    Chris · 15. August 2017 um 14:23

    Ich habe gelesen, 91 Dynamo-Fans sind virher verhaftet worden.

Munki · 15. August 2017 um 13:44

Eigentlich sollten wir Schalker dem Team / Trainer sowie Management ein großes Stück Vertrauen geben, wichtig ist, dass die Manschaft Einsatz zeigt und dann kann auch mal verloren werden! Aber Einsatz – Leidenschaft muss da sein, dazu sollten wir Fans – der Verein aber auch die Medien unseren jungen guten Talenten Zeit geben und es scheint zumindest aktuell sich was zu ändern, egal ob Draxler – Sane oder Meyer alle gut nur leider auch schon in jungen Jahren stark abgehoben, was schade ist.
Ich freu ,ich auf den neuen Trainer und halte Höwedes schon vorher nicht für den richtigen Kapitän, weil er kein Anführer ist und technisch einige Defiziete hat, allerdings ist er loyal zum Verein und hat ein Schalker – Herz und ich hoffe er findet für sich den richtigen Weg, damit Ruhe bleibt! Wenn er zu große Probleme damit hat, sollte er wechseln und wir Fans können Ihm und er dem Verein für schöne Zeiten dankbar sein!

Glück auf

    Zeitspieler · 15. August 2017 um 17:52

    Ich frage mich immer, warum so viele Schalker den Max Meyer für “abgehoben” halten. In Interviews scheint er mir eher unsicher und sehr vorsichtig zu sein.

      Karsten · 15. August 2017 um 20:19

      Das geht mir ähnlich. Ich glaube Zurückhaltung wird generell oft mit Arroganz verwechselt.

Zeitspieler · 15. August 2017 um 18:00

@ Karsten

Vielen Dank für die schnelle Analyse, besonders auch für die Hintergrundinfos über die Berliner.
Bei Höwedes bin ich mir nicht sicher, dass er an Stambouli vorbeikommt. Ich glaube, dass Tedesco beiden viele Einsätze geben wird.

Leoluca · 15. August 2017 um 18:53

So war’s wohl damals in der DDR: Union Berlin war der bewusste Gegenentwurf zu Mielkes Stasiclub, quasi der Oppositionsclub direkt in der Hauptstadt. Wer gegen die Bonzen war, egal ob Fußballfan oder nicht, der ging zu Eisern Union – und das Risiko ein, von der Stasi unter Beobachtung gestellt zu werden. Gehörte also schon etwas Mut und Zivilcourage dazu. Dass der BSC heute ein Sammelbecken für die braune Szene in Berlin ist, wundert mich nicht. Ihr autoritäres und nationales Weltbild hätte der DDR-Führung damals sehr gefallen. Fußball war für den Stasiclub halbmilitärische Ausbildung und für Union ein freies Spiel der Kräfte.

Bully · 16. August 2017 um 07:00

Total bescheuerter Beitrag, immer die gleiche alte Leier nichts neues, und die Waldaffen werden als Opotition dargestellt, wie lächerlich, im Osten waren alle Vereine irgendwie mit dem Staat oder der Partei verbandelt sonst hätten sie gar nicht exestieren können

    Benjamin · 16. August 2017 um 12:05

    Opotowas?
    Natürlich, es hat keine widerständischen Bewegungen oder im Verborgenen agierenden Gruppierungen gegeben. Deswegen fanden auch alle diese Deutsche Demokratische Republik so gut und deswegen hielt sie so stabil. Jene, welche nämlich demokratisch war.

usonline · 16. August 2017 um 10:14

My 2 äh 4 cents:

1.
„Problemkind Konoplyanka, dem es letzte Saison an spielerischer Qualität mangelte, zeigte sich recht gut eingebunden.“

Ich glaube das Problem von Kono in der letzten Saison waren nicht spielerische Defizite. Sein Problem war das mangelnde Verständnis der Defensivabläufe und seine mangelnde Einsicht da mitarbeiten zu müssen.

2.
„Stambouli ist dafür zu sehr der direkte Kurzpassspieler und fand in dieser Partie offensiv kaum ins Spiel. Darum tauschte er auch mit Kehrer die Position in der zweiten Halbzeit.“

Ich glaube nicht, dass der Positionswechsel mit der – unbestreitbar vorhandenen (ich sehe ihn auch eher im Kurzpass gut) – generellen Schwäche Stamboulis im Spielaufbau zu tun hatte. Die dürfte DT aus der Vorbereitung, bei der Stambouli doch öfter auf dieser Position gespielt hat – eigentlich kennen. Ich denke der Positionstausch hatte eher mit den defensiven Problemen zu tun. Benjamin hat seine Seite einfach nicht gut verteidigt und viele Chancen zugelassen. Kehrer hat einfach ein besseres Verständnis von der Außenverteidigerrolle und auch was die Geschwindigkeit angeht, bessere athletische Voraussetzungen. Ich glaube DT hat – was auch geklappt hat – damit die rechte Seite defensiv besser dicht gemacht.

3.
„Interessanter Weise könnten aber besonders die Berliner den Fingerzeig für die Saison liefern. Die 4-4-2 Spiegelung mit starker Manndeckung könnte zur Blaupause für Gegner werden, die individuell schwächer besetzt sind.“

Das müsstest Du mir nochmal erläutern. Die Dreierkette passt doch eigentlich ideal gegen 4-4-2 spielende Mannschaften. Das liegt auf der Hand, denn „nur“ zwei Angreifer können das Spielfeld nicht so breit ziehen, wie drei Angreifer und defensiv kann man zu dritt nun mal eben die Spielfeldbreite nicht so gut abdecken wie zu viert oder gar zu fünft. Drei Verteidiger gegen zwei Spitzen bedeuten hingegen genauso eine Überzahl wie die Raute im Mittelfeld gegen die zwei zentralen Spieler des Gegners in einer solchen Kette.
Deswegen sagt man doch, dass 3-4-3 oder 3-5-2 Formationen besser zu einem 4-4-2 passen als bspw. zu einem 4-3-3 mit eben drei Angreifern.
Insoweit sehe ich da jedenfalls rein formationsmäßig keine Blaupause für die kommende Saison. Meinst Du eher den starken Fokus auf Mannorientierung?

4.
Thema Ingamecoaching:

Bisher bemerke ich taktisch eher kleinere Anpassungen und das Einüben einer einzigen Formation. Wie siehst Du das? Wird sich das in dieser Saison noch entwickeln, wenn erst einmal die Basis gelegt ist? Oder werden wir da eher wenig sehen?

BWG

U.

    Karsten · 16. August 2017 um 20:29

    Ich leg nochmal 2 Cents drauf…

    1: Kono war auch in der offensive sehr diffus in der letzten Saison. Etwas das Tedesco anscheinend ausnutzen will. Ich hab den Spieler aber extra nur kurz angerissen, weil ich mir gern noch ein genaueres Bild machen möchte, was da jetzt passiert. So ganz traue ich dem Braten noch nicht. 😉

    2: Defensiv war die Gefahr recht gering, egal wo Stambouli war. Ich glaube Tedesco wollte die Variabilität erhöhen und auf beiden Seiten einen Spieler haben, der mit weiten Bällen aufbauen und Angriffe einleiten kann.

    3: Alles richtig was Du sagst, wenn ich versuchen will Tore zu schießen. Wenn mein Fokus aber darauf liegt erstmal keine Tore zu bekommen, und das ist bei vielen kleineren Gegnern ja so, sieht die Sache anders aus. Dann hast Du ein 4:3 am Strafraum und ein 4:4 im Mittelfeld, plus noch 2 Leute die nachrücken können. Klar, Unterzahl im Sturm, aber es geht eh höchstens auf Konter gelegentlich. In der Defensive, kannst Du aber alle in Manndeckung nehmen und hast noch etwas Luft.

    4: Ingamecoaching ist ja so eine zweischneidige Sache. Jemand der seinen Plan ständig ändert, sollte sich vielleicht mal Gedanken machen. Tedesco hat zur Halbzeit schon deutlich umgestellt. Das hab ich so unter den letzten 4 Trainern höchstens mal bei einer Verletzung gesehen. Er ist vom System überzeugt und Schalke ist ja auch noch dabei sich da einzufinden. Chancen gab es auch. Alles über den Haufen zu werfen hätte ich als übertrieben empfunden. Wie siehst Du das?

      usonline · 16. August 2017 um 22:12

      Zu 1.
      Auf jeden Fall ein guter Plan. Im DFB Pokal und in Europa war Kono letztes Jahr schon OK. Buli ist das Maß der Dinge.

      Zu 2.
      Da frage ich Tedesco nach… 🙂
      Ich glaube eher an eine Umstellung zur defensiven Stabilisierung.

      Zu 3.
      Ein valider Punkt.

      BTW: das ist dann allerdings auch keine so wirklich “gespiegelte” Aufstellung. *klugscheissermodus off*
      🙂

      Zu 4.
      Da bin ich bei mal abwarten, “so ganz traue ich dem Braten noch nicht”. Grundsätzlich plädiere ich auch dafür, dass man ein System erst einmal verinnerlicht haben sollte, bevor darauf aufbauend Varianten einstudiert werden. Allerdings finde ich, dass man in einer langen Sommervorbereitung das durchaus schaffen kann und auch mal eine größere Anpassung (zB Wechsel zu einer pendelnden Viererkette) schon mit im Vokabelheft stehen kann. Insoweit hat es mich überrascht, dass ich bisher in allen Testspielen im wesentlichen positionsgetreue Wechsel gesehen habe und weniger deutlich sichtbare Umstellungen in der Formation.
      Aber vielleicht will Tedesco seine Spieler da einfach auch nicht durch ständige taktische Plänkeleien überfordern und erstmal etwas sinnvoll etablieren.
      Aber na klar, auf Sicht wünscht man sich – in Abhängigkeit vom Spielermaterial – vor allem Variabilität.

ES · 16. August 2017 um 10:48

Erst einmal Vielen Dank, dass Du Deinen Blog auch in dieser Saison wieder fortsetzt! Ich freue mich auf die vielen Beiträge und auch auf die ein oder andere Kontroverse.

Zum Spiel: Die Spielweise der Schalker schloss da an, wo die Vorbereitungsspiele aufgehört haben, und da fand ich wenig Erquickliches. Wir haben doch alle aus den letzten Jahren gelernt, dass die Mannschaften Erfolg haben, die entweder gnadenlos kompakt und möglichst hoch und intensiv pressen (Leipzig, Freiburg, selbst der HSV hat sich mit der Spielweise noch gerettet), oder die ein gepflegtes dominantes Ballbesitzspiel vortragen können (Bayern, BVB, Hoffenheim auf seine Art). Am Besten sind Mannschaften dran, die Beides können (Bayern, BVB, wieder Hoffenheim (Pressing nicht so hoch, aber schlau), in Ansätzen auch Leipzig).

Bei Tedesco-Schalke sehe ich weder das Eine noch das Andere, und habe leider auch den Eindruck, dass das nicht die Strategie ist. Das Pressing ist nicht hoch, Schalke steht auch nicht sonderlich kompakt, ausgesprochene Pressingfallen wie bei Hoffenheim sehe ich nicht. Der Aufbau vom zweiten ins vordere Drittel funktioniert entweder flach in die Mitte, wonach sich schnelle Ablagen auf Mitspieler anschließen sollen (was ganz selten klappte) oder hoch nach Außen. Das Ergebnis war meist ein schneller Ballverlust, das Gegenpressing war wegen mangelnder Kompaktheit nicht erfolgreich. Stambouli ist im Aufbau behäbig (möchte ihn übrigens nicht im Laufduell mit Werner erleben), eine vorbereitende tiefe Zirkulation findet leider nicht statt. Qualität kam erst mit Goretzka und dann Meyer (immer noch der unterschätzteste Spieler seit Jahren) rein. Damit wurde das Passspiel sauberer, es kam so etwas wie Flüssigkeit ins Spiel, die Räume wurden besser besetzt, die Tore waren die Konsequenz.

Zur Dreierkette: Das finde ich zu statisch angelegt. Leider wieder das Beispiel Hoffenheim: Die Spieler der Dreierkette bewegen sich äußerst fluid zueinander und finden damit (und mit dem spielstarken Torwart) immer wieder den spielerischen Weg aus dem gegnerischen Pressing heraus. So wie Schalke das spielt, ist es meiner Ansicht nach leicht zu pressen. Bin mal gespannt, wie das gegen Leipzig aussehen wird.

Zu Konoplyanka: Das war schon in der letzten Saison so, dass er gegen schwächer Gegner, z.B. im Pokal und in der Euro League gut ausgesehen hat, und trotzdem in der BL nicht zu gebrauchen war.

Überzeugt bin ich vom Tedesco-Fußball noch überhaupt nicht. Aber vielleicht klappt es nach den BR und Weinzierl-Jahren, wo ich nach der Vorbereitung hochoptimistisch war und dann über die Saison enttäuscht wurde, mal umgekehrt.

    Karsten · 16. August 2017 um 20:38

    Ich freue mich sehr Dich wieder zu begrüßen. 🙂

    Von den Testspielen hab ich ehrlich gesagt so gut wie nix mitbekommen. Was Du schreibst lässt mich stutzen. Werden wir am Ende doch nicht Meister?!
    Ich glaube den Punkt hast Du selbst genannt, die spielstärksten Akteure fehlten, mit Außnahme von Kehrer und Bentaleb natürlich. Coke, Goretzka, Höwedes, Meyer, vielleicht sogar Baba und Harit. Ich bin gespannt, ob es dann doch Richtung Ballbesitz geht oder ob das Ziel “Hart & Steil” bleibt.

      Flo Kno · 17. August 2017 um 12:43

      Harit hat doch gespielt in der ersten Halbzeit, leider waren seine Dribblings selten von Erfolg gekrönt.

      Was meine Eindrücke aus der Vorbereitung angeht muss ich mich ES ein Stück weit anschließen. In jedem Interview sprechen Heidel, Tedesco – sogar Tönnies – vom Pressing das sie gerne sehen wollen. Viel gesehen hat man davon noch nicht und wenn mal früh angelaufen wird, wie durchaus geschehen gegen BFC, dann wirkt das noch extrem unkompakt. Gegen den BFC hat es meist funktioniert, aber gegen stärkere Teams wird das so nix.

      Was man zum BFC-Spiel aber fairerweise noch sagen muss ist, dass der Platz nicht besonders dolle schien. Ich war im Stadion und dachte von der Optik her zunächst: Schöner Teppich. Der Ball rollte später aber arg unrund und ich denke/hoffe, dass das ein Grund dafür war warum z.B. Basti Oczipka über 90 Minuten kaum einen Ball richtig angenommen und weiterverarbeitet hat.

      Das schöne ist, dass mit Leipzig am Samstag direkt der erste echte Härtetest auf das Team wartet. Dann werden wir sehen wie weit die Entwicklung wirklich schon ist.

      ES · 18. August 2017 um 09:58

      Nochmal der gleiche Kommentar, aber (hoffentlich) an der richtigen Stelle:
      Das große Manko von Schalke in der letzten Saison war, dass sie gegen aggressiv pressende Gegner die größten Schwierigkeiten hatten. Jetzt kommt gleich der Primus in dieser Disziplin. Wir werden sofort sehen, ob sich was verändert hat.

      Ich hatte beim Dynamo-Spiel zwischendurch mal den Gedanken, ob Tedesco das Pokalspiel auch als Vorbereitung auf Rasenschach Jena nimmt. Weite diagonale Bälle über den kompakten Block können dann durchaus ein Mittel sein.

Diaspora · 16. August 2017 um 11:17

Ich fand das Spiel zeigte schon ganz gute Ansätze war nur leider etwas fad, wegen der versemmelten Torchancen. Die ersten 20 Minuten fand ich recht ansehnlich, auch was das Pressing angeht. Für mein Empfinden wurde da der BFC recht lange in der eigenen Hälfte eingeschnürt und es sprangen ein paar ganz ordentliche Torchancen heraus. Allerdings ließ das dann in der 2. Hälfte der ersten Halbzeit extrem nach.

In der 2. Hälfte fand ich auch die Einwechslung von Meier extrem belebend. Er hat sehr gut Räume geschaffen und wenn ich das aus der Gästekurve heraus richtig gesehen habe, nicht nur das 2. Tor direkt vorbereitet, sondern auch Goretzka vor dem 1:0 so freigespielt, dass er unheimlich viel Raum für die Vorbereitung des Tores hatte. Auch ich halte Meier für extrem unterschätzt und habe mich über sein gutes Spiel vor allem deshalb gefreut, weil er von vielen Berichterstatttern im Vorfeld bereits als potentielles Systemopfer abgeschrieben wurde, da für ihn nur die linke Offensivseite übrig bleiben würde. Hier würde mich interessieren, wie Ihr seine Rolle im System gesehen habt. Im Stadion konnte ich das nicht wirklich erkennen wie und wo er da spielte.

Kono hatte m.E. in der letzten Saison nicht nur Schwächen in der Defensive sondern ist – zumindestens in den letzten Spielen – ziemlich erratisch durch die Gegend gelaufen und mit seinen Dribblings häufig hängen geblieben. Wie ES bereits geschrieben hat, konnte er meist gegen schwächere Gegner glänzen. Bin gespannt wie sich das diese Saison entwickelt.

Die Einstufung von BFC in der Vorberichterstattung habe nicht systematisch verfolgt, hatte aber schon den Eindruck, dass die BFC-Vergangenheit allgemein bekannt ist. Zumindest die Schalker im Stadion schienen gut informiert gewesen zu sein. Für meinen Geschmack wurde da leider ein bisschen zu viel der BFC verunglimpft, als sich auf die Unterstützung der eigenen Mannschaft zu konzentrieren.

    Karsten · 16. August 2017 um 20:43

    Meyer hat interessanter weise auf rechts gespielt. Kono blieb links. Von dort zog Meyer aber gern in den Halbraum und ins Zentrum. Ist toll zu sehen, wie der mit Goretzka harmoniert. Ich bin gespannt, wie Tedesco ihn langfristig einbindet.

    ES · 18. August 2017 um 09:57

    Das große Manko von Schalke in der letzten Saison war, dass sie gegen aggressiv pressende Gegner die größten Schwierigkeiten hatten. Jetzt kommt gleich der Primus in dieser Disziplin. Wir werden sofort sehen, ob sich was verändert hat.

    Ich hatte beim Dynamo-Spiel zwischendurch mal den Gedanken, ob Tedesco das Pokalspiel auch als Vorbereitung auf Rasenschach Jena nimmt. Weite diagonale Bälle über den kompakten Block können dann durchaus ein Mittel sein.

Rjonathan · 16. August 2017 um 12:04

Also zum ersten Absatz und vor allem auch zum ersten Kommentar:

Ich finde das ein Stück weit übertrieben. Die Rolle vom BFC als Mielkes Lieblingsklub wird meines Wissens nach nicht aktiv heruntergespielt. Ich weiß nicht welchen Umgang du dir da konkret wünschst, der derzeit fehlt, bzw welchen Umgang du beobachtest, der dir falsch vorkommt. Man kann da sicher mehr machen, aber ein echtes Problem kann ich von meiner Warte bei den Berlinern nicht erkennen. Vielmehr bemerke ich in der Allgemeinheit jede Menge Vorurteile gegen den Verein. Konkret wurde ich eines besseren belehrt als ich vor ein paar Jahren mal ein Auswärtsspiel in Hohenschönhausen bei der Ü32 hatte. Ich habe selten eine so faire und gemeinschaftliche Stimmung bei erlebt. Die BFCler waren echte Sportsmänner, von Parolen oder Ausländerfeindlichkeit keine Spur (ich habe damals in einem Kreuzberger Team voller Türken und Punks gespielt).

Dass es bei den Fans auch einige (nicht wenige) Rechte gibt, ist ganz sicher richtig. Es gibt im Osten ja kaum eine Tribüne (auch bei Union nicht!) wo sich Rechte rumtummeln. Dass Dynamo im Besonderen ein “Sammelbecken” für die rechte Szene sei, halte ich allerdings für eine übertriebene Darstellung. Wie andere Vereine auch, bildet der Verein einfach die Gesellschaftsstruktur seiner Region (Nordosten Berlins) ab. Dazu gehören leider auch eine Menge AFD- und einige NPD-Wähler.

    Karsten · 16. August 2017 um 13:35

    Hallo Rjonathan,

    Der BFC war nicht nur Mielkes Lieblingsverein. Er war ehrenvorsitzender und Vorsitzender des Muttervereins SC Dynamo. Wenn ich auf den Umgang mit der Vergangenheit angeispielt habe, dann meine ich das, was ich in der Übertragung mitbekommen habe. Wie die Berliner damit umgehen, weiß ich nicht. Mir ist wichtig wie Sky damit umgegangen ist. Die haben nämlich immer nur betont, wie erfolgreich Dynamo damals war. Punkt. Hintergründe: Null. Und das ist mir heute nunmal zu wenig. Darum habe ich das, was ich dazu kürzlich gelesen habe, mal zusammengefasst.

    Wer wieviele Nazis auf den Tribühnen sitzen hat ist mir wurscht. Jeder einzelne davon ist über. Aber das war, zumindest aus meiner Warte, hier auch gar nicht Thema.

      Rjonathan · 16. August 2017 um 17:17

      Ah ok, es ging um Sky. Ok, das ist verständlich.

      Um die Neonazis ging es im ersten Kommentar.

Leoluca · 19. August 2017 um 10:57

Dass Pressing bzw. Balleroberung das Hauptproblem dieser Mannschaft seien, sehe ich nicht. War es nach meinem Empfinden auch in der vergangenen Saison nicht. Die größte Schwäche lag für mich im zähen, einfallslosen Spiel nach vorn. Wenig Tempo, wenig Präzision nach der Balleroberung. Hier stützt die hohe Fehlpassquote gegen den BFC erst mal jede Skepsis. Gegen einen so biederen Viertligisten so mühsam erst gegen Ende das Spiel zu entscheiden, na ja.

Ein Wort noch zum Dynamo-Milieu in Berlin . Dass Verein und Stadion in den beiden ersten Jahrzehnten nach der Wende oft von rechten Hools aufgemischt wurden, war eben kein Zufall und lag bei weitem nicht nur an der Wohngegend. Will man heute was Positives an dieser Szene finden, so eigentlich nur, dass sie sehr viel älter geworden ist und weniger dominant. Im Jahnstadion am Prenzlauer Berg tummeln sich auch junge Ultra-Gruppen, die anders drauf sind, auch wenn man von dem Publikum, das direkt da wohnt, bisher nicht viel sieht.

Flo Kno · 20. August 2017 um 11:12

nach xG hätte es wohl noch deutlicher ausfallen müssen:
https://twitter.com/11tegen11/status/898452605772460032

Heimspiel im Prenzlauer Berg – Torhagelblau · 16. August 2017 um 11:03

[…] vormaligen DDR-Serienmeister und Mielke-Club, über dessen Geschichte Mitbewohner Karsten in seiner anderen Residenz ein paar Worte geschrieben […]

Vorbericht zum Spiel in Hannover mit Niemals allein: So spielt 96 unter Breitenreiter | Halbfeld­flanke · 25. August 2017 um 16:34

[…] auch Schalke zur Zeit nicht viel mit Ballbesitz anfangen kann (siehe Pokal-Spiel), gehen wir von zwei eher tiefstehenden Teams aus, die sich bemühen kompakt zu verteidigen. Und am […]

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