Neuer Trainer auf Schalke, Länderspielpause im Herbst, traditionell der Zeitpunkt für ein erstes großes Zwischenfazit. 7 Ligaspiele liegen hinter uns, ein Pokalspiel und… äh, ach nee, sorry, das war‘s. Jedenfalls steht Schalke jetzt auf Platz 9. 9 Punkte weniger als der erste und genauso viele Punkte mehr als der letzte. Mehr Mittelfeld geht nicht. Dazu ist der Kapitän von Board gegangen. Wie steht’s also wirklich um das neue Schalke? Und wo geht die Reise hin? 

Der Trainer

Die Generation Laptop-Trainer wird oft schön verallgemeinert. Die neue Schule. Moderne Trainingsmethoden hatte Klinsmann vor der WM 2006 allerdings schon eingeführt. Alles über den gleichen Kamm zu scheren ist deutlich zu kurz gedacht. Genauso wenig wie Peter Neururer und Udo Lattek waren die gleiche Generation, aber offensichtlich sehr unterschiedliche Trainer. Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco in den gleichen Topf zu werfen, nur weil sie in der gleichen Klasse waren wirkt ähnlich absurd.

Nagelsmann und Tedesco haben unterschiedliche Ideen was den Fußball angeht. Aber auch in der herangehensweise. Der neue Head-Coach auf Schalke zeichnet sich besonders durch Pragmatismus aus, viel stärker als der Hoffenheimer. Alles was passiert, passiert aus einer gewissen Logik heraus. Ein paar Beispiele:

Die Kapitänsbinde bekommt ein Spieler, der immer auf dem Platz steht, nicht einer, der regelmäßig mit Verletzungen zu kämpfen hat.

  • Es gibt ein Grundsystem, dass grob zum verfügbaren Spielermaterial passt und so flexibel ist, dass maximale Gegneranpassung möglich ist.
  • Zunächst liegt der Fokus auf Pressing und Kontern. Über Ballbesitz reden wir später. Vielleicht.
  • Die Spieler werden da eingesetzt wo sie helfen können. Wer dem Gesamt-Konstrukt nicht helfen kann wird nicht eingesetzt.

Das System

Das Tedesco’sche Grundsystem ist ein 3-4-3, witziger Weise wurde es zumeist mit einer 5er Kette interpretiert. Das widerspricht sich nur oberflächlich. Es geht um 3 feste Defensivkräfte, 3 feste Offensivkräfte und dazwischen 2 Flügelspieler und 2 zentrale Mittelfeldspieler. Die Flügelspieler müssen defensiv natürlich hinten mit absichern. Und weil die Bundesliga fast nur aus Teams mit Flügelfokus besteht, ist eine gewisse Tiefe notwendig. Und die beste Verteidigung aus 5 Leuten besteht nunmal in einem Ketten-Mechanismus. Ganz pragmatisch.

Wie fast alle Systeme mit 3 Zentralverteidigern, ist beim 3-4-3 die Flügel-Verteidigung der wunde Punkt, die Stärke liegt im Zentrum. Darum wird von den Flügelspielern eine gewisse Geschwindigkeit erwartet und von den 6ern ein hoher Aktionsradius. Sie müssen viele Meter machen, weil sie viel Raum abzudecken haben.

Die offensive ist dabei ebenfalls als sehr beweglich einzusortieren. Tedesco will vorne keinen Stoß- oder Strafraumstürmer, sondern jemanden, der ebenfalls beweglich ist. Der zentrale Angreifer soll zwar Zielspieler sein, aber eben auch auf dem Flügel und im Mittelfeld mithelfen und Bälle verteilen. Die beiden Flügelstürmer sind die erste Adresse um den Flügel abzusichern. Typischer Weise sind sie recht breit stehend und erst im letzten Drittel ins Zentrum ziehend.

Das Pressing

Gucken wir mal auf die Defensive zuerst. Schalkes Pressing kann sich inzwischen sehen lassen. Die Intensität wechselt ständig, mal sehr hoch, mal tiefes Mittelfeldpressing, je nach Situation und Gegner. Dabei ist die Abstimmung untereinander aber meist gut.

Jakob hat das Pressing in seiner Analyse des Spiels in Bremen als Optionsorientiert beschrieben. Es wird weder verstärkt im Raum noch mannorientiert gepresst. Sondern der Spieler, der dem Ball am nächsten ist, entscheidet die Richtung und alle anderen folgen. Wie ein Bienenschwarm. Der erste Spieler, oft einer der 3 Offensivkräfte der den gegnerischen Spielaufbau stört, muss vorgeben wo es lang geht. Dabei muss er darauf reagieren was der Gegner macht. Und alle anderen müssen mitziehen. Sonst fällt das Pressing auseinander und ist sehr leicht zu überspielen.

Die Abstimmung funktioniert großartig, beim Pressing ziehen so ziemlich alle voll mit. Gegner haben es schwer sich durch das Schalker Pressing zu tanken. Die Bayern mussten so ihr ganzes Können an Kombinationsfußball auffahren was sie hatten, die meisten anderen versuchten immer nur abwechselnd auf einem der Flügel irgendwie durch zu kommen.

Aber die Defensive ist, wie schon im letzten Jahr, eigentlich nicht das große Problem. Und das sage ich wohl wissendlich, dass nur 6 Teams der Liga bisher mehr Gegentore kassiert haben als Schalke. Die Flügel sind zwar die bekannte Schwachstelle, doch Flügelstürmer und 6er unterstützen den jeweiligen Flügelstürmer, so dass das Gros abgefangen werden kann. Dazu kommt Schalkes inzwischen traditionell starke Endverteidigung.

Besonders Thilo Kehrer spielt eine unfassbar starke Saison. Als Kongenialer Partner neben Naldo gleicht er dessen Geschwindigkeitsdefizite aus. Und umgekehrt gelegentliche Stellungsfehler.

Die Offensive

Das Problemkind auf Schalke ist, und das ist leider auch nichts neues, das Toreschießen. Dabei schafft es die Mannschaft allerdings regelmäßig gefährliche Situationen zu erzeugen. Aber entweder ein Spieler kommt dann einen Schritt zu spät, der Pass ist etwas unsauber gespielt oder der Abschluss ist schlichtweg nicht gut. Tedescos Meinung dazu ist so klar wie pragmatisch, er sagt, dass das wichtigste ist Torchancen zu erzeugen, Torerfolg kommt dann automatisch. Und da sieht er Schalke auf einem guten Weg. Gegen Hannover, München und besonders Hoffenheim wären Punkte drin gewesen, jetzt gegen Leverkusen hätte Oma Goretzka nach eigener Aussage (also der Leon Goretzkas, nicht der Oma selbst) den Sieg besorgt.

Eben jener ist nach wie vor der Schlüsselspieler im Angriffsspiel. Zwar wird der Ball meist über die Flügel, um die 6er herum nach vorne gebracht, aber der erste Angriff führt selten genug in den gegnerischen Strafraum. Anschließend schaltet sich das Mittelfeld ein und beim Pressing sowieso. Mit dem Ball im letzten Drittel werden die 6er zu 10ern, Spielgestalter und Ballverteilmaschienen. Max Meyer machte da gegen Hoffenheim ebenfalls eine gute Figur.

Das neue Schalke. Ein Logo-ReDesign von CrestUp.

Was ist anders als zuletzt?

Plötzlich ist Schalke gefährlich nach Standards. 6 der 8 geschossenen Tore sind Resultat von Standardsituationen. 2 Strafstöße, 2 Freistöße (davon einer direkt) und 2 Ecken. Das ist gut. Zeigt aber auch wie verheerend das Problem ist Tore aus dem Spiel zu machen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass Schalke jetzt deutlich mehr zweite Bälle bekommt. In der letzten Saison landeten Abschläge des Torhüters (und dabei ist eigentlich egal oder der eigene oder der des Gegners) mehr oder weniger direkt beim Gegner. Das ist jetzt deutlich besser geworden. Und selbst wenn der Ball beim zweiten oder dritten Kontakt nicht in den Schalker-Reihen ist, so kann wenigstens wohlformiert das Pressing direkt angegangen werden.

Ein Punkt der mir ein paar Sorgen bereitet ist, dass mir immer wieder Unsauberkeiten im Passspiel auffallen. Der Druck hat sich erhöht, klar, außerdem wird jetzt viel vertikaler gedacht als in der Vergangenheit. Der Ball soll von jedem Spieler nach Ballgewinn so schnell wie möglich und so weit wie möglich nach vorne gespielt werden. Jeder Spieler hat jetzt also mehr Stress. Gleichzeitig muss bei steileren Pässen natürlich auch das Risiko erhöht werden. Trotzdem gibt es unverhältnismäßig große Probleme im Passspiel zur Zeit. Oft finden die Bälle zwar irgendwie den Mitspieler, aber eben so, dass dieser den Ball kaum verwerten kann, oder zumindest nicht so, wie er es gern möchte.

Was muss anders werden?

Ganz einfach gedacht, muss Schalke anfangen Tore zu schießen. Die Frage ist natürlich wie…

Möglichkeit 1: Tedesco implementiert Ballbesitzspiel

Etwas, auf das ich hier öffentlich schon lange dürste, ist ein richtiges Ballbesitzspiel. Bei Ballgewinn versuchen zu kontern, klar, aber dann muss ein Plan B her, wenn der Konter nicht in einem aussichtsreichen Torabschluss endet. Schalke müsste das eigene Kombinationsspiel verbessern, mit dem Ball am Fuß auch den Gegner rumlaufen lassen und Geduldig nach Lücken in der Abwehr suchen. Zur Zeit versucht Schalke den Ball lieber nicht selbst zu haben, durchschnittlich 46% Ballbesitz sprechen da eine deutliche Sprache.

Möglichkeit 2: Schalke wird zur Gegenpressing-Maschine

Wenn Schalke auch weiterhin ohne Ballbesitz spielen möchte, muss die Zeit ohne Ball intensiviert und die Zeit mit Ball stark verbessert werden. Also das Spiel gegen den Ball müsste noch aggressiver gestaltet werden. Noch schneller umschalten, noch höher angreifen, deutlich mehr Meter und intensive Läufe abreißen. Und bei Ballgewinn müsste der Ball von Fuß zu Fuß fliegen. Bei höchstem Druck und höchster Geschwindigkeit. Aber dabei immer sicher.

Möglichkeit 3: Schalke macht die Dinger einfach rein

Zugegeben etwas profan. Wenn Schalke mit Strafraumsituationen etwas effektiver umgeht, stapeln sich aber tatsächlich deutlich mehr Punkte auf dem Konto. Doch das hieße natürlich auch ein bisschen auf’s Glück zu hoffen. Und ich glaube nicht, dass Tedesco mit seiner Entwicklung schon fertig ist.

Fazit

Die Punktausbeute ist nicht gut. Das Spiel gäbe eigentlich etwas mehr her, aber insgesamt wurde bisher noch kein Gegner über einen längeren Zeitraum klar dominiert. Außer vielleicht Hoffenheim. Das Spiel ist gut, es fehlt aber noch an Feinschliff. Das neue Schalke ist noch Under Construction. Das ist legitim, schließlich dreht Heidel nach wie vor das ganz große Rad. Die Entwicklung wird noch eine ganze Weile andauern. Allerdings sollte die Tormaschinerie langsam angeworfen werden, wenn die nächste Saison wieder international gespielt werden soll.

Kategorien: Spiel & Spieler

Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

14 Kommentare

Reiner Woesler · 9. Oktober 2017 um 07:23

Endlich einmal ein fachlich fundierter Beitrag, der die Situation auf Schalke ausgezeichnet beschreibt und der sich wohltuend von den vielen inhaltslosen Ergüssen anderer vermeintlicher Fachredakteure abhebt!
Hier wird nicht über „Die Stimmung in der Kabine ist gut“ (Fährmann) oder die Frisur von Max Meyer geschrieben, sondern über fundamentale Sachverhalte des im Aufbau befindlichen neuen FC Schalke 04!
Davon wünsche ich mir MEHR! Vielen Dank hierfür!

Royaleblau · 9. Oktober 2017 um 11:25

Danke für den interessanten Beitrag. Ich glaube allerdings nicht, dass wir langfristig auf viel mehr Tore hoffen können, wenn es vorne so weiter läuft wie bisher. Denn die bisher schwache Chancenverwertung aus dem Spiel heraus wird derzeit ausgeglichen von der hohen Effizienz bei Standards, die wir ihrerseits sehr wahrscheinlich nicht aufrecht erhalten können.

Sowohl Chancenverwertung als auch Standardeffizienz hängen sehr vom Zufall ab, und zurzeit gleichen sie sich bei uns ziemlich gut aus. Das legen auch Expected-Goals-Modelle nahe: Laut understat.com zB haben wir uns 8,09 xG erspielt (und acht Tore wirklich geschossen).

    Karsten

    Karsten · 9. Oktober 2017 um 17:53

    Hi Royaleblau,

    Ich finde den xG Quotienten immer etwas schwierig, weil es leicht ist ihn falsch zu nutzen. Das Modell wertet die Schüsse aus, entsprechend einer lokalisierungs-orientierten Wahrscheinlichkeit. Vereinfacht ausgedrückt sagt der Abschlüsse von da sind in 50% der Fälle drin, also werten wir das als halbes xG.

    Das Problem dabei liegt aber daran, dass eben nur Abschlüsse gewertet werden. Und da Du den Zufall selbst angesprochen hast, weißt Du, dass der entscheidender Faktor ist. Oft, zumindest meiner Meinung nach, war Schalke in dieser Saison schon brandgefährlich im Gegnerischen Strafraum. Schaffte es letztlich aber nicht einen Schuss abzugeben. Gründe sind vielschichtig, der xG bewertet das aber nicht.

    Teams die häufig aufs Tor schießen (wie etwa Leverkusen) werden vom xG bevorzugt gegenüber Teams die eher selten aufs Tor schießen, weil sie auf richtig gute Gelgenheiten warten (wie etwa Schalke).

    Das einzige was der xG hier also an Argumentation bietet, ist, dass Schalke mit 11,9 abgegebenen Schüssen pro Spiel zwar auf Platz 11 im Ligavergleich liegt, aber da eine Ausbeute rausholt, die Statistisch normal ist.

      Royaleblau · 10. Oktober 2017 um 00:40

      Nun ja, ganz so simpel, wie du es darstellst, ist xG auch nicht. Neben dem Ort, von dem ein Schuss abgegeben wurde, werden noch viele andere Faktoren einbezogen, wie zB Verteidiger zwischen Ball und Tor, Art der Vorlage, starker Fuß/schwacher Fuß/Kopf etc. Normalerweise werden Mannschaften, die aus allen Lagen schießen von xG nicht höher bewertet- weil ihr xG-Wert pro Schuss entsprechend niedriger ist. Dass xG (zumindest die Schuss-basierten Models) gefährliche Situationen, die nicht in einem Abschluss resultieren ignoriert, ist eine berechtigte Kritik… Aber ob Schalke sich solche Situationen signifikant öfter erspielt als andere Mannschaften, ist unklar bzw. zweifelhaft.

      XG ist ja auch nicht einfach so sozusagen die Speerspitze der statistischen Fußballanalyse, sondern weil es in Studien die zukünftige Tor- und Gegentorausbeute von Mamnschaften besser vorausgesagt hat als ihr echtes Torverhältnis. Unf Fans (oder Scouts) sind ja ihrerseits aller möglichen kognitiven Biases unterworfen.

      Karsten

      Karsten · 10. Oktober 2017 um 07:48

      Selbstverständlich ist der xG etwas komplexer, darum hab ich es ja auch „vereinfacht ausgedrückt“ um den Punkt klar zu machen. Was da aber wie rausgerechnet werden kann, möchte ich mal in Frage stellen. Denn die Teams, die die meisten Tore machen, schießen auch am häufigsten auf’s Tor. Guck Dir dagegen mal den xG von Hoffenheim an, die selten schießen, aber häufig treffen, im vergleich zu Dortmund, die zwar auch häufig treffen, aber auch sehr häufig schießen.

      Ich mag den xG, glaube aber eben, er sollte mit Vorsicht genossen werden. Das Problem bei Schalke ist letztlich, dass zwar gute Gelegenheiten erspielt werden, dann aber zum Teil der Abschluss nicht gesucht wird. Aus welchen Gründen auch immer. Vorbei schießen kann jeder mal. Aber wenn nicht geschossen wird, wird nie ein Tor fallen.

      Und den xG als Speerspitze der statistischen Fußballanalyse zu nennen halte ich für mächtig dick aufgetragen. Nur weil es mehr Aussage hat als das reine Torverhältnis… da halte ich den TSR für deutlich relevanter und nicht zuletzt nachvollziehbarer.

    Luke · 10. Oktober 2017 um 12:05

    Hi Karsten,

    Top Artikel As usual, ich bin bezüglich des xG aber bei Royaleblau. Inwiefern die einzelnen Faktoren in den korrekten Größen aufgerechnet werden kann man natürlich bezweifeln, aber insgesamt gib es doch keine objektivere Sichtweise auf die Chancenverteilung eines Spiels als jede Tormöglichkeit einzustufen und dann mit dem Gegner abzugleichen.
    Das sagt wenig an sich vorerst wenig über die gesamte Entwicklung aus, es gibt aber schon eine Aussage über das Spiel.

      Karsten

      Karsten · 10. Oktober 2017 um 21:57

      Ja, da stimme ich voll zu.

Zeitspieler · 9. Oktober 2017 um 18:57

Hallo Karsten,
erst mal vielen Dank für Deinen „Tedesco Code“,
wie immer hast Du Deine Analyse sehr objektiv aufgebaut, alles sehr gut heraus gearbeitet mit ausreichend Gelassenheit und einem Schuss Humor, dazu noch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft gewagt. Im Grunde ist ein Angriff auf Deine Argumentation ähnlich schwer, wie für Schalkes Gegner das Tore schiessen in der Tedesco Zeit.
Mein Problem mit Deiner Analyse ist, dass Du Tedesco, auf Grund der Pressing Fortschritte von Schalke, schonst.
Ich probiere mal einen Angriff auf Deine Analyse à la Jermaine Jones. Einfach mal nach vorne, ohne defensive Absicherung.
Meine Probleme mit Tedesco:
1. Tedesco stellt nicht die besten 11 Fußballer auf, sondern die besten Pressing Spieler. Ballsicherheit, Kombinationsstärke, Dribbling Stärke und vor allem Spielübersicht sind für ihn nebensächlich.
2. Wenn ich sehe, dass gleichzeitig Meyer, Coke und Embolo auf der Bank sitzen, aber Caligiuri, Burgstaller und McKenny spielen, kann ich nicht mehr an Tedesco glauben. Ich habe nichts gegen Burgstaller und Caligiuri, der Burgstaller kämpft wirklich, hat uns in der letzten Rückrunde sehr geholfen, beide sind sicher gute Zweitliga-Spieler, aber ein Kombinationsspiel mit ihnen wird nie möglich werden. McKenny mag ich, aber es kann nicht sein, dass Tedesco einen Startelf Platz für ihn findet und für Meyer nicht. Unter Tedesco würden Ronaldo, Messi und Draxler nicht mal auf die Ersatzbank kommen, die würden sofort verkauft und man würde Coleman, Gatlin und Bolt holen. Niemand wird es Max Meyer übel nehmen können, wenn er nächstes Jahr wechselt.
3. Seit Tedesco auf Schalke ist, regnet es dauernd.
4. Die Standards sind wirklich besser geworden, wahrscheinlich hat Tedesco letztes Jahr den Königsblog gelesen und die Nachrichten von „Max“ gelesen und übernommen.
5. Als Tedeso kam, sagte er sinngemäß, er bräuchte keine neuen Spieler und er würde ein passendes Spielsystem nach den Talenten der vorhandenen Spieler ausrichten. Das sehe ich so gar nicht.
6. Was mich menschlich stört: Die Umarmung von Höwedes vorm Spiel gegen Leipzig, genau vor der Fernsehkamera, finde ich einfach nur verlogen.
7. Das Vergeben von guten Torchancen führe ich auch zurück auf das starke Pressen der Stürmer. Ich denke, dass da oft Kraft und Konzentration fehlen, wenn stark gepresst wurde. Ebenso leidet meiner Meinung auch die Passsicherheit, wenn über zu lange Zeiträume stark gepresst wird.
8. Mir fehlt Selbstkritik bei Tedesco, mir wäre es lieber, er würde nicht nur von Fehlern der Mannschaft und vom weiteren Lernen der Mannschaft reden, sondern auch selbstkritisch sein. Fußball ist kein Rasenschach!
9. Es wird Zeit, dass der sehr junge, und unerfahrene Trainer seinen nächsten Step macht und hoffentlich schnell weiter dazu lernt.
10. Es war sowieso ein Fehler, den Mirko, zu entlassen.

Vor der Saison hatte ich mir vom neuen Trainer für 2018 die achte Deutsche Meisterschaft gewünscht oder falls das nicht klappt, dass er einen Nachwuchsspieler integriert. Na gut er hat McKenni integriert, das ist schon mal toll. Leider hat er Meyer degradiert. +1 + -1 = Null
Dieses Jahr schwächelt Bayern, wir aber auch, allerdings schon etwas länger.
Ich habe fertig!
Muss jetzt meine Schwester in Berlin anrufen, vielleicht kann ich Samstag Ihr Sofa nutzen.
Viererkette wäre gut: Christian Pander + Joel Matip + Klaus Fichtel und Rafinha
Wenn Tedesco so aufstellt, wird er mein Lieblingstrainer.

    Karsten

    Karsten · 9. Oktober 2017 um 20:39

    Lieber Zeitspieler,

    Noch nie habe ich im Zusammenhang mit Halbfeldflanke so sehr gelacht, wie in dem Moment als ich Deinen dritten Punkt gelesen hab. Hut ab. Und den kann ich auch nicht widerlegen. Den Punkt mit dem Regen, nicht den Hut.

    Viele von Deinen anderen Punkten würde ich auf Tedescos Pragmatismus zurück führen wollen. Bei der Integration darfst Du bitte Kehrer nicht vergessen. Unter Weinzierl war er Lückenfüller, inzwischen ist er nicht weg zu denkende Stammkraft. Aber ja, vermutlich schone ich ihn zu sehr. Besser wäre schöner. Aber soweit bin ich mit dem Spiel auch nicht unzufrieden. Mir fehlt es da ebenfalls an Spielstärke, letztlich Deine Punkte 1+2, aber das ist eine Philosophiefrage. Meyer würde bei mir sowieso immer spielen.

    Ich hoffe es klappt mit dem Sofa Deiner Schwester. Bring 3 Punkte mit. 😉

      Zeitspieler · 10. Oktober 2017 um 15:43

      Hallo Karsten, danke für Deine Antwort. Den Kehrer kann ich nicht aus der Weinzierl Zeit rausnehmen, da sonst nichts positives aus der Weinzierl Zeit bleibt. Am liebsten würde ich den Kehrer schon in die Breitenreiter Zeit setzen, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat doch schon Neustädter bei Euerem Taktik Gespräch auf der Halbfeldflanke den Kehrer für Startelf tauglich empfunden. LG Klaus

Glückauf · 9. Oktober 2017 um 21:49

Hallo Karsten, hallo Schalker

Regelmässig rufe ich Halbfeldflanke.de auf in der Hoffnung einen neuen Artikel von dir lesen zu können. In erster Linie um die guten Spielanalysen lesen zu können aber genauso wie heute um auch mal eine Zwischenbilanz der Mannschaft oder des Trainers von dir zu bekommen. Sicher hast du oft die blau-weiße Brille auf aber das geht aus meiner Sicht eh nicht anders wenn man Schalker ist. Wir sind da alle leidgeprüft und hoffen einfach das es besser werden wird.
Kurz zu mir damit vielleicht auch verständlich ist warum ich etwas so oder so sehe. Ich bin 50 Jahre habe viele Jahre aktiv in den unteren Amateurklassen gespielt und war die letzten Jahre sowohl Junioren wie auch Seniorenspieler. Damit bin ich aufgewachsen mit der Abramczik/Fischer Generation und seit ich Fussball kenne Schalker auch wenn ich kein Ruhrpottler bin sondern in der Nähe von Karlsruhe wohne. Was deine Analyse betrifft trifft diese für mich absolut zu. Das etwas geändert werden musste war klar – ich war kein Weinzierl Fan aber auch die Vorgänger hatten mich nicht überzeugt. Daher hat mich der Wechsel zunächst auch gefreut. Tedesco – und das war wohl eine klare Vorgabe von Heidel – verfolgt strikt seinen Plan. Ob das reicht um international zu spielen bin ich mir nicht sicher. Was du nicht erwähnt hast und das ich als ganz großes Plus bei Tedesco sehe ist das er auch während dem Spiel reagiert und Anpassungen vornimmt – bei Weinzierl habe ich nie verstanden warum er bei schlechten Spielverlauf keine neuen Impulse gesetzt hat. Was er aber meines Erachtens nicht richtig macht ist alles was mit dem Thema Kopf zusammenhängt. Er betreibt Fussball zu sehr als Wissenschaft mit klaren technischen Abläufen und Gesetzen. Sicher ist das heute im Profifussball sehr viel mehr notwendig als früher aber dennoch gibt es noch sehr oft die Komponente die man nicht wirklich erklären kann und dann mit – haben stark nachgelassen / haben aufgedreht den Schalter umgelegt etc. versucht zu beschreiben. Dazu kommt das es gerade bei den Schalkern Spieler wie Fans der Grundmentalität entspricht zu kämpfen/malochen. Auch spricht gegen diese fast schon maschinelle Art des Fussballspiels das alle großen Vereine nach wie vor die besten Spieler brauchen um Erfolg zu haben. Damit scheint bei gleicher körperlicher Voraussetzung doch noch der individuelle Kopf und was darin abläuft ein entscheidender Faktor zu sein. Das Schalke jetzt nicht die großen Spieler holen kann ist jedem klar aber – jetzt lande ich doch noch bei Höwe – einen Höwedes darf ich schon alleine wegen seiner Mentalität niemals verkaufen mal abgesehen davon das er Weltmeister als linker Verteidiger geworden ist. Warum da ein Frankfurter Mittelmass Spieler geholt werden musste kann ich nicht verstehen. Das gleiche gilt für mich bei Coke – wer mit Sevilla als Kapitän die Euro-Liga gewinnt muss doch Fussball spielen können und mehr. Da kommt wohl der von dir erwähnte Pragmatismus ins Spiel. Wir werden sehen was passiert auf Schalke auch wenn ich glaube oder doch mehr hoffe das es besser wird und mit zunehmender Übung das Tedesco System dann doch Früchte trägt. Damit und das ist mein letzter Punkt es aufhört das die Schalker Jungs sehr regelmässig und dazu ohne Ablöse den Verein verlassen. Kolasinac, Höwedes, Sane, Matip, Draxler….wo könnten wir stehen – und der Trainer wäre vermutlich wurscht.
viele Grüße und schreib recht bald wieder!

Mit 5-Eck und Ballbesitz. Hertha BSC – FC Schalke 04, 0:2 | Halbfeld­flanke · 16. Oktober 2017 um 21:50

[…] der Länderspielpause bemängelt, dass Schalke eigentlich Probleme mit Ball am Fuß habe (siehe Der Tedesco Code), überraschte Tedesco zumindest mich mit 61,6% Ballbesitz, zwischenzeitlich sogar deutlich mehr. […]

Kreative Mangelerscheinungen. SC Freiburg – FC Schalke 04, 0:1 | Halbfeld­flanke · 5. November 2017 um 15:04

[…] vor einem Monat kam Schalke plötzlich mit einem richtigen Ballbesitzspiel zurück (Wie von mir gefordert ). Ein Quantensprung in der Entwicklung. Seit dem wechselte Tedesco in jedem Spiel vom […]

Die erste Halbserie unter Domenico Tedesco – Das Hinrunden-Fazit – Halbfeldflanke · 3. Januar 2018 um 11:24

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