Die Schalker Evolution Ballbesitz geht weiter. Es kommt mehr Variabilität dazu und der Gegner wird weiter beherrscht. Auch auf Umstellungen der Gegner gab’s die passende Antwort. Läuft bei Schalke.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Mainz

Die Mainzer liefen in einem 3-4-3 auf, genauso, wie Schalke den Beginn dieser Saison bestritt. Flügelspieler die sich als Außenverteidiger der 3er Kette verstehen und ein zentraler Stürmer flankiert von zwei Flügelspielern.

Die Gäste waren Mannorientiert im Pressing auf Schalke, Die 3 Verteidiger werden von den 3 Offensivakteuren gestellt, dahinter kümmern sich die 6er um Meyer und wer auch immer zur Unterstützung dazu eilt. Die Flügelspieler waren eh Pärchen über die längste Zeit des Spiels und versuchten einander zu enteilen.

Unsers

Schalke öffnet Kapitel 2 im Ballbesitzspiel. Wie in der Vorwoche bei der Hertha wurde das 3-4-3 in einem 5-1-2-2 interpretiert, mit Meyer als 6er hinter den beiden 8ern Goretzka & Harit. Was zuletzt ein 5-Eck war (das Schalke Pentagon) wurde diesmal viel flexibler interpretiert. Einer der 8er ist immer wieder auch nach hinten gegangen um Meyer zu unterstützen. Interessanter Weise war das meist Harit während Goretzka sich eher nach vorne orientierte.

Die Flügelspieler sahen zu, die Doppelspitze zu füttern. Meist ging es aber mit Hilfe der 8er über die Halbräume. Beide Stürmer boten sich immer wieder auch als Durchgangsstation an, besonders Di Santo, der auch immer wieder rund um Burgstaller spielte. Prädikat stets bemüht.

Weiter mit Ball am Fuß

Schalke sah, wie schon in Berlin, zu, dass früh aggressiv gepresst wird. Mainz ließ sich dadurch einschüchtern und spielte im Aufbau fast nie über die Innenverteidiger, sondern meist weit ins Zentrum. Besonders bei Abschlägen landeten so die meisten Bälle direkt bei Schalke, die neue Stärke der zweiten Bälle. So spielten beide Mannschaften gleich viele lange Pässe (okay, Schalke 57, Mainz 56), wobei Schalke ja deutlich mehr Pässe insgesamt spielte (515:356).

Gleichzeitig wollte Schalke eben nicht jeden Angriff so schnell wie möglich zum Abschluss bringen, das war zu Beginn der Saison so. Jetzt gab es mehr Ruhe im Spiel. Es wurde geduldig auf den passenden Zeitraum gewartet. Dazu kombinierte sich Schalke recht stark durch die gegnerischen Reihen. Das Spiel gestaltete sich also sehr ähnlich zur Partie bei der Hertha. Zumindest die erste Halbzeit.

Das Schalker Pentagon löst sich auf

Tedesco hat nach dem Spiel erklärt, dass die Mannschaft Ruhe behalten müsse, auch wenn auf Grund von Ballbesitzfokus ein Rückpass nötig ist und deshalb die ganze Arena pfeift. Interessanter war aber zu sehen, wie sich die Formation davon in der Defensive strukturierte. Letzte Woche noch das klare 5-Eck, löste sich dieser Aufbau jetzt auf, bzw. wurde deutlich flexibler. Das lag an zweierlei. Zum einen spielten die Mainzer eh meist lang ins Mittelfeld und das 5-Eck konnte flach nach hinten Arbeiten. Zum anderen wurden einzelne Bewegungen der Gegenspieler Gruppentaktisch wunderbar flexibel gelöst. So wechselten Burgstaller und Di Santo recht häufig die Seiten. Und Harit war oft deutlich tiefer als Goretzka.

Die einzige Konstante war Meyer als tiefstes Element der Struktur. Davor gab’s viel Bewegung und Variabilität. Die nächste Evolutionsstufe, bevor sich die Gegner auf ein simples 5-Eck einstellen können.

Nach der Pause

Es waren zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten. Besonders am Ballbesitz wird das deutlich. Zur 40. Spielminute hatte Schalke stolze 70%. In der zweiten Halbzeit war’s dagegen Ausgeglichen, Schalke ‚nur‘ noch 50,8% Ballbesitz.

Der Hauptgrund hierfür war die Intensivierung des Mainzer Pressings nach der Pause. Während sie in der ersten Halbzeit die Schalker eher stellten als attackierten, agierten sie in der zweiten Halbzeit deutlich höher und stringenter. Jetzt wurden die Gastgeber vermehrt in Zweikämpfe verwickelt.

Dazu stellten die Mainzer sich jetzt auch breiter auf. In der ersten Halbzeit stark um Kompaktheit bemüht, wurde jetzt versucht die Räume besser zu decken, über die sich Schalke durchkombinierte. Es wurde entsprechend deutlich Mannorientierter.

Schalke schwenkt um

Tedesco gab zu Protokoll, dass es ihm beim Ballbesitz um eine gute Basis für das Vertikalspiel geht. In der zweiten Halbzeit brauchte es diese Basis aber nicht, weil Mainz sich darauf einstellte Kombinationsspiel zu unterbinden, den Ball zu gewinnen und zu Kontern. Dadurch ergaben sich vermehrt Räume für Schalke wiederrum zu kontern.

In der Formation fehlte es aber an Kraft auf den Flügeln für Konter. Entsprechend wechselte Tedesco Konoplyanka für Di Santo ein, stellte ihn links neben Burgstaller und zog Goretzka nach vorne auf die rechte Seite. Schalke spielte jetzt also wieder mit 3 Offensivakteuren, wie vom Saisonbeginn gewohnt.

Gepresst wurde jetzt von beiden Seiten hoch und aggressiv, so dass sich eine intensive Partie entwickelte und der Ball oft von vorn nach hinten ging. Oder links nach rechts, das kommt natürlich drauf an.

Spätestens mit dem zweiten Tor zog Schalke sich ein bisschen zurück und ging weniger Risiko ein. Insgesamt war aber Mainz eben auch nie der offensive Gegner, der immer viel Druck macht gegen den Schalke einfach Kontern könnte. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Schalke nicht ein einziges Mal im Abseits stand.

Wie geht’s weiter?

Nehmen wir mal das Pokalspiel gegen den Drittligisten Wiesbaden am Dienstag aus, wird interessant sein zu beobachten ob und wie Schalke sein Ballbesitzspiel weiter verfeinert. Es war hier bereits schön zu sehen, dass es ein Mittel ist, dass für das Vertikalspiel gebraucht wird. Darauf bleibt der Fokus. Und Meyer ist eine großartige Besetzung im defensiven Mittelfeld um Kombinationen einzuleiten.

Karsten bei Schalke TV

Der grandiose Jörg Seveneick hat mich eingeladen beim Mainz Spiel den Co-Kommentator zu geben. Das war ein großartiges Erlebnis. Seht’s Euch an und lasst uns wissen, wie’s Euch gefallen hat.

Kategorien: Spielbericht

Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

7 Kommentare

QuotenNLer · 22. Oktober 2017 um 10:39

Ich bin gerade richtig überrascht das Schale am Freitag nicht ins Abseits gerannt ist. Vor allem in der 2. Hälfte hatte ich das Gefühl die Mainzer 3er Kette möchte nicht in der eigene Hälfte stehen. Die standen beim Schalker Aufbauspiel so hoch, dass teilweise 20 Mann nicht weiter als 10 Meter. (yards) von der Mittellinie standen. Hierdurch gab es keines Anspielstationen sobald der Ball zum Flügelspieler gespielt wurde.

Auch auffallend ist der Passsicherheit von Fährmann. Er hat laut Bundesliga.de dieses Spiel kein Fehlpass gemacht. Hierdurch hat man viele Pressingsituationen beim hintenrum Spielen ausgehebelt.

BastiS04 · 22. Oktober 2017 um 11:30

Ich finde auch, dass Fährmann sich fußballerisch deutlich besser präsentiert als in den letzten Jahren. Sicherlich auch eine Frage von Selbstvertrauen und der klaren Ansage des Trainers welche Art Fußball gespielt werden soll. Es war ja auch gerade in der zweiten Halbzeit auffällig, dass wir nur sehr selten den Ball hoch weggeschlagen haben und ansonsten immer versucht haben auch unter Gegnerdruck den Ball herauszukombinieren (was auch schiefgehen kann, siehe Hannover).

Im Großen und Ganzen wieder eine sehr ordentliche Leistung und DT hat es zumindest vorerst geschafft der Mannschaft den Hang zur Selbstzufriedenheit auszutreiben. Schade fand ich, dass Kono sich nicht für seine tolle Balleroberung belohnt hat (Assist auf Burgstaller wäre auch viel wert gewesen) und dann kopflos wurde. Seine Qualitäten sind aus meiner Sicht nämlich schon eine echte Waffe. Wäre toll wenn es DT gelingt ihn so in die Spur zu kriegen, dass er seine Qualitäten mannschaftsdienlich einbringt.

Butz04 · 22. Oktober 2017 um 11:32

Wieder ein sehr angenehm zu lesender Text zum Frühstück 🙂 Würde auch gern an den Aspekt meines Vorrederns anknüpfen, wie ist deine Einschätzung zu Fährmanns Spiel? Mir fällt auch vermehrt seine Ruhe und Genauigkeit mit dem Ball auf, ist das nur eine marginale Verbesserung oder siehst du da eine Entwicklung?

BastiS04 · 22. Oktober 2017 um 11:34

Eine Frage an Karsten wollte ich unbedingt stellen. Wie bewertest Du persönlich Franco di Santo?

Er ist ja in Fankreisen sehr umstritten. Ich persönlich finde, dass er in jedem Spiel seine positiven Momente kreiert, aber letztlich sehr torungefährlich ist. Auch gegen Mainz hatte er in der zweiten Hälfte eine sehr gute Situation die er einfach zu schwach abschließt. Helfen seine weiteren Qualitäten (Arbeit gegen den Ball, Einsatzwille, durchaus ordentliche Kombinationen, Defensivarbeit) unserem Spiel so sehr weiter, dass die mangelnde Torgefahr dadurch nicht ins Gewicht fällt? Wie siehst Du das?

Koeki · 22. Oktober 2017 um 14:31

Das Spiel gegen Mainz war in der ersten Halbzeit sehr gut. Sehr gutes Pressing, verschieben , Überzahl beim Ballführenden, die Abwehr hat kaum was zugelassen. Das einzige was stört ist die Spielöffnung. Viel zu sehr querverschiebung oder nach hinten, es fehlt der direkte Zug zum gegnerischen Tor. Der letzte, Finale Pass kommt ganz selten an. Ich muss feststellen das die Passqualität zugenommen hat. Zweite Halbzeit hatte Mainz seine Chancen, trotzdem hat mir die Abwehrleistung gut gefallen. Wenn wir jetzt den direkten Pass in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr spielen um hinter die Abwehr zu kommen, dann sehe ich uns gut aufgestellt auch für höhere Aufgaben .

Zeitspieler · 24. Oktober 2017 um 17:20

Hallo Karsten, gratuliere Dir zu Deinem Erfolg auf Youtube. Super Sache! Leicht verständlich und sehr angenehm in Ton und Bild. Wünsche Dir weiter viel Erfolg, die Klickzahlen steigen ja minütlich. Das Spiel gegen Mainz konnte ich nicht sehen, dafür freue ich mich auf das heutige Spiel im Taunus.

Schalkes Testspiel im Dfb-Pokal. SV Wehen Wiesbaden – FC Schalke 04, 1:3 | Halbfeld­flanke · 25. Oktober 2017 um 22:53

[…] agierte zentral vor der Schalker Defensive Max Meyer. Er war wieder der hinterste Punkt des Fünferblocks im Mittelfeld, der diesmal sehr asymmetrisch ausgerichtet war. Meyer spielte einen Sechser, Bentaleb irgendwas […]

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