Das Thema Mesut Özil ist eigentlich gar nicht ein Thema, sondern es ist ein ganzer Strauß an Themen, die sinnvoller Weise dediziert betrachtet werden müssen. In diesem Text möchte ich mich mit dem Vorwurf des Rassismus auseinandersetzen und versuche zu erklären, was das eigentlich alles ist und warum es so selten verstanden wird.

Rassismusvorwurf

Rassismus wird von den meisten Menschen verurteilt. Jemanden als Rassisten zu bezeichnen kommt einer schwerwiegenden Beleidigung gleich. Kaum jemand würde sich selbst Rassist nennen. Wenn jemand aufgezeigt bekommt, dass in einem speziellen Moment rassistisch gehandelt wurde, reagieren wir mit Aggression und Frustration. Wir versuchen uns zu rechtfertigen und geraten in eine Verteidigungshalteng. Ich bin doch kein Rassist, das war ja ganz anders gemeint.

Oft geht es dabei dann in erster Linie darum dieses Label „Rassist“ wieder los zu werden, das da plötzlich am Revert klebt. Um den eigentlichen Sachverhalt oder gar deren Opfer geht es dann überhaupt nicht mehr. Es geht nur noch um den Selbstbilderhalt. Im Sexismus sehen wir das gleiche auch ständig.

Dabei ist das eigentlich gar nichts schlimmes. Wenn ich darauf aufmerksam gemacht werde, dass etwas spezielles unangemessen war, und mir das gar nicht bewusst war, gibt mir das die Möglichkeit daraus zu lernen, dafür zu sorgen, dass sich etwas ähnliches nicht widerholt und, ganz besonders, mich beim Opfer (bzw. den Opfern) zu entschuldigen.

Entsprechend sollten wir eigentlich dankbar sein auf Fehlverhalten aufmerksam gemacht zu werden. Doch schon der „Vorwurf“ im Begriff macht deutlich, dass sowas nur selten als Anlass zum Wachstum genommen wird. Dieser Text ist aber genauso gemeint. Kommen wir also zum Thema…

Migranten

Viele Menschen in diesem unseren Land haben mehr als nur eine Nationalität. Weil das offiziell schwierig ist (aus welchem Grund auch immer glaubt der Deutsche Staat, dass man keine Identität neben der eigenen haben soll) möchte ich hier lieber von Kulturen sprechen. Es geht also um Menschen verschiedener Kulturen gleichzeitig. Mama von hier, Papa von da, oder alle gemeinsam irgendwo hingezogen, wo sie nicht „herkommen“ (was auch immer das bedeuten mag). Dabei müssen das gar nicht immer unterschiedliche Länder sein. Wer aus Bayern nach Niedersachsen zieht (oder umgekehrt), der weiß was kulturelle Ausgrenzung ist. Und es geht auch viel kleiner. Aber eben natürlich auch größer.

Wir im Ruhrgebiet sind eine Ansammlung an Menschen mit Wurzeln in allen möglichen Teilen des Erdballs. Dabei ist das Stichwort Gastarbeiter nur ein Aspekt von einem bunten Strauß an Gründen warum Menschen hier hin kamen und kommen. Leider war Deutschland zwar sehr Erfolgreich daraus nutzen zu schlagen, siehe Wirtschaftswunder, aber eben nicht darin Menschen gut zu integrieren. So ergaben sich Subkulturen. Ein nebeneinander entstand.

Ich komme aus Herten, der zweitgrößten Stadt in Europa ohne eigenen Bahnhof. In meiner Grundschulklasse wurden etwa die Hälfte der Kinder als Türken bezeichnet. Die Kneipen in denen ich mich um die 20 rumtrieb wurden von Menschen geführt (und zu relevanten Teilen bevölkert von) Menschen die wir als Türken bezeichneten. Viel Austausch gab es trotz der Nähe allerdings nie. Ich weiß so gut wie nichts über die Türkei. Und meine Türkischvokabeln beschränken sich auf zwei oder drei Schimpfwörter. Das finde ich beschämend.

Identität von Diaspora

Gemeinschaften in der Fremde werden Diaspora genannt. Also Menschen, die ihre kulturelle Heimat verlassen haben, sich aber noch verbunden fühlen. Diasporas haben ein Problem, in beiden Kulturen werden sie oft nicht so recht akzeptiert. In der alten Heimat, weil sie ja in der Fremde leben, und in der Fremde, weil sie sich ja der alten Heimat angehörig fühlen/zeigen.

Das hängt eng zusammen mit der Frage nach der Identität. Meine Nationalität ist Teil meiner Identität, meine Kultur, mein Geschlecht, meine Sexualität, und all sowas. Was das für mich bedeutet wird dabei grundlegend von der Gesellschaft vorbestimmt in der ich lebe. Als weißer cis hetero Mann, christlich erzogen, ist das mit der Identität entsprechend eine einfache und feine Sache. Alles was davon abweicht, hat aber ein Problem, wird es doch als prinzipiell nicht ‚normal‘ eingestuft.

Der Aufbau einer Identität ist dabei entscheidender Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Die Pubertät tut (für alle beteiligten) so weh, weil das die Zeit ist, in der wir unsere Identität bilden. Kind von Immigranten zu sein muss unfassbar schwer sein. Zwischen zwei Stühlen, also der Kultur der Eltern und der Kultur der Gesellschaft, aufzuwachsen und sich dabei noch selbst zu finden… sicherlich nicht einfach.

Die einzige sinnvolle Lösung für solche Fälle ist die Akzeptanz beider Seiten und vor allem deren Unterschiede. Und dann haben wir noch nicht davon gesprochen, wie in unserer Gesellschaft mit andersartigen umgegangen wird.

Springen zwischen Kulturen

Die meisten Menschen, die ich als Türken im Ruhrgebiet kennen gelernt habe, leben mit der Akzeptanz beider Kulturen. Wenn ich mit ihnen rede, sind sie anders, als wenn sie mit ihren Familien reden. Statt zwischen den Stühlen zu sitzen, springen sie spielend von einem zum anderen. Das ist bemerkenswert.

In einer Welt, in der Rechtspopulisten versuchen alles für eigene Zwecke zu nutzen, möchte ich noch unterstreichen, dass auch alle anderen Menschen das so machen. Die Stühle stehen nur enger zusammen. Es ist als grundlegendes Element der Gruppen- und Sozialpsychologie lange bekannt, dass wir uns in unterschiedlichen Kreisen (Familie, Freunde, Arbeit, etc.) unterschiedlich verhalten. Wir alle. Auch das sind kulturelle Unterschiede, die alle von uns mit sich rumtragen. Ein neuer Arbeitsplatz oder ein neuer Sportverein heißt für uns zunächst die Regeln der neuen Kultur kennen lernen.

Unterschiede sind gut

Wir wissen außerdem, dass kulturelle Unterschiede das miteinander bereichern. Teams finden kreativere Lösungen, wenn sie heterogen besetzt sind. Menschen die sich mit unterschiedlichen Kulturen auseinandersetzen sind intelligenter (Reisen bildet tatsächlich). Dass Multikulti eine Sackgasse sei ist reine Propaganda, sämtliche Forschungsergebnisse sprechen eine deutliche Sprache in die andere Richtung. Aber Populisten und Wissenschaft, das passt ja nunmal nicht so gut zusammen…

Entscheidend ist die Toleranz unterschiedlicher Standpunkte. Kulturforscher wissen, dass eine Kultur nur eine Perspektive auf Dinge ist. Auch wenn wir glauben, dass etwas so und so richtig ist, dann stimmt das maximal innerhalb unserer Kultur, aber ist nicht gemeingültig. Weil andere aus anderen Kulturen etwas anders machen, ist es nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.

Für eine wirkliche Integration müssen also alle beteiligten Seiten lernen, dass es Unterschiede gibt und dass wir keine Angst davor haben brauchen, sondern viel voneinander lernen können. Stattdessen setzen wir Menschen unter Druck sich zu einer Seite zu bekennen, als wäre irgendjemandem damit gedient.

Wichtig dabei ist, dass Toleranz eine Art Weltanschauung ist, die von Intoleranz zerstört werden kann, recht leicht sogar. Dies wird das Toleranz-Paradox genannt und sagt, dass Intoleranz nicht toleriert werden darf, weil es die Toleranz vernichtet.

Ethnozentrismus, Rassismus, Diskriminierung

Die Denkweise, dass die Verhaltensmuster der eigenen Kultur die richtigen sind, und andere dementsprechend falsch, wird ethnozentrisch genannt. Wenn ihr das nächste Mal im Urlaub lieber ein Schnitzel-Restaurant aufsucht, denkt daran.

Dabei Evolutionshistorisch spielt Ethnozentrismus eine wichtige Rolle. In der Urzeit hing das Überleben der Gemeinschaft zum Teil davon ab, nicht einfach irgendwelche Fremde und deren Brauchtümer in die Gruppe aufzunehmen. Das ist allerdings einer der Fälle in denen unser Gehirn der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher hinkt.

Rassismus geht zwar in eine ähnliche Richtung, aber darüber hinaus. Im Rassismuss werden Menschen einer gewissen Gruppe zugeordnet, meist auf Grund von äußeren Merkmalen. Über die Kategorie Mensch wird dann geurteilt. Rassismus ist dabei ein kulturelles Phänomen ohne jede biologische Grundlage. Es gibt keine Rassen bei Menschen. Schon allein der Begriff ist im eigentlichen Sinne verabscheuungswürdig. Die äußeren Merkmale sind meist die Augenform (einfache oder doppelte Oberlidfalte) oder die Hautfarbe.

Um es klar zu sagen, der genetische Unterschied zwischen dir und deinem Nachbarn ist größer als der genetische Unterschied zwischen dem Durchschnittsdeutschen und dem durchschnittlichen Chinesen, Nigerianer, Brasilianer, Italiener, Türken oder wasauchimmer. Wir sind die gleichen Menschen, alle. Das gleiche gilt für Frauen und Männer, Gehirnchirurgen etwa können das Geschlecht nicht am Gehirn erkennen.

Wenn Ethnozentrismus oder Rassismus dann aktive Auswirkung auf Menschen hat, sprechen wir von Diskriminierung. Meistens geht es um Übervorteilung oder anders gesagt, es gibt Privilegien, die andere nicht genießen. Dabei muss das ganze gar nicht immer aktiv gewollte Ausgrenzung sein. Die meisten Gebäude etwa, die nicht Rollstuhlfreundlich sind, sind dies nicht aus purer Boshaftigkeit. Ein Problem für betroffene ist es trotzdem.

Unbewusste Diskriminierung ist oft institutionalisiert. Sie ist Teil des Systems und fällt nur denen auf, die darunter leiden. Für die anderen ist der Status Quo kein Problem und wird dieser Angegriffen, so bringt das Schmerzen mit sich. Wenn wir dann darauf hingewiesen werden, reagieren wir oft gereizt (ich erwähnte es eingangs), weil ja der Hintergrund allen klar ist. Beispiele sind etwa fast ausschließlich weiße Männer in den Vorständen der DAX Unternehmen. Das Spiegelt den Durchschnitt der Gesellschaft nicht wieder, entsprechend muss irgendwo ein Problem im System liegen.

Aber kommen wir zu einem, der es eigentlich geschafft hat, sich trotz aller Widerstände in diesem System durchzusetzen…

Grafik mit freundlicher Genehmigung von Daniel Nyari

Mesut Özil

Mesut Özil, wie viele andere mit ähnlichem Hintergrund auch, muss sich immer wieder erklären. Viel häufiger als andere. Seit ich ihn auf Schalke zum ersten Mal bewusst wahrnahm, fielen mir Texte in diversen Medien auf, in denen er für sein Aussehen und seine Statur angefeindet wurde. Als Schönspieler beschimpft, festigte sich schnell das Vorurteil, dass er nur dann gut Spiele, wenn die ganze Mannschaft gut spiele. Auch wenn alle Statistiken klar das Gegenteil beweisen (und eigentlich jeder Fußballsachverstand ebenso).

Dass das Fußball-Genie von Mesut Özil nicht von allen erkannt wird, ist schade, aber nicht schlimm. Deutschland ist nunmal ein Land von Fußball-Interessierten, nicht von Fußball-Verstehern. Dass Mesut Özil aber immer und immer wieder auf Grund seiner Unterschiedlichkeit ins Kreuzfeuer genommen wird, ist nichts anderes als Diskriminierung.

Der Begriff Deutsch-Türke fällt in dem Zusammenhang viel häufiger als mit Spielern anderer Nationalitäten, etwa Lukas Podolski und den Polnischen Vorfahren. Das geht Özil so und unzählige andere Menschen in Deutschland teilen das gleiche Schicksal. Allerdings ist Özil hohe Prominenz. Er ist der vielleicht populärste Fußballer Deutschlands. Das bedeutet er ist Vorbild von unzählig vielen Menschen. Menschen, von denen vermutlich nicht wenige ähnliche Probleme bei der Identitätsfindung haben/hatten wie Özil. Das sind Menschen die auch immer wieder mit ansehen können, wie das Team sich Erfolge erspielt, aber Özil schuld an Niederlagen ist.

Das Erdogan Foto

Wenn Özil ein Vorbild für so viele ist, heißt das natürlich auch, dass er sich nicht aus der politischen Verantwortung stehlen kann. Alles was wir tun und sagen ist immer auch politisch. Sich als Sportler davon ausnehmen zu wollen, zeigt, dass da jemand schlecht beraten ist und ein paar Zusammenhänge nicht versteht. Das trifft nicht nur auf Özil zu, sondern viele andere Sportler, Schauspieler, Musiker und sonstige Prominenz, ebenfalls, die in eine ähnliche Kerbe schlagen.

Dass sich Fußballer gern mit hohen politischen Persönlichkeiten ablichten lassen (und umgekehrt), ist nichts Neues. Gerade Schalker sollten hier mal ins Foto-Archiv der 30er und 40er Jahre blicken. Eine gewisse Publicity-Geilheit gehört zum Geschäft. Und ich glaube die ist aus der ferne (also von uns sterblichen) auch schwer nachvollziehbar und darum so leicht zu kritisieren.

Selbstverständlich ist Erdogan der Präsident der Kultur Özils Eltern. Selbstverständlich tritt eben jener Präsident die Menschenrechte aber auch mit Füßen und baut sich eine hübsche Diktatur auf.

Ein Vorbild auf einem Bild mit Erdogan, bedeutet natürlich Werbung. Vielleicht entspricht das ja Özils politischer Richtung. Vielleicht nicht.

In jedem Fall gehört es zu einer toleranten Gesellschaft, dass das Verhalten von allen kritisiert werden darf. Bei Vorbildern ist es sogar sehr wichtig. Auch Vorbilder brauchen eine Kontrollinstanz von außen. Und zu diskutieren ob bestimmtes Verhalten angemessen war, ist immer sinnvoll. Entsprechend fände ich den Diskurs um besagtes Erdogan Bild sinnvoll und wichtig. Doch dazu kam es nicht. Leider.

Stattdessen wird die ganze Persönlichkeit, die komplette Identität von Mesut Özil öffentlich in Frage gestellt. Der Kulturelle Hintergrund wird als falsch definiert und alles was damit zu tun hat verteufelt. Für den Menschen und dessen Motivation interessiert sich niemand mehr.

DFB

Der größte Verband der Welt verhält sich sehr typisch. Auf Rassismusvorwürfe wird reagiert indem auf Kampagnen gegen Rassismus verwiesen wird. Selbstreflektion findet nicht statt. Der DFB handelt großteilig mit „Geschäftsleuten“ denen Menschenrechte und Werte nicht so wichtig sind, wenn sie dem eigenen Profit im Wege stehen.

Letztlich also genau das gleiche Vergehen, was Özil zu Lasten gelegt wird, nur natürlich im viel größeren Rahmen. Protest gibt es zwar, der wird aber locker wegmoderiert, fällt eh nicht besonders laut aus. So krass unterschiedlich werden die Fälle bewertet. So problemlos stellt der Club der alten weißen Männer den Migranten ins Kreuzfeuer.

Und weil das so schön einfach ist, kann da einfach alles dran aufgehängt werden. Der DFB machte Özil zum alleinschuldigen am WM aus, beweist einmal mehr eine Kommunikationsstrategie wie eine Bananenepublik und die völlige Unfähigkeit mit dem Mangel an Erfolg umgehen zu können.

Selbstverständlich darf auch der Spieler Özil kritisiert werden. Aber doch bitte nicht dafür, dass er türkische Wurzeln hat. Statt das Spiel zu kritisieren, was keiner versteht, weil es allen zu hoch ist, wird lieber darüber hergezogen, dass er die Hymne nicht mitsingt. Dass sich Ausgegrenzte immer wieder für Dinge rechtfertigen müssen, die bei anderen einfach hingenommen werden, ist Diskriminierung. In diesem Fall Rassismus. Oft wird diese aber selbst nicht wahrgenommen. Darum reagieren Menschen oft schräg, wenn sie darauf hingewiesen werden.

Alles hat ein Ende…

Mit Mesut Özil ist ein genialer Spieler wegen seiner Unterschiedlichkeit aus der Nationalmannschaft raus-schikaniert worden. Dafür schäme ich mich. Großer Schaden ist entstanden, nicht nur Sportlich wird er fehlen. Er ist aber auch nach wie vor das Vorbild von so vielen mit einer ähnlichen Geschichte. Die werden ihre Lehren aus der Sache ziehen. Das ist fatal. Besonders weil es den falschen Leuten in die Karten spielt. Es geht jetzt darum an den richtigen Stellen die Probleme zu identifizieren und Wiedergutmachung im großen Stil zu betreiben.

Viel von dem was ich hier geschrieben habe, habe ich in zahllosen Diskussionen mit der fabelhaften Sarita gelernt. Vielen Dank dafür.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

27 Kommentare

Uwe · 25. Juli 2018 um 06:55

Danke, Karsten!

Jörg · 25. Juli 2018 um 07:28

Daumen hoch!
Ich hätte es nicht besser schreiben können.

Marcus · 25. Juli 2018 um 09:39

Schön geschrieben, wobei mir Özil hier ein bisschen zu gut weg kommt. Wenn er wirklich so naiv ist zu denken, dass das Foto damals nicht als politisches Statement gewertet wird, dann beweist das umso mehr, dass er mit Grammatik und Formulierung seiner Texte wenig bis gar nix zu tun hat. Er erweckt den Eindruck, dass er hier zu 100% gesteuert wird. Was mich am Meisten stört – dass Alles ohne einen Hauch Selbstkritik auf die Rassismusschiene geschoben wird – da macht er (bzw. sein Berater) es sich verdammt einfach.

    Dennis · 25. Juli 2018 um 11:40

    Ach, die Sache mit der Selbstkritik … Irgendwie lenkt diese Forderung doch nur von den Problemen ab, die Özil in seinen (bzw. unter seinem Namen veröffentlichten) Texten anspricht.

    In diesen Texten geht es doch darum, dass Özil mit der derzeitigen DFB-Spitze nicht mehr zusammenarbeiten will. Dafür wird eine Begründung geliefert. Und dass es in dieser Begründung um die Verfehlungen des DFB geht und nicht um die eigenen, ist doch logisch.

    Özil hat erklärt, dass er den Termin mit Erdogan aus Respekt vor dem Präsidentenamt nicht absagen wollte. Diese Einstellung muss man nicht teilen. Aber wenn Özil diese Meinung hat, wäre es nur heuchlerisch, unaufrichtig und letztendlich sinnlos, jetzt daran Selbstkritik um der Selbstkritik Willen zu üben.

    Karsten, danke für den Text! Ich bin von Beruf Sozialpsychologe und befasse mich mit diesen Themen. Was du geschrieben hast, könnte ich größtenteils unterschreiben.

      Marcus · 25. Juli 2018 um 12:16

      Hallo Dennis,

      Ich bin eher der Meinung dass er mit seinem Text von seinen „Fehlern“ ablenken will – nicht umgedreht. Dem DFB Rassismus zu unterstellen, und sich gleichzeitig für die Wahlkampfpropaganda eines Autokraten missbrauchen zu lassen, der willkürlich Hunderte Menschen ins Gefängnis steckt weil sie eine andere Meinung haben als er, hat schon sehr viel von einer Doppelmoral.

      Wilfried · 25. Juli 2018 um 12:58

      Hallo Marcus! Die Sichtweisen auf die Dinge sind halt unterschiedlich, müssen deshalb aber nicht falsch sein.

      Uwe · 25. Juli 2018 um 13:08

      Ja natürlich kann Mesut Özil das mit der Ehrerbietung und dem Respekt so sehen. Genauso wie ich DAS wiederum -höflich formuliert- befremdlich finden kann. Genauso wie ich das bei jedem anderen Menschen befremdlich finde, wenn er sich Autokraten an den Hals wirft. Das zu kritisieren ist legitim und diese Kritik muss Mesut Özil aushalten.
      Das Verhalten des DFB ist allerdings schändlich. Teile des DFB haben Mesut jetzt zum Sündenbock gemacht. Praktisch, denn dann braucht man sich nicht ernsthaft mit den eigenen Fehlern auseinandersetzen. In der „Causa Özil“ gibt es nur Verlierer. Schlimm.

    Uwe · 25. Juli 2018 um 12:53

    Das muss ich dem Marcus zustimmen.

Volker · 25. Juli 2018 um 09:39

Sehr guter Text.

Roland · 25. Juli 2018 um 11:23

Wow, danke Dir für die sehr fundierte und durchdachte Kommentierung. In Zeiten der Hysterisierung und Zuspitzung auf allen Kanälen ist Dein Text Balsam fürs Hirn.

Wilfried · 25. Juli 2018 um 12:49

Gut, nein, sehr gut analysiert und geschrieben! Leider gibt es viel zu viele Leute, die, weist man sie auf ihren „versteckten“ oder auch offenen Rassismus hin, sehr empfindlich reagieren. Zumeist entweder, dass sie betonen keine Nazis zu sein, obwohl man so etwas auch nie gesagt hat, oder sie versuchen ihren Rassismus zu verteidigen, indem sie Özil beschimpfen und verhöhnen und jede Menge „Argumente“ gegen ihn finden. Hier zeigt sich wieder einmal wie viel eine gute Bildung wert ist, oder einfach nur ein Menschenbild, das vom Humanismus geprägt wurde. Beides fehlt in vielen Schichten unserer Gesellschaft. Dafür finden diese Leute aber das Geiz geil ist. Wer diesen Zusammenhang nicht versteht, schafft es zumeist nicht mal den Tellerrand zu erblicken.

Marcus · 25. Juli 2018 um 13:01

Hallo Wilfried,

es behauptet auch keine dass sie falsch sind. Ich habe eben meine Meinung, was mich jedoch nicht davon abhält, auch andere Meinungen zu akzeptieren. =)

Karsten

Karsten · 25. Juli 2018 um 18:16

Hi Marcus,
Dein Punkt ist natürlich berechtigt. Selbstverständlich ‚rettet‘ sich Özil in sorgfältig formulierten Populismus. Gar keine Frage. Und selbstverständlich darf das kritisiert werden.
Gleichzeitig macht der DFB ja das gleiche. Hier ist das Echo aber deutlich geringer. Die Frage ist, warum ist das so? Warum darf der DFB das und bei Özil schreien alle? Tage nach den Statements hat sich vom DFB noch niemand zur Scheinheiligkeit darin erklärt. Finde ich schlimm. Selbst wenn Özil nur einen Tweet veröffentlich hätte „Alles Kacke, ich bin raus“, der DFB muss bei sowas viel aktiver nachbohren und das auch öffentlich zeigen. Wie oft wurde Özil zum DFB Spieler des Jahres gewählt? Und die einzige Reaktion ist „Schade“?! Das ist mir zu wenig.

Lothar · 25. Juli 2018 um 20:20

Danke für deine exzellente Ausführung. Die beschriebenen Sachverhalte erlebe ich leider täglich. Es ist sehr mühselig die Menschen auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Ich mache es aber immer und immer wieder weil ich Angst vor rechten Ideologien habe. Dein Text wird mir sicher helfen meine Argumente zu verbessern und hoffentlich auch den einen oder anderen zum Umdenken zu bringen

Christian Weisz · 26. Juli 2018 um 09:56

Hallo Karsten, danke für die kluge Auseinandersetzung. Ich bin mir immer mehr nicht sicher, ob die Causa Özil wirklich ein Rassismus-Thema ist. Es ist was dran und darin, was ich schwer greifen kann. Mir fällt z. B. auf, dass ja niemand über Gündogan herfällt, obwohl die Rahmenbedingungen fast die gleiche sind. Oder erwartet der „Deutsche“ von Özil speziell eine Art von Dankbarkeit, i. S. v. „bitte, wir haben dich immerhin Weltmeister werden lassen!“? Noch viel weniger geht es um Integration. Es hat nie eine aktive Integrationspolitik in diesem Land gegeben, deswegen ist das auch nichts gescheitert. „Ausländer“ gibt es mittlerweile in drei Klassen: Die sehr willkommenen (Europäer, Nord-Amerikaner, tlw. Asiaten, Studentenen, Touristen), die Gastarbeiter (von denen hier gesprochen wird) und seit einigen Jahren die am meisten abgelehnte Klasse, Araber und arabischstämmige Flüchtlinge. Hier in Berlin kann man alle drei Klassen in ihren segregrierten Kiezen durch eine U-Bahn-Fahrt kennen lernen (wenn man will). Niemand hat sich m. E. in den letzten 40 Jahren erfolgreich um die Bildung einer Wertegemeinschaft gekümmert, die eine Basis für eine Integrationspolitik hätten sein können. Politisch haben das insbesondere Kohl, Merkel und konservative Netzwerke verhindert. Zurück zu Mesut: Irgendwas ist dran an ihm, sehr persönlich, dass die Leute auf ihn aufmerksam werden lässt. Talent, Erfolg, Unabhängigkeit: Das sind Attribute, die von den meisten abgelehnt werden. Mesut’s Karriere sagt ja eigentlich auch: Selbst in Gelsenkirchen-Bismarck, als eines von fünf Kindern, kann man was aus sich machen, weggehen und erfolgreich sein. Letztlich geht es um Neid und Angst. Angst vor dem „Anderen“, wie von dir beschrieben. Das „Andere“ ist auch immer eine offene Frage: „Was ist mit mir?“. Sich die zu stellen, schaffen die meisten nicht. Dann lieber draufhauen, dann hat wenigstens der andere Angst. Ich kann Mesut seien Auftritt mit Erdogan nicht gut verzeihen. Aber in der aktuellen Situation kann ich Ch. Heidel und Frank Baranowski (OB Gelsenkirchen) nur empfehlen, Mesut den roten Teppich auszurollen und ihn zurück zu holen. Das wäre ein Spaß und eine angemessene Reaktion.

    Gwippe · 28. Juli 2018 um 22:14

    Ich glaube, dass das die Diskussion um Özil vorallem wegen zwei Punkten groß wurde, im Vergleich zur Diskussion um Gündogan. 1. Özil schwieg zu den Vorwürfen, was ihm schlecht angesehen wird. 2. Der DFB bezog sich (verbessert mich falls ich falsch liege) nur auf Özil als sie nach (!) der WM das Foto kritisierten.

Manfred · 27. Juli 2018 um 15:16

Ich finde es immer wieder unendlich faszinierend, wie viele Menschen auf einen schlichten Zufall stolz sein können. Stolz, ein Wasauchimmer zu sein am Arsch. Es gibt wenig dämlicheres als diesen Quatsch, aber da wär dann halt noch Religion. Und natürlich Neid.
Der Rest ergibt sich bzw das Ergebnis wird ja grade ausgiebig vorexerziert.
Eine Analyse der ganzen Thematik verbietet sich von selbst: einmal wegen Volker Pispers, aber auch, weil die mittlerweile gänzlich unappetitliche Melange kaum mehr auseinanderzudividieren sein dürfte.
Ich persönlich hege ja die Vermutung, dass ‚man‘ (also, die BLÖD und Gesinnungsgenossen, zB Arschlöcher für Deutschland) sich Özil ausgesucht hatte, weil niemand damit rechnete, dass er sich wehren würde und dann gleich so heftig.
Wie, der wehrt sich? Un-glaub-lich!
An Stelle weiterer Ausführungen eine Meinung, der ich mich einfach sehr gut anschließen kann:
https://fliegende-bretter.blogspot.com/2018/07/nur-falsche-gewinner.html

Und bitte, Karsten: nutze doch mal eine Rechtschreibprüfung, das zu lesen ist – naja, abenteuerlich.

Carlito · 28. Juli 2018 um 12:29

Danke für diesen Text und deine Ausführungen, Karsten! Diese sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik würde ich mir Mal in den (ÖR) Medien und wenigstens größeren Teilen der Bevölkerung wünschen.

ES · 30. Juli 2018 um 17:44

Tut mir leid, das sehe ich anders und kann insbesondere das Fazit überhaupt nicht teilen. Wenn Toni Kross vor der WM, einem Diktator, der Zehntausende Oppositioneller in den Kerker schickt, die gesamte Gesellschaft seines Landes gleichschaltet, das Land ausquetscht um sich, seine Familie und seine Cliquen endlos auf Kosten der Bevölkerung zu bereichern, Teile seines Landes mit Krieg überzieht etc., sagen wir mal, Assad (ich weiß, der ist in der nach oben offenen Schlechtigkeitsskala von Diktatoren noch 1 Stufe höher anzusiedeln als der Erdogan, aber da kommt der türkische Diktator noch hin, schlimmstenfalls sein Sohn, wenn man sich einigermaßen mit üblichen Karrieren von Diktatorenfamilien auskennt), wenn der Kroos mit dem posiert und ihm sein Trikot schenkt und dazu lächelt, dann ist doch völlig klar: Es würde berechtigt eine große Empörung übers Land ziehen, die nicht enden würde, bis Kroos eine vorbehaltlose Entschuldigung abgeben würde. Selbstverständlich würden ihm der Manager und der Präsident des Verbandes die Konsequenzen aufzeigen und selbstverständlich könnte er, völlig unbesehen seines fußballerischen Könnens, nie mehr für die Nationalmannschaft spielen, sollte die vorbehaltlose Entschuldigung entfallen. Der Skandal ist, dass diese klare Aktion von Seiten des DFBs im Falle Özils nicht gekommen ist und der sich noch fühlen darf als sei er aus der NM herausgemobbt worden.

Natürlich ist es dumm, wie der DFB reagiert. Natürlich ist es schlimm, wie Teile der Presse und Teile der Rechten reagieren. Natürlich ist es dumm, in dem Zusammenhang an der außerordentlichen fußballerischen Fähigkeit Özils und seiner außerordentlichen Verdienste für die NM zu zweifeln. Nur dumm ist es auch, sich von alldem bei der Beurteilung der sehr gravierenden Fehlleistung Özils und seiner fortgesetzten Uneinsichtigkeit, die selbstverständlich nur den sofortigen Ausschluss aus der Nationalmannschaft zur Folge hätte haben müssen, beeinflussen zu lassen. Genau das hieße nämlich bei Özil, nur weil er einen anderen Herkunftshintergrund als z.B. Kroos hat, mit zweierlei Maß zu messen, und das hieße genau der Art unbewusster Diskriminierung zum Opfer zu fallen, die glaubt, man müsse für jemandes Handlungen mehr Verständnis aufbringen allein auf Grund anderer Verwurzelung.

    Karsten

    Karsten · 2. August 2018 um 08:00

    Ich habe kein Problem damit, wenn Özil für das Foto und die Kommunikation drumrum kritisiert wird. Auch, wenn der DFB sich hingestellt und sich für die eigenen Werte eingesetzt hätte, und Özil damit aus der Nationalmannschaft wirft. Kann ich gut mit leben.

    Doch das passiert ja nicht.

    Was stattdessen passiert ist eine reine Populismus-Schlammschlacht. Statt Werten hat der DFB eine Marketing-Strategie (und keine besonders gute). Argumentiert wird mit Kampagnen die ja gefahren werden und wurden und allem was die Bild so schreibt.

    Darüber hinaus wird mit Migranten deutlich härter ins Gericht gegangen als mit „Ur-Deutschen“. Die Kritik hat immer auch einen faden Beigeschmack aus der rechten Ecke. Besonders in Zeiten der AfD, die alles und jedes Thema auf rechts dreht. Unzählige „ich bin kein Rassist, aber…“ posts, überall. Da geht es nicht um das Foto. Das wird nur als Aufhänger genutzt. Genau wie der DFB die ganze Debatte als Aufhänger nutzt die Schuld am WM Ergebnis weit von sich zu weisen.

    Übrigens bin ich absolut der Meinung, dass für Randgruppen mehr Verständniss aufgebracht werden muss als für „die Masse“. Der Mangel an Privilegien hat viele Einflüsse auf alles mögliche. Wenn wir da nicht genauer hinsehen als wir es sonst tun würden, schlagen wir unbewusst in die gleiche Kerbe, weil das Bewertungssystem immer auf „die Masse“ ausgelegt ist.

      ES · 2. August 2018 um 18:27

      Dann sind wir gar nicht so weit entfernt. Ich interessiere mich persönlich nicht dafür, was die Bild schreibt und habe da keine anderen Erwartungen. Noch weniger dafür, was Rechte daraus machen und wie (teilweise geschickt, teilweise plump) sie damit umgehen. Das liegt doch alles im Bereich des Erwartbaren. Aber gerade wenn man sich dafür interessiert, wäre es eher klug darauf hinzuweisen, dass es hier nicht um Deutsch-Türken oder Ähnliches geht, sondern um das nicht tolerierbare Verhalten eines Nationalspielers (nicht als Mensch Mesut, der gerne seine Freunde etwas unglücklich auswählen darf, um das im Sinne Deines Rollenbildes oben klarzustellen).

      Ich bringe auch sehr gerne großes Verständnis für Randgruppen auf. Flüchtlinge, die hier hinkommen beispielweise, sind wahrlich nicht zu beneiden. Mesut Özil allerdings ist in Deutschland geboren und hier aufgewachsen. Er gehört, was Einkommen, Vermögen und Arbeitsplatz angeht, zu einer hochprivilegierten Schicht. Er hat das Privileg für die deutsche Nationalmannschaft Fußball spielen zu dürfen. Ich sehe hier im Ansatz keine Unterprivilegierung und hätte den Wunsch, dass er sich mündig und erwachsen genug aufführt und sich seiner Aufgaben in seiner Rolle als Nationalspieler verantwortlich zeigt. Oder dass er wenigstens für sein Geld Berater kauft, die das für ihn hinkriegen.

Manfred · 31. Juli 2018 um 19:37

@ ES: das Beispiel hinkt imo schon nicht mehr, das hat gar kein Bein 😀
Ernsthaft: wenn du schon Kroos hernimmst, dann doch in nem wenigstens ungefähr gleichen Kontext. Der Mann kommt aus Greifswald, da oder in der Umgebung sollte sich doch ein fescher AfD-Neonazi o.ä. für ein hübsches Foto auftreiben lassen, verstehst?
Mir persönlich reichte schon eines mit nem verurteilten Steuerhinterzieher, aber das bin nur ich.

    ES · 31. Juli 2018 um 21:14

    Dann erkläre ich das gerne noch einmal ohne Beispiel: Ein deutscher Nationalspieler hat nicht mit einem Diktator zu posieren, egal, ob der Nationalspieler (sorry, doch noch Beispielorte) aus Gelsenkirchen-Bismarck oder Greifswald-Süd kommt. Auch ich finde nicht jeden verurteilten Steuerhinterzieher sympathisch, stehe aber dazu, dass jeder Straftäter nach Absitzen seiner Strafe wieder als vollintegriertes Mitglied der Gesellschaft mit allen Rechten und Pflichten angesehen werden muss. Insofern gibt es offenbar nicht den geringsten Einwand gegen ein Foto mit Ex-Knackies.

Schalala · 31. Juli 2018 um 22:55

Ich gebe Fredi Bobic zu hundert Prozent Recht, wenn er sagt, Özil hätte sich in einem Presse- Interview zu den Vorfällen äußern müssen. Dass Özil nicht erst seit dem Foto rassistisch angefeindet wird, ist klar. Doch leider wirft Özil in seinem Statement unterschiedliche Dinge in einen Topf. Man darf nicht vergessen, dass Emre Can diesem Treffen mit Erdogan ferngeblieben ist. Auch Gündogan war durchaus selbstkritisch. Davon bei Özil allerdings keine Spur. Er entzieht sich zudem jeglicher Nachfrage, indem er diesem Facebook- Post absetzt. Özil muss sich Kritik an seiner Person gefallen lassen, völlig unabhängig vom Geburtsort seiner Eltern. Auf einem anderen Blatt steht die unfassbar schlechte Kommunikation von Bierhoff und Grindel nach außen.

Manfred · 1. August 2018 um 13:10

Siehst du, ES, das ist intolerant. Die ganze Basis für diese Scheindiskussion ist Intoleranz. 2011 hat es kaum jemanden interessiert und das war auch gut so, 2018 wird ein Faß aufgemacht. Özil kann wen immer er will besuchen und sich mit der betreffenden Person ablichten lassen, das geht niemanden was an außer ihn selber.
Ich war schon ziemlich angepißt, als irgendwann im Königsblog dieser ganze Unsinn debattiert wurde, denn das war 2011 seine Sache und ist es 2018 immer noch. Und er schuldet niemandem eine Antwort.
Was dann daraus gemacht wurde ist einfach nur widerlich.
Natürlich steht es dir frei, den demokratisch gewählten Präsidenten Erdogan als Diktator zu bezeichnen. Ich mag den Kerl auch nicht, aber das ist so nebensächlich wie nur was. Beides. Die ganze Diskussion ist fürn A….

Zeitspieler · 2. August 2018 um 19:30

Hallo Karsten, nur mal ne Frage. Ist es nicht rassistisch, wenn jemand
der, „Ich weiß nichts von der Türkei“ schreibt:
„Selbstverständlich tritt eben jener Präsident die Menschenrechte aber auch mit Füßen und baut sich eine hübsche Diktatur auf.“ ?
Unterstellt man den 50% die ihn demokratisch gewählt haben, die Fähigkeit zu denken.
Haben Dir Deine türkischen Freunde auch erzählt, dass es vor dem Umsturzversuch 2016 täglich Terroranschläge gab, die das Land destabilisierten. Kennst Du die türkische Geschichte so gut, hast Du die Hintergründe der früheren Putschversuche nachgelesen. Haben Dir Deine türkischen Freunde von der Gülen Bewegung erzählt?
Wäre es nicht etwas arrogant, sich zu der Politik Erdogans zu äussern, ohne jeweils einen türkischen Sender gehört zu haben, eine türkische Zeitung gelesen zu haben oder mit Türken im „Familienmodus“ gesprochen zu haben. Ist es nicht so, dass wir im persönlichen Gespräch mit Türken sofort Druck aufbauen, um Ihnen unsere politische Meinung auf zu drücken?
Lieben Gruss von Klaus Schäfer, Kirchen/Sieg

ES · 3. August 2018 um 16:51

Nein, das ist natürlich nicht rassistisch, wenn man sagt, dass Erdogan die Menschenrechte mit Füßen tritt und sich eine Diktatur aufbaut. Wenn Karsten gesagt hätte: „Alle Türken treten die Menschenrechte mit Füßen und bauen sich eine Diktatur auf.“ dann wäre das sicher nicht nur falsch und absurd, sondern auch rassistisch (nebenbei: Alter Trick von Diktatoren, die ihre „Fans“ denken lassen, wenn jemand etwas gegen den Diktator sagt, dann sagt dieser jemand etwas gegen das Volk und damit gegen die „Fans“, funktioniert wie eh und je).

Die andere Frage wäre, ob die Behauptung von Karsten, dass Erdogan das tut (Menschenrechte mit Füßen treten, Diktatur aufbauen), schlicht falsch, übertrieben und unangemessen ist. Nun, man darf gerne als Einstieg humanrightswatch, amnesty international, Reporter ohne Grenzen googeln, und das nur für den Fall, dass man seriösen deutschen Medien wie Süddeutsche oder Zeit misstraut. Von da aus kann jeder nach Belieben weiter recherchieren.

Nein, es ist nicht arrogant sich zu äußern ohne offizielle türkische Medien zu Rate zu ziehen. Offizielle türkische Medien und Sender empfehlen sich zur Informationsbeschaffung nur sehr bedingt bei einem Land, dass in Sachen Pressefreiheit auf Platz 157 der Welt liegt. Hier kann man bei einem solchen Ranking und angesichts der Tatsache, dass fast jeder unabhängige Journalist innerhalb der Türkei in politischer Gefangenschaft sitzt oder mindestens Schreibverbot hat, nur erfahren, was zu Zwecken der Propaganda unter der Bevölkerung und nach Außen verbreitet wird.

Was das persönliche Gespräch angeht: Die türkischstämmigen Menschen, mit denen ich mal bei Gelegenheit rede, bestätigen das Bild der Angst und Gleichschaltung bis in die letzten Winkel des Landes. Das ist natürlich nicht repräsentativ. Und nein, es ist nicht so, dass bei diesen Gesprächen Druck aufgebaut wird.

Zu den Terroranschlägen: Das Argument der Rechtfertigung einer Diktatur wegen terroristischer Gefahrenlage gibt es seitdem es Diktaturen gibt (und die sind wohl so alt wie es einigermaßen komplexe soziale Zusammenhänge mit vielen Menschen auf der Welt gibt). Und es ist falsch. Es braucht keine Diktatur, um Terrorismus im Zaum zu halten (wie sehr viele Beispiele in beide Richtungen zeigen, d.h. Es gibt und gab Demokratien, bei denen der Terrorismus erfolgreich bekämpft wird/wurde und es gibt/gab Diktaturen, die Terrorismus nicht in den Griff bekommen/bekommen haben).

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