Im Umkreis von 100 km Luftlinie um meinen Heimatort gibt es ab der neuen Saison keinen Männerfußballprofiverein mehr.

Ich bin Thüringer. Der am nächsten gelegene Club aus einer der drei höchsten Spielklassen sind die Würzburger Kickers.

Für die Gelsenkirchener unter euch würde das vergleichsweise bedeuten:

  • kein FC Schalke 04
  • kein Borussia Dortmund
  • kein Borussia Mönchengladbach
  • kein Bayer Leverkusen
  • kein 1. FC Köln
  • kein Fortuna Düsseldorf
  • kein VfL Bochum
  • kein MSV Duisburg
  • kein KFC Uerdingen
  • kein FC Viktoria Köln

Für den nächstgelegenen (2.) Bundesligisten müsstet ihr das Bundesland verlassen. VfL Osnabrück aufsuchen.

Im regionalen Radiosender würden euch Tickets für – so sagen sie – “unseren Verein” im Gewinnspiel angepriesen. Der etwa so weit entfernt von euch liegt, wie der SV Meppen. Und mit dem ihr euch so sehr verbunden fühlt, wie mit Borussia Dortmund.

Fotografiert auf dem Völkerschlachtdenkmal Leipzig.

Zwei Bundesländer sind komplett aus dem Profigeschäft rausgefallen. Beide liegen in Ostdeutschland. In den beiden Bundesligen befinden sich nur noch drei Clubs auf ehemaligem DDR-Gebiet. Einer davon das Marketingkonstrukt aus Österreich.

Ich will beileibe nicht, dass Vereine gepusht werden, die ein Rechts-(extremismus-)problem in den Kurven haben oder gar von selbigen geführt werden. Ich will keine finanzielle Misswirtschaft ausgeglichen haben, die selbst unsern FC Schalke in den Schatten stellt. Ich will einfach nur mehr als Ruinen und Ruin um mich herum.

Ich will auch meine Heimat irgendwo in meinem Lieblingssport vertreten sehen.

Kategorien: Abseits

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Philip

Da er im kleinstädtischen Thüringen aufwuchs, gab es für Philip ab der Grundschulzeit eigentlich nur die Entscheidung zwischen FCB und BVB - er tendierte zu letzteren, denn die Bayernanhänger waren schon damals unerträglich charakterlose Erfolgsfans. Doch glücklicherweise nahmen die Verwandten aus dem Sauerland noch rechtzeitig Einfluss und so wurde er doch Schalker. Intensiv mit seinem Verein beschäftigt er sich seit 2014, über Rasenfunk und Königsblog stolperte er schließlich immer wieder über diese komische Halbfeldflanke und begann Gefallen an der analytischen Zerlegerei zu finden. 2019 durfte er sich schließlich selbst mal ausprobieren.

2 Kommentare

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Carlito · 19. Juli 2020 um 12:50

Noch nie so richtig mit beschäftigt, muss ich ehrlicherweise zugeben. Aber gerade Deine Aufzählung, welche Vereine es als Gelsenkirchener nicht mehr gäbe und wo man stattdessen hinmüsste für Profifussball, führt einem vor Augen, wie bitter das eigentlich ist, wenn einem der Profifussball am Herzen liegt. Traurige Entwicklung für den Fussball in den Bundesländern der ehemaligen DDR. 🙁

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Lukas · 30. Juli 2020 um 17:19

Hi Philip, sehr sauber geschrieben.
Als Leipziger, der mal für etwas über ein Jahr im Pott gearbeitet hat, kann ich dir nur zustimmen. Es sollte dir aber auch bewusst sein, dass allein Bundesliga noch lange kein Fussballfieber ausmacht. Im Gegenteil…ich glaube je professioneller Fussball gespielt wird, desto mehr Kompromisse muss man eingehen. Das gibts wohl in keiner Stadt deutlicher als in Leipzig.

Gerade in der Zeit vor Tönnies’ Rücktritt, im Lauf der Sieglosserie und der Aktion von Matondo hab ich auch mal darüber nachgedacht, was denn realistischerweise Schalke und Fussball überhaupt noch ausmacht.
Und zumindest für mich ist und bleibt der Fussball in der Kreisklasse.
Wo es keine Bildzeitung, keine Ölscheichs oder Jungmillionäre gibt.
Klar ist es super sich mit allen Schalkern zu freuen, zu leiden und redet sehr gern mit Freunden und der Familie über Blau und Weiß.
Aber da ist auch so viel Geschäft und falscher Ruhm, dass man seinen Spaß für das Spiel nicht allein daraus ziehen sollte.

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