Der Halbfeldflanke & Friends Adventskalender 2020 zu unseren Lieblings-Schalkern. Heute Peter Neururer von Jörg Mebus.

Ein Lieblingsschalker? Habe ich überhaupt einen? Alles, was knapp 25 Jahre Sportjournalismus und das kaputte Paralleluniversum Profifußball noch von meinem Fußballerherzen übriggelassen haben, gehört schließlich dem VfL Bochum. Nun gut, mein Sohn (14) ist Schalke-Fan, und für ihn oder auch für meine vielen königsblauen Freunde kann ich mich sogar mal über einen Derbysieg der Blauen gegen Lüdenscheid Nord ein wenig freuen. Lieber königsblau als schwarz-gelb, ganz klar.

Aber ein Lieblingsschalker??! Ja, doch, es gibt einen.

Ich habe Peter Neururer in dessen Zeit beim VfL Bochum, ich war damals der für diesen Klub verantwortliche Reporter des Sport-Informations-Dienstes (SID), ein wenig kennenlernen dürfen. Professionelle Distanz war mir wichtig, „Du“ und „Peter“, wie es viele Kollegen mit ihm hielten, kamen für mich nicht infrage. Aber selbst auf dieser nüchternen Arbeitsebene gelang es Neururer schnell, mich zu überzeugen. Er war immer erreichbar, und wenn er nicht sofort ans Telefon ging, rief er zurück. Immer! Ein Traum für jeden Journalisten. Aber das war nicht alles. Neururer schaffte es, zahlreiche damals im Zusammenhang mit seiner Person geltenden Klischees zu widerlegen. Man musste nur etwas hinter die Kulissen schauen.

Ein Dampfplauderer? Nein! Allenfalls, wenn es darum ging, seinem Klub etwas mehr mediale Präsenz zu verschaffen: Da machte er dann auch schon mal Frank Fahrenhorst zum Weltklasse-Abwehrspieler oder den VfL zum Anwärter auf die deutsche Meisterschaft. Oder er tanzte den Moonwalk vor der Osttribüne. Wer nicht verstand, dass er das ganze Klimbim nur zum Wohle des Klubs und der Spieler veranstaltete und das alles eben nicht seinem Ego galt, der verstand Peter Neururer nicht.

Intern, als VfL-Trainer, und nur bei diesem Klub kann ich ihn wirklich beurteilen, war er ein brillanter Motivator. Seine Leidenschaft für, sein Wissen über das Spiel und natürlich auch seine Erfolge verschafften ihm intern enormen Respekt. Auf dem Trainingsplatz hatte er nichts gemein mit dem Medienclown, den manche in ihm bis heute sehen. Er strahlte eine enorme Präsenz aus, erreichte die Spieler nach Belieben und sah nie ein Problem darin, sich mit ihnen auf Augenhöhe zu bewegen. Und sei es am Ende des Trainings beim gemeinsamen Lattenschießen, das er meistens gewann.

Neururer, der Feuerwehrmann, für den nur ein Halbjahresvertrag lohnt? Nein! Nicht beim VfL.

Und wieso ist Neururer nun mein Lieblingsschalker, wenn ich ihn doch nur als VfL-Trainer wirklich erlebt habe? Weil er auch zu seiner Bochumer Zeit Schalker war! Durch und durch! Er sagte es mir selbst. Ich traf ihn zu einem Interview Anfang Oktober 2003 in seinem Büro im schmucken, neuen Stadioncenter, aus dem er auf die Arena blicken konnte. „Dort ist mein Herz – auch“, sagte er und deutete mit verträumtem Blick auf das Arenadach, „und das wissen hier auch alle“. Neururer hat aus seinem königsblauen Herzen nie eine Mördergrube gemacht – eine solche Form von Loyalität war schon damals, als es dem Profi-Fußball noch ein wenig besser ging, eine Seltenheit.

Kurz nach diesem Interview gewann Bochum auf Schalke 2:0 und eine Woche später 3:0 gegen Lüdenscheid Nord. Danke, Peter Neururer!

Adventskalender 2020:
Lieblings-Schalker von Halbfeldflanke & Friends.

Geschrieben von Jörg Mebus

Jörg ist, ihr habt es gelesen, Fan des VfL Bochum – solange es ihm der Beruf des Sportjournalisten erlaubt. Das ist in letzter Zeit häufiger der Fall, denn als Redaktionsleiter der Produktionsfirma EyeOpening.Media, hinter der sich die ARD-Dopingredaktion verbirgt, hat er nicht so wahnsinnig oft beruflich mit dem VfL zu tun. Das war früher anders. Jörg arbeitete von 1997 bis 2019 für den Sport-Informations-Dienst SID, war dort mehr als 15 Jahre lang verantwortlicher VfL-Redakteur und zuletzt Mitglied der Redaktionsleitung. Falls ihr mehr von Jörg lesen wollt, folgt ihm auf Twitter (@JMebus).

Der Halbfeldflanke Adventskalender 2020.

Halbfeldflanke-Friends

Verschiedene Gastbeiträge von unterschiedlichen Autor*innen. Von wem genau wird jeweils im Text selbst spezifiziert.

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