Der Halbfeldflanke & Friends Adventskalender 2020 zu unseren Lieblings-Schalkern. Heute mit Dario Rodriguez von Marius Winzler.

Meine Zuneigung zu Spielern des FC Schalke 04 ist von Zurückhaltung geprägt. Ich habe in meinem Leben noch nicht ein Trikot mit einem Spielernamen darauf besessen. Für mich stand der Verein immer im Vordergrund, nicht der Spieler, nicht die einzelne Leistung. Wenn ich dann allerdings mal Lieblingsspieler ausgemacht habe, die mir in dem Kollektiv wichtiger waren als andere, dann waren es die unauffälligen Spieler, die nicht in der ersten Reihe standen oder Schlagzeilen aufgrund von Toren, Vorlagen oder Aussagen gemacht haben.

So war es auch bei Dario Rodriguez. Eine Verpflichtung, die bei vielen erst einmal für Schulterzucken gesorgt hat. Gemeinsam mit Gustavo Varela kam Dario Rodriguez aus Uruguay und in die Herzen der Schalker spielte sich erst einmal Varela mit seiner flinken und offensiven Spielweise. Schon beim ersten Testspiel hatte ich allerdings meine Schwäche für Dario Rodriguez ausgemacht. Robust, ruhig, kompromisslos, wenig abgehoben. Seine Spielweise gefiel mir und in seinen wenigen Interviews kam er ebenfalls ruhig, reflektiert rüber. Ein Spieler ganz nach meinem Geschmack. Selten brillant, aber das Herz am rechten Fleck.

Im Laufe seiner 5,5 Jahre auf Schalke hatte Dario Rodriguez dann auch nahezu jeden Schalker überzeugt. Gesänge über einzelne Spieler sind auf Schalke selten, aber Dario hatte einen. Und es gefiel ihm sichtlich. Das Ende seiner Karriere auf Schalke nach 142 Pflichtspielen kam plötzlich, aber war genauso geräuschlos wie seine ganze Zeit in Gelsenkirchen. Private Gründe zogen ihn zurück in seine Heimat.

Nach seinem letzten Spiel war ich dabei, als wir Dario stellvertretend für die Kurve ein kleines Abschiedsgeschenk überreichten. Die kurze Begegnung bestätigte meinen Eindruck. Zurückhaltend fast demütig nahm er das Geschenk in Empfang, schüttelte den Kopf und sagte: „Ich habe das doch gar nicht verdient.“ Nahm das Bild an sich, zeigte es voller Stolz seinen Begleitern und zog lächelnd davon.

Dario Rodriguez war mit Sicherheit keiner der prägendsten Spieler der Schalker Vergangenheit. Aber ein Spieler, mit dem ich mich identifizieren konnte. Jemand, der zumindest den Anschein gemacht hat, dass es ihm etwas bedeutet hat, für diesen Verein zu spielen. Etwas, was man heutzutage leider immer seltener findet.   

Adventskalender 2020:
Lieblings-Schalker von Halbfeldflanke & Friends.

Geschrieben von Marius Winzler

Marius, 1981 geboren, entdeckte seine Hingabe zum FC Schalke 04 im Jahre 1991 durch den Besuch des Spiels im heimischen Parkstadion gegen den FC Schweinfurt 05. Er begleitet diesen Verein daher nun seit etwas mehr als 30 Jahren. Stets loyal, aber immer kritisch. Zu lesen ist er, wenn auch sehr sporadisch auf Twitter (@supml) und bald wieder häufiger auf seinem Blog.

Der Halbfeldflanke & Friends Adventskalender 2020: Lieblings-Schalker

Halbfeldflanke-Friends

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Verschiedene Gastbeiträge von unterschiedlichen Author:innen. Von wem genau wird jeweils im Text selbst spezifiziert.

1 Kommentar

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Carlito1904 · 8. Dezember 2020 um 19:02

Hey Mr. Uruguay, Dario Rodriguez! Sehr schöner Text von dir, Marius! Auch einer der Spieler, die bei mir ganz hoch im Kurs standen! Machte einfach einen töften Eindruck, unser Mr. Uruguay. 🙂

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