Die Halbfeldflanke & Friends Vorstellung der Neuzugänge zur Saison 2021/22. Heute mit Marius Bülter von Daniel Roßbach.

Am 31. August 2019 hat der 1. FC Union sein zweites Heimspiel in der Bundesliga gespielt, aber irgendwie war es auch das Erste. Denn die eigentliche Premiere gegen Werbung „Leipzig“ konnte man sportlich nicht wirklich zählen, und sie war zwar emotional, aber auch keine ungestörte Party.

Dieses zweite Spiel, gegen Borussia Dortmund, war also die eigentliche Gelegenheit zu feiern, dass man in dieser Liga angekommen war. Aber daran, dass wir dort sportlich wirklich mithalten können, insbesondere gegen diesen Gegner, habe ich schon ein Stück weit gezweifelt.

Diese Zweifel haben sich zu keinem geringen Teil in einem unfassbar intensiven Jubel nach circa 20 Minuten aufgelöst, als Union nach einer fantastisch gespielten Ecke in Führung ging. Der Spieler, der dabei um den zentralen Block herum lief und sagenhaft trocken mit rechts ins kurze Eck schoss, war Marius Bülter.

Initialzündung gegen Dortmund

Dabei war das nur sein zweitbester Abschluss an diesem Abend, denn wie er zum 2-1 den Ball mit links genau neben den Pfosten gespielt hat, war noch besser. Diese beiden Tore, dank derer Union für seinen ersten Bundesligasieg Dortmund mit 3-1 geschlagen hat, waren die Initialzündung für die erste phantastische Saison in der Bundesliga. Und das nicht nur für Union insgesamt, sondern auch für Bülter persönlich, der schließlich sieben Tore auf seinem Konto hatte.

Das war viel mehr, als man von ihm erwarten konnte, nachdem er vom Zweitliga-Absteiger Magdeburg zu Union gewechselt war. Von Woche zu Woche war es überraschend, wie gut seine energiegeladene Spielweise in der Bundesliga funktioniert hat, und wie viele Verteidiger auf seine Finten nach innen herein fielen.

Mission Wiederaufstieg:
Schalker Neuzugänge 2021


Denn Marius Bülter konnte auf den ersten Blick technisch (für einen Bundesliga-Offensivspieler) etwas limitiert wirken, machte das aber damit wett, dynamisch und direkt Räume vor ihm zu attackieren. In seinem Buch über die erste Bundesligasaison von Union hat Christoph Biermann hervorgehoben, dass es ein wichtiger Coaching-Punkt für Bülter war, den Ball mit dem ersten Kontakt nach vorn anzunehmen. Damit hat er einen wichtigen Beitrag zu Unions Umschalt-orientierter Spielweise geleistet, zu der natürlich auch diszipliniertes und aggressives Verteidigen gehört.

In der Arbeit gegen den Ball hat Bülter auch Stärken, wie etwa auch ein Blick auf seinen FB Ref-Scouting Report zeigt. Entsprechend ist er eigentlich auch als Flügelverteidiger oder auch Außenverteidiger prädestiniert, auf diesen Positionen hat er aber bei Union nur selten und phasenweise nach Einwechslungen gespielt.

Gebremst durch Covid

Der Blick auf die Werte bei FB-Ref für die Saison 2020/21 zeigt aber auch, dass er in der abgelaufenen Saison offensiv sehr viel weniger Einfluss nehmen konnte. Dafür war nicht zuletzt eine Covid-Erkrankung verantwortlich, nach der er es nicht zurück in die Stammformation geschafft hat. Denn diese alles andere als asymptomatische Erkrankung hat ihn deutlich über die Wochen, die er daher aussetzen musste, hinaus beeinträchtigt.

Während Bülters defensiver Beitrag danach in der abgelaufenen Saison fast identisch mit dem des Vorjahres war, sind vor allem die Dribbling-Werte von Bülter deutlich zurück gegangen. Dass er nach den sieben Toren in der Folgesaison aber nur ein Tor erzielen konnte, lag auch an der deutlich geringeren Spielzeit und etwas mehr Abschluss-Pech: Bülters xG/90min lagen 20/21 sogar höher (0,18 statt 0,10), die expected Assists auf einem sehr ähnlichen Level.

In der ersten Liga wirkte Bülter letztlich für einen Offensivspieler technisch nie überragend. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er in der zweiten Liga mit seiner Dynamik eine sehr gute Rolle spielen kann.

Geschrieben von Daniel Roßbach

Daniel kommt eigentlich aus Thüringen, hat aber das Glück gehabt, irgendwann nach Berlin und dort zu Union zu kommen. Über die Eisernen schreibt und podcastet er bei Textilvergehen sowie im Union-Geschichtspodcast Und Niemals Vergessen. Er arbeitet als Journalist für die Lausitzer Rundschau. Folgt ihm auf Twitter (@da_rossbach).


Halbfeldflanke-Friends

Verschiedene Gastbeiträge von unterschiedlichen Autor*innen. Von wem genau wird jeweils im Text selbst spezifiziert.

1 Kommentar

Kontern im Unterhaus. FC Schalke 04 – Hamburger SV, 1:3 - Halbfeldflanke · 25. Juli 2021 um 22:41

[…] bei der Spieleröffnung massiv unter Druck gesetzt. Die 8er Latza und Drexler sowie die Stürmer Bülter und Terodde waren mehrfach defensiv im und um den gegnerischen […]

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