Die Halbfeldflanke & Friends Vorstellung der Neuzugänge zur Saison 2021/22. Heute mit Reinhold Ranftl von Annika.

Reinhold Ranftl rackert Rechtsaußen. Reingeflankt auf Rodde-Ter: Rabona-Tor!

Okay, okay, ich hör ja schon auf.

Eigentlich hatten wir auch diesen Text als Gastbeitrag geplant, weiter bis zum Spamordner sind wir mit den Anfragen aber leider nicht gekommen. Schade, liebe LASK-Fans, aber vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal. Es folgen also ein paar Beobachtungen von mir.

Wenn man Reinhold Ranftl heißt, solche Hammertore schießt, bis zu beiden Ohren grinst, so gechillt durch die Berge stapft und eben wirklich die Seitenlinie rauf und runter rackert, kann man eigentlich nur Kult werden. Es dauerte jedenfalls nicht lange bis zur Gründung der #ReiniRanftlRackers auf Twitter und einer damit verbundenen Spendenaktion für die Gerald Asamoah Stiftung, geile Sache! Der gute Jörg Seveneick muss nur die Aussprache noch üben, auch wenn bestimmt noch die Situationen kommen, in denen der Reini mal englisch raken, also harken muss.

Ranftl selbst beschreibt sich als professionellen Arbeiter, aber bevor hier jetzt wieder alle über den Maloche-Mythos motzen, sei darauf hingewiesen, dass diese Einstellung zu seinem Beruf u.a. dazu geführt hat, dass er schon sehr lange nicht mehr verletzt war. Da gehören immer auch Glück und die Arbeit des jeweiligen Vereins mit dazu, aber ich denke wir alle würden uns über mehr solcher Spieler bei uns freuen.

Verkappter Rechtsaußen

Grammozis setzte Ranftl bisher als sehr offensiv agierenden rechten Flügelverteidiger in einer 3er/5er-Kette ein. Sein Aktionsradius in den Freundschaftsspielen, die man so sehen konnte, war groß. Größtenteils beackert er die rechte Außenbahn, er ist aber keiner der nur an der Linie klebt. Vielmehr zieht es ihn durchaus mal auf Höhe des Elfmeterpunktes in den Sechzehner und er hat bei Kontern ein gutes Gespür dafür, in welche Räume er zu starten hat. Dann kreuzt er auch mal durch die Mitte.

In seinem FBREF-Profil finden wir das in seinen „erhaltenen progressiven Pässen“ wieder, also den Bällen, die aus der Defensive ins gegnerische Drittel oder deren Sechzehner gespielt und dann vom Angreifer erfolgreich angenommen werden. In Österreich erhielt er pro Spiel 3,82 solcher Bälle und sie waren 90% erfolgreich.

Mission Wiederaufstieg:
Schalker Neuzugänge 2021

Vor Teroddes großartigem 1:0 gegen Vitesse Arnheim deutete er außerdem an, ein guter Einwerfer zu sein, sein Ball kam wie eine Flanke bis in den Sechzehner und genau auf den Kopf von Bülter. Die Szene sah einstudiert aus (auch wenn diesen Abschluss so sicher niemand geplant hat), wie wertvoll solche Situationen sein können wissen alle, die sich noch an Christian Fuchs erinnern.

Ranftl bringt mit und ohne Ball eine gute Geschwindigkeit mit, auch wenn es sicherlich schnellere Spieler als ihn gibt, sollte es für die 2. Bundesliga reichen. Ein richtiger Eins-gegen-Eins-Dribbler ist er nicht, aber ähnlich wie Caligiuri hat er die Fähigkeit, den Ball am Gegenspieler vorbeizumogeln. Diese beiden Punkte erlauben es ihm den Ball mit einem Lauf nach vorne zu tragen.

Damit ist er sehr erfolgreich. Laut FBREF hat er solche Läufe in der österreichischen Liga etwas mehr als sechsmal pro Spiel gebracht und war damit in 78% aller Fälle erfolgreich. Darin spiegelt sich natürlich auch, dass der Linzer ASK hauptsächlich eine Kontermannschaft ist.

Flanken, Flanken, Flanken

Der wichtigste Punkt seines Spiels sind aber seine Flanken, denn Ranftl flankt häufig. Sehr häufig. In den ersten Testspielen sah das manchmal ein bisschen verplant aus. So wie das Gesamtgebilde aber immer weiter zueinander findet gab es zuletzt auch wohl überlegte Flachpässe und Rücklagen an die Strafraumkante von ihm zu sehen.

Oder auch gechippte Bälle aus dem Halbfeld in den Lauf eines Stürmers. Diese Bälle und auch seine hohen Flanken sind überwiegend wirklich gut, mit einem Abnehmer wie Terodde oder zumindest der Größe nach auch Pieringer ist das eine super Kombination. In FBREF-Zahlen sind das 2,64 „Schusserzeugende Aktionen“ pro Spiel mit einer Erfolgsquote von 87%.

Ranftls Metriken in Verbindung mit Pässen sehen durchwachsen aus, mein persönlicher Eindruck bis hierhin ist deutlich positiver. Ich denke dieser Unterschied kommt dadurch zustande, dass Linz eben kontert, also meistens schnell und risikobehaftet spielt, während Schalke jetzt ganz eindeutig den Ball haben möchte, viele Spieler nach vorne bringt und es dadurch mehr Optionen und etwas mehr Zeit gibt.

Um sein Defensivverhalten beurteilen zu können, muss ich ihn noch ein paar Mal sehen. Er ist auf jeden Fall ein Spieler, der sich mit Pressing wohlfühlt und gut anläuft. Ich finde aber schon jetzt, dass man Reinhold Ranftl für mehr mögen kann als seinen Namen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Spiele mit ihm.

Geschrieben von Annika


Annika

Annika ist in Essen geboren, eine Meisterin der Kulturwissenschaften und hat außerdem Kreatives Schreiben studiert. Fing ca. 2012 an sich durch das Lesen auf Spielverlagerung für Taktik zu interessieren. Ist seit 2019 beim Halbfeldflanke Podcast dabei und hin und wieder auch im Rasenfunk zu hören. Mehr von Annika zu lesen gibt's auf Twitter (@annika_be).

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