Gelähmt von der Angst der Geschwindigkeit der Gegnerischen Akteure igelt sich Schalke zunächst etwas ein. Später werden sie dann zwar aktiver, treffen aber das Tor nicht.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Weiße Kittel

Die Leverkusener sind schnell. Und sie machen Druck. Das hat sich auch durch die vergangenen Trainerwechsel nicht maßgeblich geändert. Selbst ein wenig Angst um die Schalker Konter blieben zwei der schnellen sogar die erste Halbzeit noch draußen. Bailey und Havertz kamen nach dem Seitenwechsel um noch einmal mehr Druck zu erzeugen.

Generell wechselte sich am Vorgehen bei Leverkusen nicht viel. Im 4-2-3-1/4-4-2 wurde mit viel Druck ein hohes Mittelfeldpressing aufgezogen. Schalke sollte so kaum zur Entfaltung gelangen, Leverkusen wollte Bälle hoch gewinnen und direkt Richtung Tor ziehen.

In einem starken Pressing gelang es den Gästen immer wieder Überzahlsituationen zu erzeugen. Auch nach Ballgewinn gelang es Leverkusen so in engem Geflecht den Ball sicher in den eigenen Reihen zu behalten.

Dreckige Helme

Schalke formierte das typische 3-4-3 wieder einmal mit einer klaren 5er Kette. McKennie als 6er davor, Goretzka nominell auch, tatsächlich war er aber mal wieder überall im Mittelfeld zu finden. Konoplyanka vorne links stand recht breit und harmoniert immer besser mit Ozcipka. Rechts stach Harit oft stärker ins Zentrum und machte so auch Platz für Caligiuri auf dem Flügel. Besonders in der Zeit rund um den Führungstreffer agierte der Franzose teilweise wie ein echter 10er.

Ganz vorne stand Breel Embolo zum ersten Mal seit seiner Verletzung in der Startelf. Das war aber ein bisschen Problematisch, weil der Schweizer nun mal kein Zielspieler ist. Er hat eine starke Präsenz, kann Bälle festmachen und abschirmen, aber er kann sie dann eben auch weiter verteilen. Reine Verwertung, können andere besser. Dazu kommt, dass seine Defensivqualitäten nicht mit seinen Offensivqualitäten mithalten können, um es mal höflich zu formulieren.

Das Kaninchen vor der Schlange

In der 19. Spielminute hatte Leverkusen 76,2% Ballbesitz, als knapp über Dreiviertel der Zeit mit Ball am Fuß. Der Grund war, dass Tedesco die Geschwindigkeit der Gäste als Hauptgefahr ausgemacht hat. Die Gegner wurden zwar attackiert, aber eben nicht mit ganzer Kraft. Es wurde viel drauf geachtet, dass jede Aktion gut abgesichert war.

Das zeigte sich besonders an zweierlei Situationen: Leverkusens Überzahlspiel und deren Aufbauspiel. Schalke war eigentlich fast überall in Unterzahl. Ballbesitz oder nicht, ständig fanden sich die Blauen in 2 gegen 3 oder 3 gegen 4 Situationen wieder, zum Teil gab es auch ein stärkeres Ungleichgewicht. Sowas ist ein hoffnungsloses Unterfangen, besonders, da die individuelle Klasse der Gegner recht hoch war. Die sind nicht nur schnell, sondern auch Passsicher.

Beim Aufbau stand Leverkusen recht tief. Die Innenverteidiger, die Außenverteidiger und die 6er bildeten ein 6 Eck, meist noch vor dem Mittelkreis. Um das vernünftig zu pressen bräuchte Schalke mindestens 5 Spieler in der Gegnerischen Hälfte. Damit gäben sich aber große Freiräume für weite Bälle. Immer wieder gab es weite Diagonalbälle, etwa auf Brandt, der dann auf viel Platz und wenig Absicherung trifft.

Stattdessen versuchte Schalke mit 3 Spielern den Angriff zu pressen. Das war mühevoll, sorgte aber dafür, dass sich kaum Anspielstationen ergaben. Selbstverständlich konnte Leverkusen das Pressing umspielen. Besonders durch schlaue Bewegungen. Oft zog Aránguiz etwa nach rechts und so Embolo mit zur Seite in die Lücke stieß dann Bender, der den Ball weiter nach vorne tragen konnte. Goretzka orientierte sich dann immer stärker auf diesen Raum.

Hoheres Pressing

So konnten die Leverkusener sich zwar Richtung Strafraum vorgraben, aber ihre Geschwindigkeit eben nicht ausspielen. Klare Räume gab es nicht. Die individuelle Qualität ist dennoch so hoch, dass Tedesco auch das vermeiden wollte. Schließlich stand Leverkusen in den ersten 10 Minuten mehrfach direkt am und zum Teil im Schalker Strafraum.

Bis zur 15 Minute ergab sich so der Eindruck, dass Schalke sehr tief stand. Heiko Herrlich beschwerte sich darüber nahezu bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Ab dann zog Tedesco sein Team höher. Es wurde versucht den Aufbau früh zu stören, und weite Bälle unmöglich zu machen. Das klappte großteilig recht gut. Zumindest während der ersten Halbzeit. In der zweiten gingen dann langsam die Kräfte aus und Leverkusen legte nochmal nach.

Unentschieden im Richtungsweisenden Spiel

Oft wurde vorher gesagt, dass dieses Spiel entscheide wie’s weiter geht. Da stehen wir jetzt mit unserem kurzen Hemd. Aus Schalker Sicht finde ich, dass die Endverteidigung gewohnt stark war. Es wurden kaum Chancen zugelassen. Gleichzeitig erarbeitete man sich selbst diverse gute Chancen, die aber leider vergeben wurden.

Klar, das gleiche könnte ich auch für die Leverkusener behaupten…

Tedesco sagt, und ich stimme da zu, dass erstmal wichtig ist überhaupt Chancen zu kreieren. Das mit den Toren kommt dann von ganz automatisch. Wichtig ist natürlich, dass das dann bald automatisch kommt.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

2 Kommentare

Ben · 3. Oktober 2017 um 14:34

Hi Carsten,
Vielen Dank fürs Update. Passt logischerweise mal wieder zum Spiel….
Da aus dem Spiel zumindest in der Partie nicht allzu viel Großchancen aus dem Spiel entstanden sind, setzt ich mal einen zu Tedescos Aussage drauf.
Vorerst egal wie die Torchancen entstehen, hauptsache es gibt sie.
Deine Meinung?

    Karsten

    Karsten · 9. Oktober 2017 um 17:56

    Hi Ben,
    Mit „K“, bitte. So viel Zeit muss sein. 😉
    Ich verstehe die Aussage aber nicht. Oder ich kann nicht folgen. Egal wie Torchancen entstehen… Meinst Du, dass es keinen Plan geben sollte um zu Torchancen zu kommen und die einfach so passieren sollen?
    In der Vergangenheit war auf Schalke a oft das Problem, dass es eben keine strukturierte Idee gab um Torchancen zu generieren. Jetzt gibt es sie. Warum willst Du das wieder abschaffen?

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