Zum Bremenspiel gibt es auf Halbfeldflanke diesmal keine ausführliche Analyse aller Aspekte und auch keinen Überblick über die wesentlichen taktischen Elemente des Spiels. Vielmehr werden wir uns in drei Szenenanalysen das 1:0, die Chance von Pjaca in der 84. und das 1:2 anschauen. Das 1:1 entfällt aufgrund der eher chaotischen Ausgangslage des Freistoßes, die sich nicht so wirklich für die taktische Analyse eignet.

Das Schalker Führungstor

Wir beginnen die Analyse an der Mittellinie, an der Konoplyanka gerade angespielt wurde. Er zieht, wie er es auf Schalke eigentlich immer macht, nach innen. Zwei Schalker versuchen ihm dabei die Räume zu öffnen: Di Santo und Oczipka. Letzterer zieht in den Raum hinter Selassie, ersterer drückt zunächst Delaney nach hinten, um dann in den Raum hinter dem rausrückenden Veljkovic zu sprinten. Diese Läufe öffnen Konoplyanka den Raum in Zentrum (roter Kreis).

Besonders das Delaney nah hinten gedrückt wird erweist sich als vorteilhaft. Da Meyer, Bentaleb und Caliguri sich sehr stark zurückhalten rückt auch die Bremer Hintermannschaft nicht konsequent genug nach hinten. Nachdem Konoplyanka dann weiter ins Zentrum marschiert ist, öffnet ihm Di Santos Ausweichen in den Raum hinter Veljkovic beim Torschuss. Durch den Lauf zieht Di Santo Delaney und Moisander etwas auseinander.

Dennoch ist dieser Angriff in spielerischer Hinsicht eher mau. Es gibt gute Elemente die dank Konoplyankas individueller Fähigkeiten im Dribbling und dank ein bisschen Glück beim Abschluss aus 25 Metern letztlich zum Tor reichen. Doch hätte Bremen hier den Raum konsequenter gefüllt, dann hätten diese Ansätze wohl kaum ausgereicht. Di Santos Laufweg öffnet zwar das Zentrum für Konopylankas Schuss, doch ist eigentlich ungünstig. Dadurch und auch durch die wenig aufrückenden Bewegungen und den spezifischen Spielstil von Konoplyanka bietet die Szene wenig Kombinationspotential.

Di Santo ist in seinen ausweichenden Läufen häufig zu unpräzise und zu wenig tororientiert, er lässt sich aus dem Zentrum abdrängen und zieht die Schalker Angriffe in ungefährlichere Zonen. Das führt dann immer wieder zu mäßigen Hereingaben und zu Schüssen aus zu spitzem Winkel. Es entsteht zwar viel Dynamik im letzten Fünftel aber sie ist nicht tororientiert genug.

Pjacas Chance in der 84.

In dieser Szene nach der roten Karte gelang es Schalke mal trotz Unterzahl an den Bremer Strafraum zu kommen. Auch hier sind nicht so viele Spieler am Abschluss des Angriffs beteiligt, doch das ist im Kontext der Unterzahl ja auch ziemlich logisch. Ich habe der Übersichtlichkeit halber hier die Bremer Spielernamen weggelassen. Direkt vor der Viererkette ist Junuzovic postiert, davor noch Delaney und weiter unten, auf der rechten Bremer Abwehrseite, Eggestein.

Harit treibt den Ball mit einem ruhigen Dribbling auf die Viererkette zu und wartet mit seinem Abspiel auf Pjaca, bis Selassie in die Mitte einrückt. Zeigt da schön die Übersicht und das Timing, das er in Offensivszenen durchaus hat. Burgstaller beschäftigt wiederum die rechte Bremer Abwehrseite und lauert auf einen Pass hinter die Linie.

Pjacas Aktion nach Zuspiel ist sehr gut, er dribbelt kurz macht dann den Schritt nach innen und gleich das Abspiel. Pjaca und Harit sind ja sehr gut zueinander passende Spieler. Beide kommen über Raumdribblings, haben ein schönes Passspiel und verstehen es gut sich durch ihre Wendigkeit Freiräume zu öffnen. Gleichzeitig ergänzen sie sich aber gut: Harit öffnet eher Räume für Mitspieler, Pjaca ist tororientierter. Da setzt er dann seine Technik auch sehr schnörkellos ein um sich kurz Raum zu verschaffen und dann blitzschnell abzuschließen.

Die Szene zeigt erneut gutes Zusammenspiel der Spieler, die sich gegenseitig die Räume öffnen. Das Ganze ist etwas eleganter, was aber auch daran liegt, dass etwas elegantere Spielertypen beteiligt sind. Doch auch diese Szene bringt keine zwingende (wenn auch deutlich bessere) Torschussmöglichkeit hervor. Auch fehlt eine Besetzung des Zehnerraums. Dazu trägt in dieser Szene sicher die Unterzahl mit bei, doch das ist auch ein häufigeres Problem der Schalker, dadurch erschweren sie sich aber das Offensivspiel, da nicht genug Verbindungen im letzten Drittel vorhanden sind.

Der Bremer Siegtreffer

Bei dieser Szene wollen wir mit dem Schalker Aufbau anfangen. Zehn gegen Elf ist natürlich eine schwierige Situation, dennoch muss man das besser machen als in dieser Szene. Die Aufbaustaffelung ist sehr schwierig für Harit, er kann eigentlich nur auf Meyer zurückspielen oder irgendwie nach außen. Alle anderen Optionen bringen die Gefahr eines Ballverlusts mit sich. Dass er dann aber den riskanten Vertikalpass auf Goretzka wählt ist dennoch eine ziemliche Fehlentscheidung. Der wird von zwei Spielern bedrängt, die auch den Passweg belauern – es folgt ein beinahe zwangsläufiger Ballverlust.

Nach der Balleroberung zeigt sich dann so richtig wie problematisch die Schalker Staffelung ist. Es gibt einen riesigen freien Raum im Zentrum, in den Bremen ganz bequem reinspielen kann. Meyer, Kehrer und Naldo verhalten sich dann auch nicht optimal, aber diesen Raum dann noch irgendwie zu stopfen während drei Bremer im Vollsprint hinter die Abwehr kommen ist auch sehr schwer. Der Lupfer auf Eggestein ist natürlich auch große Klasse. Kehrer erkennt zwar noch schnell genug die Situation um nach hinten zu sprinten, kann aber nicht mehr entscheidend eingreifen.

Eine merkwürdige Aufbauszene, bei der die Schalker Spieler keine wirklich einheitliche Strategie zu verfolgen scheinen, wird von Bremen zum Siegtreffer genutzt. Mit der Taktik Tedescos hatte das Verhalten in dieser Szene vermutlich nur wenig zu tun – bedenklich bleibt es dennoch.

 

Insgesamt zeigt sich, dass Schalke in Tedescos Schnellangriffsstrategie zwar sehr gute Laufwege hat um auch mit nur wenig angreifenden Spielern gefährlich zu sein, aber eben kaum wirklich zwingende Angriffe erzeugen kann. Vielleicht mit einer der Gründe wieso Schalke diese Saison offensiv eigentlich nie völlig abgemeldet war (selbst das Spiel gegen Bayern hätte auch 2:3 oder sogar 3:3 ausgehen können) aber eben auch nie wirklich drückend überlegen.


Jakob

Anders als die meisten kam Jakob über die Liebe zur Taktik zum Fußball und nicht umgekehrt. Schalke-Fan wurde er dann erst mit 18. Wieso genau Jakob als Taktik-Begeisterter ausgerechnet Fan des FC Schalke 04 wurde, das kann er auch nicht erklären. Vermutlich waren es die Leidenschaft der Schalker-Fankurve und das 5:2 gegen Inter Mailand. Als S04goesZentrum twittert er über Fußball und Politik. Inzwischens schreibt er manchmal auch für die WAZ über Fußball.

1 Kommentar

Christian Weisz · 8. Februar 2018 um 12:56

Vielen Dank. Beide Gegentore sind so überflüssig und schmerzvoll, dass ich mich gar nicht mehr damit beschäftigen möchte. Mann, wären das drei wichtige Punkte gewesen. Zur Sache, eher zu Spiel/Spielerkulturen: Was mir oft auffällt, ist um wieviel zielstrebiger, abschlussorientierter und kaltschnäuziger Spieler agieren, die frisch aus anderen Ligen (ENG, I, F) zu uns kommen. Pjaca ist so ein Beispiel. Der hat immerhin ein lange Verletzung hinter sich, und weist aber nur konditionelle Probleme auf; ansonsten steht der voll im Saft. Der Neue bei den Zecken ist ja ein ähnlicher Fall. Ist das Deiner Meinung nach eine valide Beobachtung? Oder reicht die Menge der beobachteten Fälle für so eine Schlussfolgerung nicht aus? Bringen BuLi-Vereine noch Stürmer hervor?

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