Wieder einmal Spielt Schalke gegen den Rekordmeister. Wieder einmal macht Schalke ein richtig gutes Spiel. Wieder einmal verliert Schalke allerdings trotzdem. Und jetzt zu den Details.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Knödel

Zu der individuellen Qualität der Bayern in Bestbesetzung brauche ich wohl nicht viel zu schreiben. Das Spiel war eigentlich recht simpel. Vidal war Spielzerstörer wenn Schalke den Ball hatte und verteilte den Ball wenn nicht. Am liebsten auf James oder Müller oder die Flügel.  Ribery zieht gern nach innen, James nach vorne und Müller ist sowieso irgendwie überall, wo man ihn gerade nicht vermutet.

Ansonsten waren die Bayern erstaunlich unoriginell. Wenn man das so sagen kann. Denn natürlich ist deren Positionsspiel aller ehren Wert. Insgesamt hatten die Bayern in dieser Partie einen starken Gegner und bekamen ein paar Aufgaben gestellt, die sie nicht im Vorbeigehen lösen konnten. Interessanter Weise sah es für mich so aus, als hätten sie richtig Spaß daran gehabt.

Currywurst

Schalke brachte mal so richtig Pfund auf den Platz. Eine derartig offensive Aufstellung hat Seltenheitswert. Tedesco kündigte an mutig sein zu wollen, und das demonstrierte er deutlich. Burgstaller, Di Santo un Embolo als Dreifachspitze machten klar, in welche Richtung es gehen sollte.

Schön zu sehen war, dass Kehrer seinen gruseligen Auftritt unter der Woche im Pokal weggesteckt hat und Robben den ein- oder anderen Zahn ziehen konnte. Stambouli machte ein unfassbares Spiel. Nominell der Ersatz für den gesperrten Nastasic. Gleichzeitig gab er so eine Art Doppel-6 mit Meyer. Und das war interessant, denn Meyer diesmal auf halb-links und Stambouli, etwas nach hinten versetzt, auf rechts. Dadurch erklärt sich auch der Fokus auf die rechte Spielfeldseite. Das wurde natürlich auch durch Goretzka forciert, weil dieser halb-rechts spielte und sich von dort aus nach vorne orientierte.

Die 1. Halbzeit

Schalke hatte in der ersten Halbzeit 47% Ballbesitz. In der zweiten Halbzeit dann nur noch 38%. Unfassbar. Bis zur Pause wurde der große FC Bayern immer wieder hinten rein gedrückt und kam auf nur wenig mehr als 50% Ballbesitz. Wie kann das sein?

Schalke presste mutig und hoch. Tedesco bemängelte zuletzt häufig, dass seine Mannschaft die zweiten Bälle nicht mehr bekommt. Das war hier zwar noch nicht gut, aber deutlich besser. Selbst wenn der zweite Ball selbst nach einem Abschlag etwa bei den Bayern landete, so fanden sich die Bayern direkt in einem engen Pressing und Schalke gewann den Ball mit schlichter Regelmäßigkeit zurück.

Das Pressing war insgesamt sehr intensiv von Schalke. Der Coach erklärt gern und häufig, dass es wichtig ist den Gegner unter Druck zu setzen, so dass dieser sich die großen Schritte nicht lang überlegen kann. In diesem Spiel hat wurde das zahlreich bewiesen. Selbstverständlich ist jeder Bayernspieler sehr Pressingresistent. Unter Druck gibt’s eben aber auch da weniger Zeit die Situation genau zu analysieren und der Ball wird schnell weiter gegeben. Nicht selten ergaben sich so Ballstafetten, bei denen der Verteidiger schon unter Stress den Ball weiter gibt, Der Mittelfeldspieler auch, und der Flügelspieler steht plötzlich in einer Sackgasse. Dabei war das absehbar, die Spieler hatten nur eben nicht die Zeit das abzusehen. Darum spielt Schalke so intensives Pressing.

Unter Druck wurden die Bayern auf unsauber. 82% Passerfolg ist für den Rekordmeister eher ein Wert am unteren Ende der Skala (87% Durschnitt diese Saison). Schalke gelang es immer wieder Bälle abzufangen und so Angriffe zu unterbinden. Gleichzeitig konnten so die eigenen Angriffe gestartet werden

Anstatt blind jeden Ballgewinn zu einem Konter zu machen, versucht Schalke zuletzt besser die eigene Vertikalität zielorientiert zu dosieren. Das heißt, mit Ballgewinn entscheidet das Kollektiv, ob ein Konter schlauer wäre, oder der Ball besser erstmal zirkuliert werden sollte. Und aus dieser Ballzirkulation, oft im Mittelfeld und von Flügel zu Flügel, versucht die Mannschaft dann eine Lücke zu finden um den Ball in den Sturm durchzustecken.

Die erste Reihe, typisch Tedesco, sehr präsent. Offensiv, wie defensiv. Nur Breel Embolo hat nach wie vor Probleme mit dem Pressing. Während er ein Aktivposten im Angriff war, lief er in der Defensive immer wieder wie Falschgeld über den Platz. Einige Male kam dann sogar Meyer nach vorne gespurtet um die Lücke im Pressing zu schließen. Natürlich nicht so gut, weil das ja eine Kettenreaktion hervorruft.

Die 2. Halbzeit

Schalke hat die Bayern überrascht. So intensiv wurde das nicht erwartet. Dadurch ließen sie sich sehr hinten rein drängen. In der Pause schüttelten sie sich aber mal und kamen gewohnt Ballsicher zurück. Schalke presste zwar weiterhin hoch, hatte jetzt aber deutlich weniger Zugriff auf den Ball. Auch die Zweikämpfe wurden jetzt viel härter geführt.

Ansonsten eigentlich das gleiche wie zuletzt. Die Endverteidigung von Schalke ist relativ stark und hält recht gut. Die Endverteidigung von Bayern ist eher wackelig und machte ein paar erst Chancen möglich. Daraus folgte, dass eigentlich jederzeit ein Tor hätte fallen können. Und zwar hüben wie drüben. Das als solches ist eigentlich schon ein Erfolg, denn letztlich verlor Schalke vielleicht nicht aus Pech, aber mindestens wegen fehlenden Glücks.

7:7 Toschüsse innerhalb des Strafraums, Schalke sogar 6 mit dem Fuß, die Bayern „nur“ 5. Dafür schossen die Münchner häufiger von draußen drauf, 6:3 Schüsse aus der Entfernung. 44% des Spiels fand im mittleren Drittel statt. Soweit, so normal. Allerdings war der Ball zu 31% im Bayern Drittel und nur zu 26% im Schalker Drittel. Selten befindet sich der Ball zu mehr als einem Viertel der Zeit im Münchener Drittel.

Tedesco gab nach der Partie zu Protokoll, aus dem Fall Nastasic gelernt haben zu wollen und darum die rot gefährdeten Burgstaller und Meyer ausgewechselt zu haben. Dadurch konnte nicht mehr so gewechselt werden, wie geplant um etwas frische nachzulegen. So ging Schalke dann die letzten 10-15 Minuten etwas auf dem Zahnfleisch.

Quo vadis, Ballbesitz?!

In der Hinrunde wurden einige Partien mit glück zu Schalkes Gunsten entschieden. Gern durch späte Tore. In der Rückrunde bisher tendenziell eher umgekehrt. Warum ist das so?

Gegen Mitte der Hinrunde entdeckte Schalke das Ballbesitzspiel für sich. Schalke hielt den Ball, und nutzte Ballzirkulation für gut dosierten Einsatz der starken Vertikalität. In der ersten Halbzeit dieses Spiels gegen die Bayern war das wieder genauso. Zum Ende der Hinrunde allerding ließ das nach und zu Beginn der Rückrunde war es völlig abhandengekommen. Schalke traf jetzt häufiger auf Teams die Meyer isolierten und so das komplette Ballbesitzspiel lähmten. Ergebnis ist, dass Schalke weniger zirkulierte und gleich ins Vertikalspiel überging.

Prozentwerte zu Ballbesitz und Passerfolg. Die rot gestrichelte Linie stellt jeweils den Durchschnitt dar (49,2% Ballbesitz, 80% Passerfolg).

Tedesco beschäftigt sich in den letzten Pressekonferenzen immer wieder mit der Entscheidungsfindung beim Pressing, gleichzeitig gibt er glaubhaft zu verstehen, dass ihm Ballbesitz als solcher eigentlich egal sei. Schon im Interview hier erklärte er, dass Ballbesitz nur Vehikel für die Vertikalität ist. Dass Schalke den eigenen Ballbesitz jetzt offensichtlich runterfährt, deutet darauf hin, dass Tedesco da an etwas werkelt. Denn, wenn’s gegen die Bayern für knapp 50% Kombinationsspiel reicht, dann sollte sowas auch gegen Hannover möglich sein. Wir werden beobachten, was dahinter steckt.

Wer jetzt aber übrigens sagt, dass Schalke gegen andere Teams ähnlich offensiv auftreten sollte wie gegen die Bayern, vergisst, dass die Bayern einen komplett anderen Fußball spielen als der Rest der Liga. Das Gros der Mannschaften stellt sich hinten rein und versucht zu kontern. 3 Stürmer an der Abseitskante wären für solche Teams viel zu leicht zu verteidigen, da ist mehr Bewegung im Mittelfeld nötig um die Verteidigung zu bewegen.

Ralf Fährmann

Ich habe vor knapp 2 Jahren hier begründet, warum die Schalker Nummer 1 nicht in die Nationalmannschaft gehört. Seit dem hat er sich im Passspiel deutlich gebessert. Klar wird aus ihm kein Neuer mehr, aber wenn ein Innenverteidiger ihm den Ball zuspielt, dann bedeutet das nicht mehr automatisch Abschlag. Und auch wenn ihn Gegner unter Druck setzen, wird der Ball nicht immer lang ins Zentrum gedroschen.

Ralf Fährmann hat sich zu einem passablen Torspieler entwickelt und ist dabei in der Strafraumbeherrschung noch stärker geworden. Für Löw ist er zwar nach wie vor kein Kandidat, weil andere bessere Kombinationsfähigkeiten haben. Dass es zuletzt zu Gegentoren kam, die aus unglücklichem Verhalten resultierten stufe ich als nicht kritisch ein. Eine Torhüterentscheidung auf Grund von ein paar Einzelsituationen zu treffen oder treffen zu wollen, ist Haarsträubend. Die hier häufig gelobte starke Schalker Endverteidigung ist auch Fährmanns verdienst.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

10 Kommentare

Jörg Bochow · 13. Februar 2018 um 08:18

Es gab nach dem (relativ verdienten) 1-1 leider ein Phase, in der sich Schalke zu stark zurückzog. Da stand Schalke tiefer als zu Beginn beim 0-0.

War das Deiner Meinung nach eher ein mentales Problem (nach dem geschafften Ausgleich) oder ging das eher von den Bayern aus?

    Karsten

    Karsten · 13. Februar 2018 um 09:15

    Im Spiel gab es immer mal Phasen, in denen Schalke nicht ganz so hoch presste, und dann wieder mal höher. Ich glaube nicht, dass das etwas mit mentalen Problemen oder sonstwas zu tun hat, sondern eher mit Kräfteeinteilung. Je tiefer Du presst, desto weniger Energie verbraucht es.

Christian Weisz · 13. Februar 2018 um 09:56

Vielen Dank, Karsten. Mich beschäftigten einige Dinge. Das unwichtigste zuerst. Eine Torwartdiskussion ist fehl am Platz. Wenn Fährmann Konzentrationsprobleme hat, müssen die das intern klären. Wenn das einfach nur Pech ist, ist es halt so.
Zweitens: Ich habe mich im Verlaufe der Rückrunde gefragt, wo das aggressive Pressing der ersten Spiele geblieben ist. Damit hatten wir zuhause Leipzig geschlagen. Jetzt war es wieder da. Kannst Du mir erläutern, ob das bewusst zurück gefahren wurde. Oder macht das nur Sinn gegen eine bestimmte gegnerische Spielweise (s. o.)?
Ich hatte ja schon intern rumgestänkert, dass mir das 1:0 Rätsel aufgibt. Bayern zieht in seinem ersten strukturierten Angriff ein Passpiel auf der Seite auf, zieht alle relevanten Gegenspieler auf die Seite, das Zentrum ist verwaist und mit ein bisschen TickiTacka und Glück fällt das Tor. Auf ähnliche Art und Weisen haben die Schwarz-Gelben in den letzten Jahren gegen uns gespielt (v.a. unter Tuchel). Ich verstehe, dass sauberes Doppelpassspiel nicht leicht zu verteidigen ist, weil der Verteidiger immer entscheiden muss, ob er drauf geht oder wegbleibt und Wegbleiben gegen Ribery und James heisst auch Gefahr. Wenn dieses offensive Werkzeug aber so gefährlich ist, warum verwenden wir es dann nicht? Das sah arg nach „vorgeführt werden“ aus, woher kommt dieser enorme Qualitätsunterschied Deiner Meinung nach? Aus der individuellen Klasse der Einzelspieler? Fragen über Fragen….

    Karsten

    Karsten · 14. Februar 2018 um 16:13

    Ich glaube in den meisten dieser Situationen war Schalke in Unterzahl. Doppelpässe sind mit Zonenverteidigung in gleich oder überzahl recht gut zu verteidigen. In (wahrgenommener) Unterzahl ist das halt anders, da läufst du dann eher dem Ball hinterher. Und das ist ja genau das Problem dabei.

    Aber so wie Du das beschreibst ist mir das noch nie aufgefallen. Ich versuche mal drauf zu achten.

Flo Kno · 13. Februar 2018 um 21:43

Sehr coole Grafik! Woher hast du die Daten?

    Karsten

    Karsten · 14. Februar 2018 um 16:09

    Ich hab eigentlich alle Daten hier von whoscored.com.

      Rjonathan · 21. Februar 2018 um 16:19

      Von Hand oder geparsed? 🙂

Maruca · 17. Februar 2018 um 07:00

Herzlichen Grüßen Carsten , mehrere den letzten Spiele konnte nicht und wollte nicht in irgendwelche Kneipe verfolgen wegen Gesundheitliches und Familiäres , nur Radio und oder Videotext manchmal. Alles hier oben habe noch nicht gelesen , ist zu früh ,kann nicht weiter schlafen und meine Frau ist schon zum Schicht in Krankenhaus weg. Später schaue mir alles hier oben! Seit Mackennie auf der Bank war und sich verletzte ,haben wir nur mit eine Defensive Mittelfeldspieler ,Stambouli oder Kehrer oder mit den 3 ,Schöpf, Meyer und Goretzka , meistens die Punkte verschenkt ,gegen den schwierige und halbschwierige Gegner zu Hause oder Auswärts. Für mich ist Stambouli irgendwann Defensiv überfordert ,oder Kehrer. Der Gegner schießt auch in die Verlängerung ein ,oder mehr Tore als wir . Ist eine , von uns selber Konstruierte Problem auch . Seit Kehrer ,sich geweigert hat zu unterschreiben , wird der nur in die Defensive als Ersatz vorgesehen ,oder eben als alleinige Defensive Mittelfeld . Kehrer sollte Meistens mit Stambouli in der Mitte spielen . Der ist , Sechster oder Achter ursprünglich und kann was mit der Ball ,wie Tödliche Passe in die Tiefe , alle wissen das nicht mehr , Schöpf mit seinen zweite BL ,mittelmassige Fähigkeiten ( Spezi Alaba Flanken , erlaubt ,Bayern Tor, manche behaupten Verletzung zurück geworfen) und zusammen mit den ,ewigen Memme Meyer ( schon wieder unverständliche Hype) und eine Goretzka , das nie stark Defensiv stark gewesen war hat uns Unmenge Punktverluste . Tedesco ist von meine Geburtsgegend ,aber leider für mich noch Grün! Mackennie war kein wunder , wie gegen BVB , aber auch mit unsere schwächere Spielzuge , auf der linke und rechte Außenbahn , wegen keine Spezialisten mehr wie früher , konnten wir mindestens mehr Punkte aufsammeln .Mackennie hat mindestens Defensiv gekämpft , Kehrer oder Stambouli geholfen . Meyer und Leon bleiben wieder, ab und zu stehen , und dann ist genau an diese Moment für Schalke nichts mehr zu holen! Ich werde , denke ich nie wieder welche Beitrag schreiben ! Glückauf ,von eine ein teilweise ,auch zu Rheinland , gehörende Mitmensch!

Schalker Sieg im Umstellungsfestival. Bayer 04 Leverkusen – FC Schalke 04, 0:2 – Halbfeldflanke · 26. Februar 2018 um 14:20

[…] Leverkusen setzte Schalke erneut auf den Dreiersturm, wobei Di Santo wieder wie gegen Bayern als Zehner vor zwei Sechsern agierte, ein 3-4-1-2. Die Defensivformation war darum etwas […]

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