Oft wird drüber gesprochen, aber irgendwie immer von etwas anderem Überschattet. Ein kurzer Blick auf den Positionswechsel des Franco Di Santo.

Franco Di Santo

Stürmer werden an Toren gemessen. Das weiß jedes Kind. Bei Franco Di Santo war das seit seiner Ankunft auf Schalke irgendwie nie so. Jeder einzelne Trainer rechtfertigte seine Einsätze mit dem hohen Einsatz den er regelmäßig brachte. Das Publikum konnte das oft nicht nachvollziehen. Laufbereitschaft schön und gut, es geht ja aber ums Toreschießen. Zu seinen Einsätzen kam er trotzdem.

Das hat sich nicht geändert. Im Gegenteil. Domenico Tedesco setzt noch stärker als seine Vorgänger auf den Argentinier. Im Toreschießen ist er dabei kaum besser geworden. Warum also weiter auf den Stürmer Franco Di Santo bauen? Schon vor ein paar Monaten hat Jakob an dieser Stelle eine Spieler-Analyse verfasst.

Di Santo der Pressingspieler?

Breitenreiter, Weinzierl und Tedesco haben wenig gemeinsam. Wie oft sie in Pressekonferenzen gelobt haben, wie laufstark Franco Di Santo sei, ist allerdings beständig hoch. Mit laufender Saison unter Tedesco wird Di Santo im Pressing immer stärker. Nach wie vor fehlt es ihm an Gefühl für seine Mitstreiter. Dafür ist er ziemlich gut darin die gegnerische Defensive zu verstehen und zu wissen wer wann wie angelaufen werden muss. Sperrt die Mitte und entscheidet passend wann er wen und vor allem wie auf den Flügeln unterstützt. Im Pressing ist er daher meist der absolute Führungsspieler, der auch seine Mitspieler gern dirigiert. Von Physis und Einsatzfreude brauchen wir gar nicht reden.

Tedesco ist das Pressing fundamental wichtig. Das ganze Spiel beruht darauf. Wenn das Pressing nicht funktioniert, geht Schalke unter. Ein Spieler wie Di Santo ist darum extrem wertvoll. Nicht, dass es ohne ihn nicht funktionieren würde. Er macht es aber eben besser. Und darum ist er zur Zeit eher schwer im Kader zu ersetzen.

Di Santo der Stürmer?

Wo er allerdings ersetzbar ist, ist ganz vorne. Das Toreschießen liegt ihm nicht besonders möchte man gelegentlich meinen. Das ist ein Problem für Tedesco, weil er dann ja einem anderen Stürmer, der potenziell besser trifft, den Platz wegnimmt. Und weil Schalke mit dem Toreschießen generell ein paar Probleme hat, kann der Platz nicht einfach verschwendet werden.

Also wird er umgesetzt. Genauer: Tedesco zieht Di Santo in den letzten Spielen deutlich zurück. Aus einer nominellen Dreifachspitze (Burgstaller, Di Santo, Embolo) wurde meist eine Doppelspitze (Burgstaller, Embolo) mit hängendem Ballverteiler (Di Santo). Ich möchte den Begriff falsche 9 nicht benutzen, weil da irgendwie jeder etwas anderes drunter versteht, aber Di Santo gibt zuletzt meist offensiv einen beweglichen 10er und defensiv den höchsten Verteidiger.

Das Problem ist, das ihm nunmal nach wie vor ein bisschen das Gefühl für die Mitspieler fehlt. Er versucht den Ball an die Mitspieler zu bringen, mit hohem Risiko und Tempo. Entsprechend geht das noch häufig schief. Allerdings nimmt er eine starke Entwicklung. In den 3 Spielen, in denen es diese Verbindung gab, sah seine Passstatistik wie folgt aus:

GegnerPässe gespieltPasserfolgsquote
Bayern2673%
Hoffenheim2065%
Leverkusen1580%

Wie geht’s weiter?

Embolo hat nach wie vor ein paar Probleme im Pressing, ist als Stürmer aber relativ (!) stark. Di Santo hat starke Probleme als Stürmer, ist im Pressing aber ziemlich stark. Und solange nicht bei jedem Ballverlust und –gewinn gewechselt werden kann, ist die Hoffnung, dass beide besser werden. Das mit dem Bälleverteilen klappte in Leverkusen schon recht gut. Warten wir ab, ob es und damit er, sich weiter steigert.

Fun Fact

Jahrelang gab es keine 10er Position auf Schalke und niemand wusste so recht wohin mit Max Meyer. Jetzt hat sich dieser auf der 6 unersetzlich gemacht, da stampft Tedesco eine 10er Rolle im System aus dem Boden und hat keinen besseren als Franco Di Santo. Isn’t it ironic…

Übrigens: Zu Max Meyer gibt’s hier nächste Woche mehr.

Kategorien: Spiel & Spieler

Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

4 Kommentare

ES · 1. März 2018 um 14:32

Sehr schön! Zur Ironie: Es zeigt, dass Tedesco nicht in traditionellen Schemata denkt. Er denkt nicht: Oh, wir brauchen eine Zehner und zur Stellenbeschreibung gehört der technisch geniale Zauberer mit dem feinen Fuß und den Blick für das Gesamtspiel. Sondern eher so (ich maße mir jetzt mal spekulativ an zu wissen, was er denkt, was natürlich absurd ist): Wie finde ich bei gegebenem Spielermaterial die ideale Organisation, um einen guten Plan für uns und gegen genau den Gegner zu haben? Und wenn dann dabei herauskommt, dass di Santo auf der 10 steht und Meyer auf der 6, dann ist das so. Warten wir mal die nächsten Spiele ab. Tedesco hat das jetzt mit Erfolg gegen spielstarke Mannschaften ausprobiert, also bei solchen, bei denen das Zerstören des gegnerischen Spiels (also die Stärke di Santos) der wichtigere Aspekt ist. Ich wette jetzt mal, das werden wir im Spiel gegen die Hertha nicht sehen, die von der Anlage her lieber den Gegner machen lässt (die geben den Ball schon freiwillig her, da braucht man kein di-Santo-Pressing). Umgekehrt brauchen wir vorne Spieler, die den Riegel knacken können, Gefahr in engen Räumen ausstrahlen etc, also Harit, Pjaca, auch einen starken Embolo. Ich wette, di Santo sitzt auf der Bank.

Butz04 · 1. März 2018 um 15:34

Angenehm übersichtlicher Beitrag!
Ist euch die Umschreibung „Todeszehner“ bekannt? Ich meine ihn mal im Kontext H96 gehört zu haben, da wurde die Rolle von Felix Klaus und seine Fokussierung auf den gegenerischen 6er beschrieben. Fande ich eigentlich ein ganz nette Idee, da sich die Rolle hauptsächlich im Spiel gegen den Ball definiert. (Ging hier aber glaube auch mehr um ein recht klare „Manndeckung“ beispielweise von Weigl unter Bosz)
Dem Ausblick von „ES“ kann ich auch folgen, das Programm der nächsten Wochen lässt wie in der Hinrunde, eine Anpassung der Ausrichtung vermuten. Da scheint das „Thema“ Max Meyer sehr vorausschauend gewählt 😉

ES · 1. März 2018 um 16:52

So was wäre zum Beispiel geil: Schalke führt gegen einen nicht so spielstarken Gegner 2:0 durch ein Tor von Pjaca und einen Elfmeter nach Foul an Harit. Der Gegner muss jetzt was machen, ist plötzlich um Spielaufbau und Spielkontrolle bemüht. Dann wird der frische Spielverderber di Santo als 10er eingewechselt und zieht dem Gegner den Zahn im Spielaufbau. Die Folge: Der Ball bleibt in der gegnerischen Hälfte, es folgen lediglich hohe Bälle auf Naldo und große Lücken für Konter, die Schalke mal ordentlich und konsequent zu Ende bringt.

Carlito · 3. März 2018 um 08:36

Sehr schöner Beitrag! Mir gefällt einfach die pragmatische, aber dabei extrem lösungsorientierte Herangehensweise von Tedesco. Hat er Spieler mit von ihm benötigten Stärken, schafft er einfach Positionen, Mittel und Wege, diese gewinnbringend fürs Team aufstellen zu können.

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