Die Meister. Die Besten. Les grandes équipes. The champions. Bei uns inne Arena. In Form von Porto. Der Portugiesische Meister kommt zu Besuch. Und irgendwie wirkte es trotzdem wie ein Spiel aus der Bundesliga Rückrunde.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

FC Portwein

Die Gäste aus Portugal kamen in einer 4-1-4-1 in die Arena. Ansonsten spielte Porto eigentlich sehr, wie es aus der Bundesliga bekannt ist: Mit intensivem Pressing und auf den Umschaltmoment bedacht.

Mourinho hat mit Porto ja seinen Fußball definiert und so die Champions League gewonnen (hab vergessen wo das Finale nochmal war). Der Mourinho Fußball hat da also seinen Ursprung. Und auch wenn ich nicht viel über das Team weiß, so sah es so aus, als wäre Mourinho noch nicht lange weg. Porto presste im Mittelfeld und intensiv. Bei Ballgewinn versuchten sie schnell umzuschalten und sich Richtung Strafraum durchzutanken.

Also genauso wie das Gros der Bundesliga.

Allerdings, und das haben sie der hiesigen Liga voraus, konnten sie den Ball auch mal zirkulieren lassen. So kamen sie auf 60% Ballbesitz, konnten damit aber noch weniger anfangen als Schalke. Auch presste Porto recht hoch, so dass sich zu weiten Teilen ein Kampf um den Ball rund um den Mittelkreis ergab.

Pilsbier 04

Nach vielen Systemwechseln in den letzten Spielen auf der Suche nach mehr Stabilität kehrte Tedesco schon in Gladbach zurück zum 5-1-2-2 mit dem Schalke in der Vorsaison viele Spiele erfolgreich beendet hat. Die Idee dahinter war schnell hinter die Linien von Porto zu kommen und dabei möglichst viele Spieler mitzunehmen. Die Doppel-8, McKennie und Serdar, machte dabei einen starken Job. Insgesamt legte das Mittelfeld eine ziemlich gute Partie hin. Bentaleb als Anker-6er sah zu Bälle zu gewinnen und so schnell wie möglich und so weit wie möglich nach vorne zu bringen. Dabei machte er einige Meter und unterstützte die Defensive bis auf die Flügel.

Das Pressing war interessanter Weise recht Passiv. Das haben wir in den letzten Spielen schon gesehen, darum vermute ich ein bisschen Strategie dahinter. Die Gegner werden angelaufen, aber nicht wirklich attackiert. So wird ein bisschen Energie gespart. Der Rest der Mannschaft stellt die Passoptionen zu, so dass der Ballführende zwar etwas Zeit hat, aber eigentlich keine Möglichkeiten. Das gefährliche bei sowas ist allerdings immer, dass mit mehr Zeit sich auch mehr Möglichkeiten eröffnen. Der Spieler kann nachdenken und kreativ werden. Beides ist eigentlich nicht so prima. Ich vermute, dass dies über kurz oder lang abgestellt wird und Schalke wieder aggressiver auf den Spieler gehen wird.

Pressing Entwicklung

Ansonsten wird das Pressing aber immer stabiler. Sané dominiert die defensive mit einem unfassbar großen Aktionsradius und einer Bewegungsfreude, da kann Naldo meist nur hinterher gucken. Die beiden Ergänzen sich da immer besser. Eins der Probleme mit der Defensive ist in meinen Augen, dass Schalkes Pressing sich noch daran gewöhnen muss, dass Sané so viel Dynamik mitbringt.

Dass wir uns nicht falsch verstehen, Sané ist eine unfassbare Bereicherung. Das Pressing kann durch ihn noch aggressiver und mit noch mehr Druck und über größere Räume funktionieren. Dafür muss es halt nur neu justiert werden. Und sowas dauert leider ein bisschen. Von Spiel zu Spiel funktioniert das aber jetzt immer besser.

Schalke macht das Zentrum dicht

Davor wird mächtig verschoben. Der 6er so ziemlich über die komplette Spielfeldbreite, die 8er ebenfalls. Alles sehr konsequent und mit viel Einsatz, und so war das Mittelfeld dicht. Porto probierte es zwar immer mal wieder durch die Mitte wurde aber recht schnell auf die Flügel gedrängt, wo sie sich festspielten. Schalke verschob so schnell und gut, dass Porto spätestens ab dem Mittelkreis praktisch nie in Überzahlsituationen kam.

Gleichzeitig waren so natürlich bei Ballgewinn immer genügend Spieler in anspielbarer Nähe um den Ball schnell nach vorne zu bringen. Meist wurde diagonal der gegenüberliegende Halbraum angepeilt. Denn bei Ballgewinn ging es meist recht schnell und sehr steil.

Kick and Rush

Die Doppelspitze versuchte Bälle anzunehmen, zu behaupten und irgendwie in die gefährliche Zone zu kommen. Im Pressing versuchte sich eine der Spitzen (meist der ballnahe) zu involvieren, während die andere sich bereits ins Zentrum orientierte. Der Ballferne Flügelspieler stand meist deutlich höher, so dass bei Ballgewinn schnell in ruhigere Zonen verlagert werden und sich alles nach vorne orientieren konnte.

Tatsächlich wurde sehr schnell der lange Ball ausgepackt. Es wurde immer wieder versucht das Gegenpressing und die erste Pressinglinie (zum Teil auch die ersten beiden) zu überspielen. Dabei half auch die Staffelung. Schalke gewann nahezu jeden zweiten Ball im Spiel. Und so konnte der Ball dann mit viel Willen weiter nach vorne gebracht werden. Das Tor entstand genauso.

Portos Pressing war zwar stark, doch immer wieder schaffte es Schalke sich da durch zu wuseln. Für sich genommen ist das schon weit mehr als nur ein Hoffnungsschimmer. Das Problem war dann allerdings oft, dass Schalke nicht so recht in den Strafraum kam. Etwa die Hälfte der abgegebenen Schüsse kamen von Außerhalb, typisch für Schalke der letzten Saison waren etwa ein Viertel.

Das Grundproblem bleibt allerdings weiterhin, dass Schalke Probleme hat Tore zu schießen. Im Westen nix neues. Der starke Fokus am Raum, wo der Rest in Deutschland sich sehr auf Mannorientierung stürzt, und die Verpflichtung von Rudy lässt jedoch auf einen Plan schließen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Wo steht Schalke jetzt?

3 Niederlagen in Folge. Und jetzt unglücklich unentschieden. Oje, oje. In der Rückrunde wurden viele Spiele mit Glück gewonnen, das fehlt gerade. Das Spiel als solches sieht wirkt aber immer besser. Die Defensive Stabilität kommt so langsam wieder zum Tragen und die Bewegungen im Mittelfeld wirken auch immer mehr wie aus einem Guss.

Schalke spielt Unentschieden in der Champions League gegen das stärkste Team der (zugegeben eher schwachen) Gruppe, wobei der Gegner glücklich zum Ausgleich kommt, und anschließend 20 Minuten lang versucht mit Zeitspiel, taktischen Fouls und anderen Nick­lig­keiten das Remis irgendwie über die Zeit zu retten. Schalke selbst vergibt ein paar halbgute Gelegenheiten. Solche Spiele gingen in der Rückrunde immer 1:0 für Königsblau aus. Ein Spiel wie aus der Liga eben.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

2 Kommentare

andres · 20. September 2018 um 08:49

ah, schön, dass der Bericht so schnell kommt (obwohl Du doch zunächst nur die Konferenz gesehen hattest)
Und ich bin froh, dass ich mit meiner Sicht, dann doch nicht so falsch lag. Leider scheint die allgemeine Stimmung da eher kritisch zu sein. Was angesichts des anstehenden gegners natürlich auch nicht unverständlich ist.
Esist beim Zuschauen auch irgendwie komisch, weil man das Mittelfeld so schlecht verorten kann, wodurch die Abstände so gross wirken. Die weiten Bälle tuen dann ein Übriges und ich wäre froh, wenn sich mehr andere Optionen ergäben.
Was mir aber Kopfschmerzen bereitet, ist die Schwäche bei Standards, sowohl vorne wie hinten.
Bezeichnend fand ich da zB den kurzen Freistoss von Porto – wie brandgefährlich der wurde, einfach weil es eben keine Standard Ausführung war.
Andererseits scheint Embolo wieder in Fahrt zu kommen. Ich gönne ihm die Erfolgserlebnisse von Herzen. Toller Einsatz

Christian Weisz · 25. September 2018 um 12:33

Was genau ist nochmal der “Anker-6er?” Ich habe letztes Semester nicht aufgepasst, kannst Du das nochmal kurz für mich wiederholen? Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.