Eintracht Frankfurt und Schalke 04 haben viele Gemeinsamkeiten. In dieser umkämpften Partie neutralisierten sie sich so meist. Besonders hatten sie aber eins gemein, beide wollten keinen Fußball spielen.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Ein paar Zahlen vorab…

Domenico Tedesco spricht sehr häufig von Körperlichkeit. Das wirkt sich natürlich auf das Spiel aus. Schalke begeht durchschnittlich 16,5 Fouls pro Spiel in der Bundesliga diese Saison. Die meisten der Liga. Auf Platz zwei mit 16,1 Fouls direkt dahinter: Eintracht Frankfurt. Die drei mit den wenigsten Fouls sind übrigens die beiden Borussias aus Dortmund (12 Fouls pro Spiel), Mönchengladbach (11,8) und die Bayern (10,7).

Der Grund dafür ist das aggressive Pressing, das beide Teams spielen. Der Gegner soll jeweils massiv unter Druck gesetzt werden, mit Höchstgeschwindigkeit. Da passieren Fouls. Frankfurt hat die meisten gelben Karten der Liga (67), Schalke ist auf Platz 4 (59), beide dazu eine rote Karte. Dabei hat das ganze relativ wenig zu tun mit den tatsächlichen Zweikämpfen. Schalke gewinnt nur knapp jeden zweiten (Platz 5 im Ligavergleich mit 50,77%) und Frankfurt ein Stück weniger (15, 48,97%)

Ballbesitz wollen beide Teams nicht. Schalkes Liga-Durchschnitt liegt bei 48,7%, den nächst höheren Wert und damit auf Platz 8 im Liga-Vergleich hat Frankfurt mit 49,1%. Es soll gekontert werden. Stichwort Umschaltmoment. Ein gutes Indiz dafür ist immer die Passerfolgsquote. Bei Schalke, die zwischendurch ja sogar auf dem Weg zu einer Ballbesitz-Mannschaft waren, liegt der Wert jetzt sogar unter 80%, Platz 6. Frankfurt, die im Spielstil ja beständiger waren, belegen Platz 13 mit nur knapp mehr als 75%.

All das sind Werte, die mich erstens grübeln lassen, wie groß die Not bei den Bayern gewesen sein muss diesen Trainer zu verpflichten. Zweitens aber, und das ist für diesen Text interessanter, war klar, was für ein Spiel dabei herausfallen würde. Beide Teams wollen eher Fußball verhindern als spielen. Die Frage war also, welches von beiden ist besser darin. Auf die Mentalität zu bauen, die beim Derby noch Sieggarant war, würde hier zumindest nicht weit bringen.

Noch ein Wort zum Schiedsrichter und VAR

Selbstverständlich böte das Thema Schiedsrichter und dessen Video Assistenz genügend Stoff für weitreichende Diskussionen. Wie immer, werde ich mich dieser aber nicht annehmen. Es geht hier um das Spiel der Mannschaften. Und auch wenn Entscheidungen der Offiziellen das Spiel selbstverständlich beeinflussen, so werden diese hier von mir nicht erörtert. Ihr seid aber natürlich herzlich eingeladen, das in den Kommentaren selbst zu tun.

Frankfurter

Die Frankfurter kamen im 5-2-2-1 auf den Platz. In der ersten Halbzeit schoben die Flügelspieler Willems und Wolf zur zaghaft auf. Kevin Prince Boateng war so halb-rechts positioniert, zog aber viel ins Zentrum und spielte eher wie ein echter 10er. Fabián, sein Gegenpart auf links, war eher im Halbraum und Richtung Flügel aktiv.

Bei gegnerischen Angriffen zog sich die Eintracht stark zusammen. Bei Angriffen der Schalker entstanden so gelegentlich 3 gegen 7 Überzahlsituationen im und am eigenen Strafraum. Das wirkte natürlich brenzlig, konnte aber so letztlich immer souverän entschärft werden.

Böcklunder

Schalke spielte wieder im 3-1-4-2, mit Bentaleb vor der Abwehr. Alles genau wie beim Dortmund-Spiel vor wenigen Tagen, nur dass Pjaca für Konoplyanka spielte. Zumindest eine Halbzeitlang. Nach dem Seitenwechsel wurde das wieder ausgeglichen.

Die Königsblauen pressten hoch. Viel höher als zuletzt. Die Partie in Hamburg hat hier deutliche Spuren hinterlassen. Sehr gut, die Lektion wurde gelernt. Schalke also sehr hoch und intensiv. Schnürrte Frankfurt in der eigenen Hälfte fest, nur sehr selten schafften sie es mit Ball in die Schalker Hälfte. Gleichzeitig gewann Schalke aber nicht so oft den Ball, wie sie es gern hätten. 40% Ballbesitz standen zur Halbzeit auf der Schalker Seite.

Bei Ballgewinn wurde versucht sich schnell nach vorne durch zu kombinieren. Die eigene Deckung hatte aber Priorität und so wurden Angriffe meist nur mit 2 oder 3 Spielern vorgetragen. So geriet Schalke in oben genannte Unterzahlsituationen, generierte ein paar Halbchancen, aber mehr auch nicht. Gleichzeitig pressten die Frankfurter auch intensiv, so dass der Ball dann schnell wieder verloren wurde.

Leichte Anpassungen

Darum zog sich Schalke nach etwa 25 Minuten etwas zurück. Der Matchplan sah wohl ein frühes Tor vor. Dadurch wirkte es, als komme Frankfurt jetzt besser ins Spiel, tatsächlich verbissen sich jetzt beide Teams ineinander rund um den Mittelkreis. Es wurde so oft die Verteidiger hoch und runter gespielt, bis einer von denen die Geduld verlor und einen langen Ball in die Spitze versuchte. Interessanter Weise war das bei beiden Mannschaften meist der rechte Halbverteidiger (Russ, Stambouli).

Wie die Zahlen ankündigten, keines der Teams wollte den Ball halten, beide wollten schnell auf’s Tor schießen, hinderten sich aber jeweils erfolgreich daran. Insgesamt gelang das Schalke besser als Frankfurt, aber trotzdem nicht wirklich Erfolgsversprechend.

Nach der Pause

In der zweiten Halbzeit wollten beide Teams mehr nach vorne machen, das war deutlich. Frankfurt drückte jetzt insgesamt höher. Besonders die Flügelspieler, in der ersten Halbzeit noch recht nah an den jeweiligen Halbverteidigern, schoben jetzt deutlich höher zu einem klaren 3-4-2-1. Bei den Blauen das gleiche Bild, alle etwas höher und bei Angriffen gingen jetzt ein oder zwei Spieler mehr mit nach vorne.

Am Gesamtkunstwerk änderte das aber lange trotzdem nicht viel. Die Teams spielten sich aneinander fest. Hüben wie drüben viel zu viele weite Bälle um das Mittelfeld zu überbrücken (die natürlich Erfolgslos waren). Und immer mal wieder sprang der Ball hin und her, wie beim Flippern. Das Ergebnis, wenn Mannorientierungen gut ausgespielt werden.

Insgesamt kam Frankfurt stärker über die Flügel, Schalke machte sich im Halbraum breit. Es wurde viel verlagert und eben gern mit weiten Diagonalbällen. Vertikaler versuchten beide, richtig mehr Strafraumsituationen gab es dennoch nicht.

ab der 60. Spielminute

Um die 60. oder 65. Spielminute packte Schalke ein völlig neues Mittel gegen Mannorientierungen aus: Dribblings. Da alle Anspielstationen gedeckt wurden, die Spieler aber weit verteilt standen, musst der Ballführende nur an einem Gegenspieler vorbei und hatte viel Raum vor sich. Das nutzte Schalke. Caligiuri, Goretzka, Harit und Schöpf haben die Technik und Geschwindigkeit für sowas und trugen mit schlichter Regelmäßigkeit den Ball Richtung gegnerischen Strafraum.

Das hatte zur Folge, dass die Eintracht Verteidiger ihre Ballorientierungen lösen mussten um den Ballführenden zu stoppen. So wurden Anspielstationen frei und es ergaben sich gute Torchancen, die aber allesamt vergeben wurden. Obwohl beide Teams 9 Torschüsse abgegeben haben, würde ich behaupten, dass der xG Wert für Schalke deutlich höher ausfällt, also die statistisch zu erwartetende Torzahl. Leider fehlt mir dafür die Datenbasis.

Tor in der 75. Minute

Foulspiel an Konoplyanka, Ecke, Foulspiel an Stambouli, Ecke, Tor. Damit war das Spiel eigentlich vorbei. Frankfurt zog sich zurück. Kurz darauf waren sie sogar nur noch einer weniger und positionierten sich im 5-4-0 rund um den eigenen Strafraum.

Schalke bringt Teuchert für Kehrer und spielt mit einer 4er Kette. Nominell zumindest. De Facto bleiben nur noch 2 Verteidiger zur Absicherung zurück. Aber auch nicht lange, weil Schalke alles nach vorne wirft und den Ausgleich in der regulären Spielzeit erzwingen möchte. Naldo geht dann auch nach vorn und Stambouli bleibt allein zurück. Bei Ecken sind dann alle 11 Schalker im Frankfurter Drittel.

Nutzt alles nix. Trotz ein paar Torchancen, mauern können die Frankfurter. Schalke verliert und fährt doch nicht nach Berlin.

Das Grundproblem…

… war nicht der Schiedsrichter. Es gab einiges an Torchancen, die Verwertung derer wäre eins der Probleme. Und dann könnten wir noch das Fass aufmachen, dass Schalke den Fokus auf das Spiel gegen den Ball legt. Ein bisschen mehr Wille zu Kombination hätte hier von Erfolg gekrönt werden können, Ansätze zu Spielbeginn und im Laufe der zweiten Halbzeit waren Aussichtsreich. Aber den Weg geht Tedesco zurzeit nicht. Vielleicht ja in der nächsten Saison, vielleicht bringt er uns im Sommer das Fußballspielen bei.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

12 Kommentare

Sven · 19. April 2018 um 17:49

Sehr gute Analyse. In den meisten Punkten stimme ich Dir zu.

Das Schalke zurzeit ein schwaches Offensivspiel hat, ist bekannt. Wichtig war, dass Tedesco ein Abwehrbollwerk erschaffen hat. In der kommenden Saison glaub ich, dass er auf diesem aufbaut und Kontorsituationen und das Ballbesitzspiel perfektioniert.

Nichtsdestotrotz war es eine sehr bittere Niederlage bei der sehr viel Pech dabei war. Schalke hatte qualitativ hochwertigere Chancen, die sie nicht genutzt haben.

Ich freue mich jetzt schon auf die kommende Saison, denn dann wird Schalke auch im Offensivsspiel 3 Schritte nach vorne machen.

P.S. Vergleich vom Kommentator gegen Berlin: Atlético hat auch so begonnen- ich bin gespannt

Rheinlandschalk · 19. April 2018 um 18:29

Kleine Korrektur: Stambouli war unser rechter Halbverteidiger, wenn mich nicht alles täuscht 😉

Bittere Pille, das Spiel. Kono schien mir im Dribbling deutlich erfolgsstabiler als seine Mitspieler – vielleicht hätte er früher kommen sollen. Caligiuri wirkt auf rechts auch offensivstärker. Aber das sind Details.

Grundsätzlich werden wir gegen „eklige“ Gegner wie Frankfurt wohl nur mit einer kompletten Umstellung des Offensivspiels und evtl. noch 1-2 Tempodribblern im Kader besser aussehen. Hoffen wir das das ähnlich geartete Restprogramm (Köln, Frankfurt…) uns nicht noch die CL verbaut und dann sieht’s vielleicht nächste Saison schon anders aus.

    Karsten

    Karsten · 19. April 2018 um 19:17

    Oh, Mist, ja, selbstverständlich spielt Stambouli auf rechts. Russ auch. Habe ich korrigiert. Vielen Dank!

    Roland · 19. April 2018 um 23:21

    Ein „Detail“ hat mich aber gestern sehr beschäftigt. Was sollte der Seitenwechsel von Caligiuri? Gibt es dafür eine nachvollziehbare Begründung? Gegen Schwarz-Gelb hat die offensiv aufgeladene linke Seite mit Harit, Schöpf und Kono doch gut geklappt. Caligiuri hat auf der rechten Seite deutlich mehr Dynamik gezeigt und nicht umsonst das 1:0 maßgeblich eingeleitet. Schöpf wirkt auf mich zudem im Moment etwas „überspielt“. Ballgewinne nach hinten sind ja ne prima Sache, aber in der Vorwärtsbewegung fehlt ihm doch irgendwie die Durchschlagskraft.

ES · 19. April 2018 um 19:11

Mit den Dribblings früher beginnen, das ist so eine Sache. Dribblings sind dann erfolgreicher, wenn der Gegner schon müde gespielt ist, physisch und mental. Oder wenn der Gegner minimal selber aktiv wird und mehr Räume lässt. Harit hat gerade in der Angangsphase mal was versucht, die Frankfurter hatten dafür aber immer so viel defensive Ordnung, dass das nicht viel bewirkt hat. Daher kann es ja ein Teil des Matchplans sein, erst dann dribbelnd durchzustarten, wenn beim Gegner Müdigkeit einsetzt.

Dribblings alleine tun es auch nicht, da muss schon die richtige Anschlussaktion kommen. Doch genau da hapert es oft.

Christian Weisz · 20. April 2018 um 09:35

Mmh, ja, Es ist schon verwunderlich, wie wir alle dem Narrativ „Schalke kommt als hoher Favorit aus dem Derby und muss zuhause unsichere Frankfurter mit hohem Einsatz einfach wegputzen“ auf dem Leim gegangen sind. Die Eintracht ist ein sehr starker Gegner, das haben wir schon im Hinspiel gesehen, dass wir mit Glück nicht verloren haben. Hätten die nicht in Leverkusen verloren, wären sie in der Tabelle direkt hinter uns. Mich nervt wenig die indiskutable Schiedsrichterleistung, sondern, womit wir und das Team sich auseinandersetzen müssen: Mit Rechtfertigungen über angeblich schlechte fußballerische Leistungen. DT macht alles richtig. Er arbeitet hervorragend mit den Spielern und ihren Fähigkeiten und macht jeden besser (Selbst di Santo hat ein schönes Tor geschossen! !!1 !!). Jo hat an anderer Stelle ein vollkommen richtiges Argument gemacht: Wenn unsere Nationalmannschaft genauso taktisch angemessen und abgesichert Spiele gewinnt, wird sie dafür gefeiert, nur bei S04 ist natürlich alles unverdient. Da krieg ich einen Hals. Zum Spiel. Das einzige, was nicht gut funktioniert hat, war Pjaca in der ersten Halbzeit. Hier hat sich DT eventuell mehr spielerische Lösungen und Ballbehauptung erhofft. Die daraus resultierende Durchschlagskraft hat in der Tat gefehlt. Und etwas fantasielos fand ich die Einwechslungen am Ende: Statt vier Stürmer auf den Platz zu stellen, hätte MM7 dem Offensivspiel gut getan, den der war ja mal genau das: Eine offensive Kreativkraft, die ein 1gegen1 gewinnen und einen entscheidenden Pass spielen kann. Der Max hat jetzt auch einen Hals, vermute ich. Egal, Mund abbutze, Läbbe geht weider.

Eisenschleuder · 20. April 2018 um 10:34

Ich stimme da voll zu. Offensiv etwas mehr auf dem Kasten zu haben (z.B. abgestimmte Laufwege in der Offensive oder auch mal Ideen für eher statische Ballbesitz-Situationen) würde der Mannschaft erheblich weiterhelfen. Sich auch in dieser Hinsicht fortzuentwickeln, kann man der Mannschaft und DT nur wünschen. Wenn man das zum Ausdruck bringt, schmälert das die Leistung von Mannschaft und Trainer in dieser Saison um kein µ.
Danke für den aufschlussreichen Text, Karsten!

Kevin · 20. April 2018 um 19:38

Im Grunde hat uns, Frankfurt mit unseren ( die Saison sehr erfolgreichen) Mitteln geschlagen. Da uns das so oft zitierte spielglück gefehlt hat. Was wir die Saison schon sehr oft auf unserer Seite gehabt haben. Also mir persönlich ist der Einzug in die Champions League wichtiger als der ins Pokal Finale!!!!
Aus dem einfachen Grund, da ich glaube das dem Trainer, einfach spieler fehlen um offensiven Fussball spielen zu lassen. Mit dem Einnahmen lässt dich das eventuell korrigieren.
Deswegen freue ich mich schon auf nächste Saison.
MMn hat der Trainer, diese Saison, das bestmögliche herausgeholt.
Was mich beschäftigt: wird naldo nochmal so eine Saison spielen können ?
Da unser bollwerk von Abwehr mit dieser Personalie steht und fällt.

Zeitspieler · 21. April 2018 um 15:21

Salif Sanè ist defensiv genau so gut wie Naldo und auch bei Eckbällen und Freistößen sehr gefährlich. Nur beim Stellungsspiel und bei der Spielübersicht dürfte Naldo besser sein.

Renatomaruca · 21. April 2018 um 21:26

Mittelfeld (2 Arbeiter plus ein Künstler) hat DT zuletzt geändert in 2 Künstler plus in Arbeiter! Merkt keine?

Renatomaruca · 21. April 2018 um 21:29

Noch einmal wegen Müdigkeit …hat DT zuletzt geändert in 2 Künstler plus eine Arbeiter! Merkt keine?

Mehr Körperlichkeit als Fußball. FC Schalke 04 – SG Eintracht Frankfurt, 0:1 – Ploggo · 17. September 2018 um 11:07

[…] 17. September 2018PloggoHalbfeldflankeNo Comments […]

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