04 Tore in Dortmund zu schießen wird langsam zur Gewohnheit. Das heißt aber nicht, dass alles prima ist. Und das ist ja schon längst Gewohnheit.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Gelben

Im Favre-Typischen 4-2-3-1 bevölkern die Borussen gern Flügel und Halbräume. Fast immer mit 3 oder 4 Angreifern. Da wird dann viel gekreuzt und gedreht und nicht selten rennt plötzlich jemand mit Ball am Fuß Richtung Tor. Eigentlich würden sie gern schon früh mit ihrer Geschwindigkeit arbeiten, tiefsitzende Gegner machen aber einen Strich durch diese Rechnung.

Das Pressing der Dortmunder war sehr hoch. Schon im Moment des Abspiels des Torhüter wurden die Schalker angelaufen. Dabei deckte Dortmund das ganze Feld ab und Nübel hat fast nie abschlagen können, was zuletzt eigentlich der Standard war, sondern musste über die Verteidiger aufbauen.

Götze spielte als Spitze sehr beweglich. Wich viel aus, gern in den Halbraum. Aber immer auch mit Zug ins Zentrum. Das genial rausgespielte 1:0  zeigte, wie gut die Bewegungen aufeinander abgestimmt sind und wie klar Abläufe sind. Der Ball kommt über die rechte Seite, Sancho chipt den Ball durch ein Knäul an Verteidigern und Angreifer in den herauslaufenden Götze. Kopf, Tor.

Die Blauen

Seit Huub Stevens bei Schalke 04 mal wieder das Ruder übernommen hat, stimmen die Abstände im Pressing nicht mehr. Die Doppelspitze wurde außerdem weitestgehend von Defensivaufgaben befreit. Große Lücken, dazu noch einige Spieler die in der Liste der Liga schnellsten erst recht weit hinten auftauchen… Das sah nicht gut aus fürs Derby. Die pfeilschnellen Borussen nutzen am liebsten zu große Abstände zum eigenen Vorteil.

Da die Abstände also nicht stimmen, schaffte Stevens sie für dieses Spiel einfach ab. Das 5-3-2 formierte sich komplett in der eigenen Hälfte. Schalke stand so tief, dass gar kein Platz für Abstände war. Am deutlichsten fiel es bei Omar Mascarell auf. Der Stamm 6er fiel häufig durch haarsträubendes Positionsspiel auf. Er nutzte den verfügbaren Raum meist denkbar schlecht. Diesmal gab es keinen Raum zu nutzen. Damit kam er deutlich besser zurecht.

Und weil Dortmund schnell über die Flügel kommt, Schalke aber eher den Weg durchs Zentrum nach vorne suchen wollte, gab Stambouli den Zentralverteidiger und Sané ging nach rechts um auf Guerrero aufzupassen.

Von 1:0 zu 1:2

Schalke lag also durch ein wirklich tolles Tor hinten. Sancho wurde von einem Arschloch beworfen und kam wegen der Behandlung erst ein bisschen später. Direkt nach Anstoß im Gegenzug ein Angriff, Flanke, und etwas später dann schließlich ein Strafstoß. Es verging also praktisch gar keine Zeit für Schalke mental einzubrechen, vor dem Ausgleich. Statt dessen gab’s eine extra Motivationsspritze.

Und so ging es weiter wie es angefangen hat. Dortmund spielte von Flügel zu Flügel und versuchte irgendwie durchzukommen. Sobald ein Borusse hinter dem Mittelkreis am Ball war, wurde er aber von einem Schalker (meist dem Flügelspieler) gestellt. Ein weiterer eilte zur Unterstützung herbei und erst dann wurde der Dortmunder mit Ball in einen Zweikampf verwickelt. Damit sollte vermieden werden, dass der Stürmer plötzlich freien Weg zum Tor hat.

Dortmund versuchte es mit Geschwindigkeit. Zog sich zurück und versuchte Schalke herauszulocken. Nur um dann mit Vollgas zustechen zu wollen. Aber der königsblaue Betonblock hielt.

Die Dortmunder Verteidigung dagegen wirkte etwas nervös, sobald Schalke über die Mittellinie kam. So war die Ecke vor dem 1:2 eigentlich komplett unnötig. Und Sané verwandelt die erste Ecke. Effizient. Der Matchplan sah vor sich tief am und im Strafraum zu verbarrikadieren, und den Ball nach Umschaltmomenten schnell in die Spitze bringen. Das funktionierte recht gut. Bis zum 1:2 hatte Schalke nur etwa 90 Ballberührungen, 18,4% Ballbesitz, aber schon 3 Schüsse (davon 2 aufs Tor, beide drin).

Der Weg zum Doppel-Rot

Schalke war jetzt high. Das Pressing funktionierte recht gut, das Team bliebt ruhig aber intensiv. Dafür war bei den Borussen jetzt ein bisschen der Wurm drin. Abstimmungsfehler und generelle Unruhe. Viele Details, die nicht mehr zusammen passten. Aber trotzdem kamen sie zu ein paar brenzlichen Strafraumsituation. Die Knappen wurden dafür im Ballbesitz etwas mutiger und Ruhiger. Die Passerfolgsquote ging um paar Prozentpunkte hoch auf 71%.

Die zweite Halbzeit ging dann eigentlich so weiter. Dortmund kam aber mit mehr Intensität aus der Kabine. Sie gingen jetzt mehr ins Dribbling, wollten die Raumorientierungen und das Vermeiden von Zweikämpfen ohne Doppelungen ausnutzen und für Unruhe sorgen. Schalke seinerseits strahlte in den wenigen Ballbesitzphasen etwas mehr Ruhe aus. Es wurde ein sehr ruppiges Spiel, die Nerven lagen blank.

Zwischendurch stellte Favre dann noch um, löste die Doppel-6 auf und brachte Zielspieler und über-Joker Alcácer. Götze zog zurück auf die Doppel 8 mit Reus. Die Grundidee war natürlich, dass der 6er Raum sowieso eher verwaist ist und Witsel das auch alleine regeln kann, dafür aber mehr Personal nach vorne zu bringen.

Schlüsselfigur Marco Reus fand bis hierhin gar nicht ins Spiel, weil er sich ja gern zwischen Linien aufhält, es das aber gar nicht gab. Viel Frust und dann gab es eben zwei rote Karten für Dortmund innerhalb von 5 Minuten. Und dann auch noch ein Freistoßtor obendrauf.

9 gegen 11

Dortmund schien nicht so recht zu wissen, wie mit der Situation umzugehen. Zunächst spielten sie in einem 4-3-1 mit Raute, später nur mit 3er Kette. Zusätzlich war der frisch eingewechselte Alcácer natürlich der völlig falsche Spieler für die Situation.

Schalke also in krasser Überzahlsituation. Rudy kam für Caligiuri und ging auf die 8er Position von McKennie der dafür auf den Flügel rückte. Natürlich musste Schalke jetzt das Spiel machen. Das kann Schalke ja aber nicht. Eigentlich sollte das eine einfache Übung sein. Schalke sollte jetzt locker auf 80% Ballbesitz und ein paar aussichtsreiche Abschlusssituationen kommen können. Aber das funktionierte so gar nicht.

Abläufe, Bewegungen und Positionsspiel waren unfassbar schlecht. Stevens stellte wieder auf 4-4-2 mit Raute, indem Stambouli jetzt den 6er gab. Das Ballbesitzspiel klappte trotzdem nicht. Darum ging Schalke dazu über, sich wiederrum tief zu staffeln und den Ball in der eigenen Hälfte hin und her schieben zu wollen. Dortmund witterte so aber natürlich eine Gelegenheit, presste in Gleichzahl und kam tatsächlich zum Anschlusstreffer. Den Schalke dann aber wiederrum kurz danach konterte und, wie schon in der Vorsaison, 4 Tore in Dortmund schoss.

Derbysieger! Aber…

Der Bildungsauftrag von Halbfeldflanke besteht ja darin, auf die Euphoriebremse zu treten, wenn alle jubeln und die guten Aspekte herauszuheben, wenn alle frustriert sind. In der aktuellen Phase wird viel gemoppert, dabei ist nicht alles schlecht im Spiel der Schalker. Gleichzeitig sollte dieses Spiel nicht zu hoch gehängt werden.

Eigentlich hatte Schalke in dieser Saison fast nie Glück mit dem Spielverlauf, außer im Hinspiel gegen Manchester City. Immer ging irgendwas nicht auf oder etwas ging in die falsche Richtung. In diesem Spiel passte aber alles und Schalke wurde zum Effizienzmonster. Das ist großartig, darauf lässt sich aber schwer aufbauen.

In diesem Spiel hat Schalke auch sehr gut im Kollektiv verteidigt. Gleichzeitig standen die Knappen aber auch nur im Leipzig Spiel der Hinrunde dermaßen tief. Ich habe den Ansatz damals verteidigt und auch hier halte ich ihn für absolut gerechtfertigt. Es gibt aber nur 2-4 Teams in der Liga, gegen die Schalke so auftreten kann. Und eigentlich wird so ein Vorgehen auch nur selten mit einem Sieg belohnt, es geht halt eher darum nicht zu verlieren. Bzw. nicht unterzugehen.

4 Tore täuschen auch ein bisschen darüber hinweg, dass Schalke sich kaum Torchancen herausspielte und insgesamt auch nur 4 Torschüsse abgab. Nur 8 Schüsse insgesamt. Das beinhaltet eine halbe Stunde 9 gegen 11. Das ist bitter.

Wir bleiben in der Liga, weil…

Aber es gibt auch ein paar Lichtblicke. Das System Stevens kommt so langsam an. Konter werden immer besser ausgespielt, wenn wir uns die letzten Spiele so ansehen. Nicht mehr zu rotieren hat genau den erhofften Effekt. Das Team spielt sich ein und wird sicherer.

Interessanter Weise war besonders die 2:5 Niederlage der Vorwoche gegen Hoffenheim ein Lichtblick was den Fortschritt angeht. Schalke hat sich relativ viele Chancen erspielt. Die wurden zwar fahrlässig verschenkt, aber Chancen sind ja genau das was fehlte. Dazu schafft Schalke immer mehr Kontrolle über das Mittelfeld zu bekommen, die Umstellung zur 4er Kette und Raute hilft da. Und insgesamt macht der Wechsel zwischen 4er und 5er Kette Schalke ein bisschen unvorhersehbar.

Embolo kommt immer besser ins Spiel, Sané und Serdar wachsen über sich heraus und Caligiuri ist wieder die Bank die er in der letzten Saison war. Mit Augsburg und Stuttgart sind zwei der letzten 3 Gegner Tabellennachbarn. Schalke hat also alle Trümpfe in der Hand.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

14 Kommentare

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Matt · 28. April 2019 um 09:30

Hallo Karsten
Die Analyse trifft voll ins Schwarze. Bei aller (großer) Freude war es einfach nur ein sehr glücklicher Spielverlauf und viel Pech bzw. Dummheit der Dortmunder. Sehr erschrocken war ich das Dortmund mit 2 Spielern weniger fast noch ebenbürtig war. Auch hier verstehe ich wieder nicht warum das Trainerteam nicht bzw. nicht effektiv reagierte. Die Umstellung auf 4er Kette hatte auf die Spielausrichtung für mich keinen wahrnehmbaren Effekt. Ich persönlich hätte erwartet einen 3 Stürmer zu bringen und die offensiven Aussenbahnen zu besetzen. Dortmund hinten zu beschäftigen und das Spiel dadurch noch breiter zu machen. Im 11 gegen 9 konnte weiterhin (ausser das Embolo Tor) keine Torchance erspielt werden…sehr bedenklich. Da Stuttgart mit neuem Trainer und Elan auch gewonnen hat ist es auch noch nicht ganz durch. Beruhigt bin ich daher trotz des Derby Sieg weiterhin nicht. Aber eventuell ist die Mannschaft dadurch jetzt mental befreit.

Ich würde mich über einen Artikel freuen in dem du deine Meinung zu den Trainerkandidaten und der damit eventuell verbundenen zukünftigen Spielausrichtung verfassen würdest.
Danke und Gruß

    Karsten

    Karsten · 28. April 2019 um 11:31

    Hi Matt,
    An Spekulationen beteilige ich mich eigentlich nicht. Und zu so vielen Trainern hätte ich da auch gar nicht viel zu schreiben, weil es mir da an Einblicken fehlt, ich verfolge ja nicht alle Trainer und wie sie so arbeiten. Wenn wir aber jemanden haben, dann kannst du dir sicher sein, dass ich versuche da ein bisschen die Glaskugel zu bemühen. 😉

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Chris · 28. April 2019 um 10:19

Wer auch immer nächste Saison das Team sportlich verantwortet: Er MUSS ein Mentalitätsmonster sein. In dieser Mannschaft stimmt wenig, es gibt keine Automatismen, keine Basics, jeder will den Ball schnell wieder loswerden. Es ist nur Kampf und Rennen und Grätschen. Sportlich bin ich nicht glücklich mit der Leistung, aber es freut mich, dass sie sich endlich mal belohnt haben. Es ist ein sehr sympathisches Team, aber fußballerisch passt nichts zusammen, um selbst nur in der oberen Hälfte mitzuspielen.

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Daniel · 28. April 2019 um 11:08

Ist es eigentlich nicht ziemlich egal ob der Gegner beim Angriff im vorderen Drittel zu 11 ist und mit 3 Spielern absichert oder ob er zu 9 ist und nur 1 absichert? Das macht doch bei so guten einzelspielern im Angriff kaum einen Unterschied für die tor Vermeidung. Kann daher diese Kritik an dem Verhalten nach der Überzahl nicht nachvollziehen.
Es gab ja auch noch ne riesige Chance für burgstaller und Dortmund ist tatsächlich genau einmal für das Tor nach vorne gekommen.

    Karsten

    Karsten · 28. April 2019 um 12:00

    Der springende Punkt ist ja einfach, dass Du Überzahlsituationen herstellen kannst. Wenn jetzt vorne von denen nur noch einer statt dreien verteidigt, brauchst du ja nicht mehr mit drei oder vier Spielern aufbauen, sondern es genügt einer oder zwei. Der Rest kann alle anderen Bereiche Überladen. In Überzahl solltest du den Ball eigentlich nie verlieren und so letztlich in den Strafraum eindringen können.

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Daniel · 28. April 2019 um 11:14

Die dargestellte Torschuss Anzahl von 4 stimmt daher auch nicht, da du ja selbst anfangs einen Torschuss erwähnst und dann noch burgstaller ne chance hatte 😉 8:8 torschüsse steht bei kicker.
8 torschüsse selbst sind natürlich schwach, aber anderseits trotz mehr als 70 Minuten in Führung nicht mehr als 8 zuzulassen gegen den Tabellenzweiten ist schon außergewöhnlich stark.

    Karsten

    Karsten · 28. April 2019 um 11:40

    Hi Daniel, das ist das Problem mit den Torschuss Statistiken. Was ist ein Torschuss und was nicht? Auf WhoScored.com etwa (da habe ich meine Daten her) wird unterschieden zwischen einem Schuss und einem Schuss aufs Tor. Letzteres ist glaube ich immer dann der Fall, wenn der Ball ohne Keeper drin wäre. 3 Schüsse der Schalker waren am Tor vorbei und einer wurde geblockt.

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ES · 28. April 2019 um 17:07

Deshalb finde ich die Aussage von expected goals viel besser. Ein Schuss kann ja von aussichtslos weit weg abgegeben werden. Expected goals berücksichtigt die Wahrscheinlichkeit des Torerfolgs abhängig davon, von wo der Schuss abgegeben wurde. Nach expected goals hätte die Partie 1,10 zu 1.12 ausgehen müssen, also 1:1. Die Partie war also wesentlich torreicher als sie von den Chancen her hätte sein sollen. Das sagt viel über die Schwäche des BVB aus, der nicht in der Lage war gegen eine extrem tief stehende Mannschaft sich ernsthafte Chancen zu erspielen. Das sagt aber auch Einiges über die Chancenarmut der Schalker bei einer halben Stunde heftiger Überzahl.

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ES · 29. April 2019 um 07:36

Übrigens wird die Aussage Deines schönen Trainerwechsel-Artikels gerade wunderbar am Beispiel Schalke 04 illustriert. Der Wert für expected Goals relativ zur Tor- und Punkteausbeute geht in den letzten Wochen runter. d.h., die Ergebnisse sind unter Stevens besser als sie statistisch sein sollten. Stevens hat also deutlich mehr Glück als Tedesco (bei eigentlich schlechterer Leistung). Wenn das Glück nur noch ein bisschen so anhält, dann reicht es, um die benötigten Punkte für den Klassenerhalt einzufahren.

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    Dennis · 29. April 2019 um 10:48

    Na ja, was heißt eigentlich schlechtere Leistung? Wie Karsten schrieb, entwickeln wir in der Offensive mehr Durchschlagskraft. Das ist verdammt wichtig und womöglich nicht vollständig durch die taktische Linse zu erfassen. Oder anders herum: Ein gut organisiertes Pressing war eine von Tedescos Stärken, liefert aber an sich noch keine Punkte.

    Ich finde es ja auch schade, wie es mit Tedesco in dieser Saison gelaufen ist. Aber die Aussage, Stevens hätte lediglich mehr Glück, wird ihm meiner Meinung nach nicht gerecht.

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      ES · 29. April 2019 um 15:47

      Ich sehe nicht mehr Durchschlagskraft in der Offensive, aber dazu gleich. Zur schlechteren Leistung und zum Faktor Glück: Unter Tedesco hat sich die Mannschaft laut expected goals in 25 Spielen in aussichtsreiche Positionen gebracht und daraus auch geschossen, die statistisch zu 35,49 Toren hätten führen sollen. Das macht einen Schnitt pro Spiel von 1,4 Toren. Tatsächlich haben sie in den 25 Spielen 1,08 Tore geschossen, also 0,32 Tore pro Spiel weniger. Unter Stevens haben sie in 6 Spielen 9 Tore geschossen (Schnitt 1,5), hatten aber Chancen für 7,08 Tore (pro Spiel also 1,18 Tore). Expected goals zeigt über viele Jahre und viele Ligen, dass sich die Abweichungen der tatsächlichen von den „expected“ Toren auf lange Sicht nicht unterscheidet (es gibt wenige Ausnahmen). Die momentanen Abweichungen in einer Saison haben also sehr stark etwas mit Glück und Pech zu tun. Ich lese aus den Zahlen: Stevens hat in den Spielen deutlich weniger geleistet, aber deutlich mehr Glück gehabt. Wahrscheinlich kann man Ähnliches aus den Zahlen für die Tore gegen Schalke lesen, ich bin gerade nur zu faul, das auch auszurechnen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den 6 Spielen gegen Hannover, Nürnberg und eine halbe Stunde gegen 8 Dortmunder ging. Dafür ist die Chancenlage sehr, sehr dünn. Pech hatten sie einzig im Spiel gegen Hoffenheim, da hätten sie mehr verdient gehabt. Das fand ich eh das beste Spiel unter dem Kerkrader.

      Zur Durchschlagskraft der Offensive: 9 Tore, 3 Caligiuri (Mittelfeld, 1 Freistoß, 2 Elfmeter), 2 Serdar (Mittelfeld), 1 Nastasic, 1 Sane (Abwehr), 2 späte Tore durch Embolo und Burgstaller. Also 2 von 9 Tore durch Stürmer, die jeweils spät im Spiel, kein 1:0 oder so. Ich kann da keine Durchschlagskraft der Offensive erkennen.

      Gut organisiertes Pressing liefert sicher keine Punkte, aber auf der Basis von gut organisierten Pressings haben sich schon Legendenmannschaften gebildet (es gab mal einen schlauen Trainer der hat das Gegenpressing zu seinem Spielmacher erklärt) und Mannschaften, die das nicht gut genug beherrschen, sind in den letzten Jahren reihenweise in die zweite Liga durchgereicht worden. Es wird leider immer noch unterschätzt.

      Ich lasse mich gerne überzeugen, wenn jemand zeigt, was wirklich unter Stevens besser geworden wäre (was schlechter ist, können wir hier nachlesen). Und gerne auch über das taktische hinaus. Ich sehe es leider nicht. Darüber hinaus freue ich mich diebisch über den Derbysieg, je dreckiger und unverdienter desto schöner.

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Maruca Renato · 1. Mai 2019 um 20:36

Leider kann nicht komplette Spielewiederholungen oder Livespiele sehen, hier in BaWu , wegen Familiäres und Gesundheit, aber wenn Kutucu, Skrzybski, Teuchert, Konoplianka, gar nichts mehr gebacken kriegen können , oder Stevens und Büsquens , nicht den glauben haben, das die, starke gegnerische Abwehrreihen in Gefahr bringen , und Burgstaller noch nicht in Form ist ,wieso versucht man nicht, Sonntag mit Haji Whright neben Embolo und wahrend der Spiel mit Mendyl und Oczipka ,gemeinsam , eine kleine Wiederbelebung von unsere Linke Seite, um den Gegner notfalls zu überraschen , mit andere Spielzüge ,das keine erwartet?

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Zeitspieler · 5. Mai 2019 um 10:58

Hat Stevens wirklich mehr Glück als Tedesco? Oder führt das weniger
intensive Pressing vor allen Dingen der Stürmer nicht zu mehr Treffsicherheit und zu besserem Zuspiel im Strafraum?

Was vom Derbysieg übrig blieb - Unser Senf zum Spiel (B*B-S04) - Torhagelblau · 29. April 2019 um 19:11

[…] Karsten, gewohnt stabil, blickt mit scharfem Auge auf die Taktik. Im Rasenfunk-Spieltagspodcast ist ein sehr langer, hörenswerter Block mit einem […]

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