Vor dem so wichtigen Spiel gegen Bielefeld werfen wir mal einen taktischen Blick auf den Gegner und schauen darauf, wie die Arminia gegen Schalke spielen könnte.

Form

  • guter Start mit 4 Punkten aus den ersten beiden Spielen der Saison
  • anschließend aber mit 7 Niederlagen nacheinander
  • zuletzt mit einem Sieg und 2 Niederlagen, wobei man gegen Augsburg über weite Strecken feldüberlegen war

Personal und Grundordnung

  • nachdem Bielefeld zunächst viel aus einem 4-3-3 kam, hat man nach Maiers Verletzung zuletzt in einem 4-4-2 agiert
  • es fehlen Edmundsson (,,Probleme, die aktuell keine Bestleistung zulassen‘‘), Voglsammer (Muskelfaserriss), Niemann (Schulterverletzung), Laursen (Knieprobleme) und Nilsson (Zerrung)
  • Prietl, Pieper, de Medina, Yabo, Maier und Behrendt sind wohl wieder fit und es wird aktuell geprüft, inwieweit die Spieler eine Option für das Spiel sind
Aufstellung letztes Spiel

Mögliche Veränderungen

Prietl dürfte wieder reinrutschen, zudem steht ein Einsatz von Pieper für mich ziemlich fest, weil Nilsson fehlen wird. Schwierig abzuschätzen, ob Maier nach 5-wöchiger Verletzung schon ein Kandidat für die Startelf ist, zumal er auch schon davor immer wieder kleinere Blessuren hatte. Ein Startelfnominierung Maiers dürfte wohl die Rückkehr zum 4-3-3 bedeuten. Zudem könnte Gebauer als Alternative zu Córdova oder Schipplock reinrutschen.

Mein Tipp

Aufgrund der vielen Bielefelder Fragezeichen ist es für mich dieses Mal extrem schwierig die Aufstellung vorherzusagen, zumal mit der englischen Woche sowieso schwer abzuschätzen ist, welcher Spieler mal eine Pause gebrauchen kann. Wie beschrieben, glaube ich an eine Rückkehr von Pieper und Prietl in die Startelf.

Zudem habe ich mich für Lucoqui auf der linken Verteidigerposition entschieden. Ansonsten könnte Gebauer reinrutschen, der gegen Augsburg keinen schlechten Job gemacht hat. So dürfte Córdova ins Zentrum rutschen, was Bielefeld zudem in Kopfballduellen gegen Schalkes Innenverteidiger helfen würde.

Spielidee im Positionsspiel

Bielefeld fällt häufig durch verhältnismäßig recht langen und tiefen Ballbesitz auf. Man probiert einigermaßen kontrolliert das Spiel aufzubauen. Ansonsten ist auch auffällig, dass Ortega als Torwart dabei stark eingebunden wird. Dieser fällt auf mit guten Chipbällen auf die Außenbahn oder komplett ins Sturmzentrum – teilweise hinter die gegnerische Abwehrkette.

Außerdem fällt auf, dass Bielefeld viel über die Außenbahn spielt. Auch wenn sie recht kontrolliert probieren herauszuspielen: sobald sie am Flügel gepresst werden, kommen recht schnell Chipbälle ins Sturmzentrum.

Aufbau gegen hochstehenden Gegner

Gegen einen hochstehenden Gegner probiert Bielefeld den Gegner Richtung eigenem Tor zu locken. Das machen sie mit recht simplen Mitteln. Oft hält einfach Ortega etwas länger den Ball, so dass der Gegner seine Pressingstrategie auf ihn startet. Anschließend chippt er den Ball in den freien Raum. Dabei fällt auf, wie sauber er in seinem Spiel ist.

Im besten Fall presst der Gegner so, dass die Stürmer in der Tiefe in Gleichzahl gegenüber der gegnerischen Verteidigung stehen. In solchen Szenen ziehen die Stürmer das Spiel so tief wie möglich, so dass man zum einen den Zwischenraum vergrößert und zum anderen so nah es geht an das gegnerische Tor kommt.

Dann erfolgt ein Chipball auf einen der beiden Stürmer mit dem Ziel, dass der Ball möglichst auf den anderen Stürmer, welcher in dem Moment in die Tiefe läuft, verlängert wird.

Alternativ sind auch Ablagen in den vergrößerten Zwischenraum möglich, welche entweder vom Achter oder von den Außenmittelfeldspielern in Empfang genommen werden, die in solchen Momenten meist sehr schnell auf den zweiten Ball schalten, zumal man im schlechtesten Fall noch die Chance auf einen guten Gegenpressingmoment hat.

Aufbau gegen Mannschaften im Mittelfeldpressing

Im Aufbau kippt Prietl meist zwischen die Innenverteidiger, dabei wird das Mittelfeldzentrum teilweise nur durch Hartel besetzt. Aushilfsweise zeigt gerade Doan auf der rechten Seite sich in solchen Situationen im Halbraum und macht so nochmal mehr Platz für die hochschiebenden Außenverteidiger oder für die herauskreuzenden Stürmer.

Auffallend, dass Bielefeld meist recht zügig über die Außenbahn spielt. Dabei stehen sie oft mit ihren Außenspielern 2 vs. 2 gegen die Außenspieler des Gegners. Das Zentrum zieht dabei fast grundsätzlich das Zentrum frei. Es soll sich nur auf das 2 vs. 2 fokussiert werden, mit dem Ziel entweder am Flügel durchzubrechen oder in den freien Halbraum zu kommen.

Dabei arbeitet Bielefeld oft mit hinterlaufenden Außenverteidigern, lässt aber auch mal den Spielern am Flügel Platz für ein 1 vs. 1. Entscheidend ist auch die Absicherung von Flankensituationen, wo der ballferne Außenverteidiger oft den Rückraum nach Flanken sichert. Hartel als Achter startet meist entweder mit in den Sechszehner oder sichert den zentralen Rückraum. Prietls Position ist dabei meist daran angepasst, entweder im Mittelfeld oder sogar leicht mit im Rückraum.

Angriffspressing

Situativ probiert Bielefeld den Gegner vorne anzulaufen. Dabei stehen sie den Gegenspielern oft sehr dicht auf den Versen und lösen ihr Pressing aus, indem der ballnahe Spieler den ballführenden Spieler davon abhält, das Spiel in einen anderen Raum zu verlagern.

Die restlichen Spieler probieren dem ballführenden Spieler die Anspielmöglichkeit zu nehmen. Situativ lässt einer der beiden Sechser seinem Gegenspieler etwas Raum, um dem Gegner diesen Pass anzubieten. Wenn der Pass dann kommt, wollen Bielefelds Sechser den Ball dann möglichst vor dem Gegenspieler antizipieren, mindestens aber einen intensiven Zweikampf führen.

Dabei ist auffallend, dass in solchen Situationen extrem viel Platz zwischen den Ketten ist, da zum einen die Sechser teilweise sehr hochschieben müssen und die Abwehrkette dahinter meist durch die Mittellinie gebunden ist.

Wie sichert Bielefeld den Raum zwischen den Ketten? Ebenfalls durch Mannorientierung. Die Verteidiger verfolgen die Offensivspieler, sobald sie sich in den Zwischenraum fallen lassen, halten aber immer so viel Abstand, dass die Tiefe dabei gesichert bleibt.

Das hört sich altmodisch an, ist aber durchaus nicht unüblich in der Bundesliga. Zum einen profitieren sie davon, dass sie im Aufbau die Anspielstationen zustellen, zum anderen gibt es dadurch im Zwischenraum klare Zuordnungen.

Mittelfeld- und Abwehrpressing

Auch das Mittelfeldpressing ist recht klassisch angehaucht. Bielefelds Stürmer probieren dabei der gegnerischen Aufbaulinie nur die Außenbahn anzubieten. Dort sollen dann später die Flügelstürmer im 1 vs. 1 gegen den gegnerischen Außenverteidiger den Ball erobern.

Während die beiden Sechser sehr darauf aus sind, dass Passwege zu den Stürmern geschlossen werden, lösen die Außenmittelfeldspieler Bielefelds das Pressing mitunter schnell aus, schieben zudem nicht besonders stark in die Mittelfeldkette ein. Diese Kombination führt oft dazu, dass der Halbraum manchmal nicht gut gesichert ist und Innenverteidiger verhältnismäßig früh aus der Kette zu locken sind.

Auch in tieferen Zonen fällt auf, dass beide Außenmittelfeldspieler recht lange Kontakt zu den Außenverteidigern halten. So werden manchmal Übergabevorgänge unsauber gehalten und teilweise stehen Außenmittelfeldspieler unverhältnismäßig tief. So schafft Bielefeld ist zwar die Flügel zu sichern, verpasst es aber Balldruck aufzubauen, was dem Gegner viele Möglichkeiten der Spielverlagerung bietet.


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Darius

Ich bin Schalker seit Ebbe Sand und Emile Mpenza! Seit 2009 bin ich Fußballtrainer, aber dank Corona bin ich jetzt auch in der Theorie unterwegs! Ansonsten stehe ich auf ein solides Positionsspiel und aggressives Pressing!

2 Kommentare

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Matt · 19. Dezember 2020 um 13:49

Hi Darius
Super analysiert. Wie schaffst du das so detaliert in Zeiten wo man nur per Fernsehkamera Fußball schauen kann?
Intressant wäre jetzt noch gewesen wie die Huubsche Mauer dagegen ausschaut bzw. welchen theoretischen taktischen Ansatz man gegen Bielefeld mit dem Schalker Kader wählen müsste.

Da wir uns ja noch vor dem Spiel befinden lautet mein Tipp 1:1.

Abschlußfrage: Welche Spielklasse trainierst du (wenn ich fragen darf)?
Deine Analyse Freiburg und jetzt auch Bielefeld zeigen schon ein sehr hohes Maß an taktischem Wissen….

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    Darius · 19. Dezember 2020 um 15:20

    Hallo Matthias,

    erstmal vielen Dank für dein ausführliches Feedback! Ich habe Bielefeld 2-mal live gesehen und hatte die Chance ein paar Sequenzen mir nochmal anzuschauen, weil ich das Spiel recht amateurmäßig abgefilmt habe. So hatte ich die Möglichkeit nochmal auf Start und Stopp zu drücken! Die Fernsehkamera ist nicht immer optimal, aber durch Starten und stoppen kann man sich schon gewisse Positionen vorstellen, auch wenn man sie nicht sieht.
    Bezüglich Dee Spielidee habe ich auf Twitter einen Post rausgehauen, wenn du magst, kannst du da mal bei wunschkonzert04 vorbeischauen. Das müsste auch möglich sein, falls du kein Twitterprofil hast. Allerdings geht es da mehr um meine Spielidden als um Huubs
    Viele der Prinzipien basieren dabei auf der Arbeit der letzten Wochen auf Twitter und sind nicht 1:1 auf heute anzuwenden! Aber da ich vor 3 Wochen erst damit gestartet habe, ist es auch nicht allzu realitätsfern.
    Zu mir ich trainiere eine C-Jugend-Landesligamannschaft und bin mein fast halbes Leben schon Trainer (11,5 Jahre). Dementsprechend habe ich schon einen gewissen Erfahrungsschatz, bin aber noch lange nicht allwissend!
    Liebe Grüße und nochmals danke für dein Feedback!
    Darius

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