Die Zweitligasaison geht in ihre finale Phase und Schalke verfällt in alte Muster, sucht sein Heil mal wieder im Trainerwechsel. Grammozis war schon mit einer Hypothek in die Saison gestartet, den Abstieg konnte er nicht verhindern und der Fußball sah zudem meist grausig aus. Trotz danach stetiger Entwicklung, Förderung junger Spieler und offensiver – wenn auch nicht ballbesitzorientierter – Spielweise reichte seine Amtszeit schließlich nur bis zum 25. Spieltag.

Eine Ergebnisdelle und die immer deutlicher werdende Eindimensionalität besiegelten schließlich die Entscheidung für den zunehmend verloren gehenden Aufstiegskampf einen neuen Impuls zu setzen. Wie viel hohle Phrase das ist oder wie viel wirkliche Veränderung oder gar Verbesserung das mit sich bringt, ob gar das Saisonziel noch erreicht wird, werden die kommenden Spieltage noch zeigen müssen. Erste Hinweise gab die Premierenpartie unter Interimstrainer Büskens aber schon her…

Die Grundformationen zu Spielbeginn

Schalke wie immer nur anders

…obwohl dieser ja gar nicht vor Ort war. Das Trainerteam schien sich in der vergangenen Woche aber einige Gedanken gemacht zu haben, brachte zwar viele schon da gewesene Elemente, versetzte diesen aber häufig einen frischen Twist. Gegen den Ball stand Schalke zunächst in einem 4-4-2, erst beim Verteidigen nahe am eigenen Strafraum wandelte sich dies immer wieder eher zum bekannten 5-3-2 indem Itakura sich zurück fallen ließ.

Ein ähnlicher Ansatz bestand auch im Aufbauspiel: Grundsätzlich wurde das Spiel anfänglich aus einer 2-4-2-2-Staffelung heraus vorgetragen, Itakura rückte aber immer wieder zwischen oder rechts neben die beiden nominellen Innenverteidiger nach hinten. Diese Variabilität ist seit Dezember ein Bestandteil des taktischen Repertoires, die Neuerung besteht eigentlich nur darin, das Ganze umzudrehen – statt eines vorrückenden Innenverteidigers ein abkippender Sechser. Was eigentlich nur Augenwischerei ist, gewinnt bei ungenauem Hinsehen aber schon schnell den Eindruck echter Innovation.

Personell wurde auch etwas versucht. Ranftl stand erstmals seit Wochen wieder auf dem Platz, Drexler kehrte ins Mittelfeld zurück und Thiaw ersetzte den verletzten Sané. Und gleichzeitig war auch das eine Rückkehr zu Altbekannten, gegenüber dem Hinspiel waren es somit nämlich ebenfalls nur drei Veränderungen – zwei davon, Ouwejan und Aydin, rein verletzungsbedingt. Deren Ersatz im Rückspiel, Calhanoglu und Ranftl, wurden damals sogar auch eingewechselt.

Die Abstiegskampf-Basics

Ingolstadt spielte genau so, wie man sich ein Team im Tabellenkeller mit dem bereits dritten Trainer dieser Saison vorstellt. Der Gegner wird weitestgehend gespiegelt, so ist die Zuordnung leicht und jedem Spieler der anderen Seite steht theoretisch jemand entgegen. So ergibt sich ein klassisches 4-4-2 gegen den Ball, gestellt wird erst in der eigenen Hälfte, gepresst nur im eigenen Abwehrdrittel.

Über Ballgewinne sollen Kontersituationen erzeugt werden, mit Ball ändert sich die Formation nicht grundlegend, wird vielleicht eher zu einem 4-2-2-2. Das Spiel ist kräftezehrend und ergebnisorientiert. Schlicht und trotzdem möglichst erfolgsversprechend. Alles immer in der Hoffnung auf einen glücklichen Spielverlauf.

Zwischen Kontrolle und Risikoaversion

So ergab sich ein ruhiges und ballbesitzlastiges Spiel für S04. Während in der Anfangsphase noch häufiger der direkte Weg nach vorne gesucht wurde, schliefen die Offensivbemühungen im Verlauf der ersten Halbzeit zunehmend ein.

Den Ingolstädtern gilt dafür ein Lob, denn es gelang ihnen den Gegner einzulullen. Grundlegend bestimmte dieser zwar das Spiel, aber wirklich gefährliche Szenen kamen dabei aber nicht herum. Und während der FCI mit dem Ergebnis bis dahin natürlich gut leben konnte, musste es den Schalkern irgendwie gelingen, sich aus der eintretenden Lethargie zu befreien.

Die Gastgeber hatten derweil aber auch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Wirklich präsent waren sie nur, wenn aus vorherigen Szenen noch hoch aufgerückt waren und so zu hohem Pressing gezwungen wurden. Dann ergaben sich ein paar mal Fehler und Ballverluste, ausnutzen oder gezielt provozieren konnte man solche Situationen aber auch nicht. Alles erschien zufallsbasiert.

Ein Überblick der taktischen Kniffe

Im Verlauf des Spiels waren auf Schalker Seite einige für Taktikinteressierte vielleicht spannende Beobachtungen zu machen. Zunächst konnte das Team diverse alte Stärken wieder zum Vorschein bringen. Die Abseitsfalle griff wieder. Die Ende des vergangenen Jahres aufkommenden scharfen Flachpässe der ersten Aufbaureihe in den Zehnerraum kehrten zurück und sorgten für Gefahr.

Und auch bei den Standards schienen funktionierende Varianten neu aufpoliert und adaptiert zu werden. Die Kopfballverlängerung von Bülter am kurzen Pfosten nach Ecke führte diese Jahr schon mehrfach zum Torerfolg. Einerseits entstand aus einer solchen Szene das 0-2, als Bülter zwar unter dem Ball durchsegelte, Thiaw aber für einen durchgelassenen Ball postiert abschließen konnte. Außerdem wurde eine Abwandlung davon heute auch beim Freistoß aus dem Halbfeld probiert (35.‘).

Ansonsten bliebe noch die Rolle der Außenverteidiger zu erwähnen, diese mussten aufgrund ihrer defensiven Unentbehrlichkeit durch die Viererkette ihre offensiven Ausflüge nochmals stark beschränken. Die üblichen Halbfeldflanken wurden so noch früher geschlagen. Da gleichzeitig Terodde im Abwehrfokus und in einem meist viel besetzten Strafraum stand, waren die Erfolgsaussichten sehr begrenzt.

Sämtliche Außenverteidiger waren so heute kaum Faktoren im Offensivspiel. Auch wenn alle gute Aspekte mitbrachten, zeigten sie zusätzlich noch individuelle Schwächen. Ranftl bewies seine Stärken im Gegenpressing und als Absicherung bei Standards im Verbund mit Flick, seine Pässe und Flanken waren aber zu oft ungenau. Außer der Vorlage zum Lattenkopfball von Terodde in der Anfangsphase war wenig von ihm zu sehen.

Çalhanoğlu brachte einige gefährliche Standards, seine linke Seite war aus dem Spiel aber noch schwächer als die gegenüberliegende, denn obwohl er viele Flanken schlug, konnte er fast nie gefährliche Szenen erzeugen. Außerdem liefen die gefährlichen Kontersituationen der Ingolstädter (Bilbija 65.‘ und Kutschke 86.‘) über seine entblößte Seite und nur der Pfosten verhinderte bei seinem Querschläger das Eigentor (ebenfalls 86.‘).

Und schließlich war da noch Churlinov, der zuvor über eine Halbzeit lang im Mittelfeld fast unsichtbar gewesen war, und sich nach der Umstellung in der 52. Minute immer wieder unnötig festdribbelte und offensiv den schwächsten Output hatte. Die gefährlichen Szenen auf den Flügeln gelangen eigentlich nur den Mittelfeldspielern Drexler und Zalazar.

Ein Wechsel bringt die Wende

Selten war es so deutlich, wie eine personelle Veränderung ein ganzes Spiel beleben kann. Zalazar wurde kurz nach Beginn der zweiten Hälfte für Ranftl eingewechselt und übernahm Churlinovs Part im linken Mittelfeld. Drei Minuten später traf er zum 0-1, bei den anderen beiden Treffern sollte er später die Vorlagen liefern.

Schaut man sich den Führungstreffer nochmal genauer an, spiegelt er einiges des Genannten wieder. Thiaw spielt aus der Abwehrreihe einen scharfen Flachpass nach vorne in den rechten Zehnerraum. Dorthin war Drexler ausgewichen und hatte ihn mit Churlinov überladen und so kam er nun ziemlich ungestört zum Flanken. Terodde konnte den Ball leicht im Rücken der Innenverteidiger innerhalb des Strafraums annehmen, seinen Abschluss können die beiden Abwehrspielern zwar verhindern, doch Zalazar stürmte heran und bugsierte den Ball irgendwie abgefälscht ins Tor.

Das zweite Tor fand ja bereits Erwähnung. Zu sagen wäre aber, dass auch hier Drexler neben Zalazar entscheidend mitgewirkt hatte. Aus einer ungefährliche Flanke hatte er zuvor einen Eckball provozieren können. Auch hier war der Abschluss noch von einem Ingolstädter abgefälscht worden.

Schließlich kreierten diese beiden Spieler auch den dritten Treffer. Eine Halbfeldflanke Zalazars direkt hinter die Verteidiger konnte Drexler diagonal erlaufen und schloss aus kürzester Distanz ab. Die Flanke schien für FCI-Torhüter Stojanovic eigentlich leicht zu erreichen, doch zögerte er die nötigen Schritte rauszugehen.

Ingolstadt kam zwar zwischendrin noch zu den genannten Chancen, nutzte aber keine davon. Stattdessen konnte sich Fraisl bei der Parade von Kutschkes Schuss nochmal auszeichnen. Eine dankbare Szene für den Torwart, der zuletzt zunehmend in die Kritik geraten war. Schalke gelang so wie schon im Hinspiel ein 3-0 Erfolg.

Vier starke Mittelfeldauftritte

Zalazar war mit einem Tor und zwei Vorlagen natürlich Man of the Match. Dass Drexler aber fast ebenso essentiell an allen Treffern beteiligt war, ging leider etwas unter. Insgesamt zeigte er heute eine starke Partie als _der_ Führungsspieler der Mannschaft. Wie er die Gegner ständig nervt und seine Mitspieler antreibt und in Szene setzt, wird viel zu selten gewürdigt. Beide sollten nächste Woche von Beginn an spielen.

Neben diesen zwei offensiv orrientierten Mittelfeldspielern haben aber auch Flick und Itakura auf der Doppelsechs ein wirklich starkes Spiel gemacht. Ersterer tritt immer wieder als Ballverteiler zum Vorschein, aber auch seine Positionierung für zweite Bälle vor dem gegnerischen Strafraum war herausstechend. Die Abschlüsse konnte zwar häufig geblockt werden, gegen weniger mauernde Gegner könnte Flick aber demnächst zu gefährlichen Distanzschüssen kommen.

Was hat der Trainerwechsel nun gebracht?

Ein gutes Ergebnis bei gleichzeitig schwächelnden Gegnern. Ob und inwiefern diese Personalentscheidung dafür aber kausal war, lässt sich stark bezweifeln. Taktisch war kaum Neues, aber einiges Adaptiertes zu sehen. Mehr war in der kurzen Zeit auch nicht zu erwarten. Und grundlegend wird sich wohl auch bis Ende der Saison nicht tun, dafür fehlt schlicht die Trainingsarbeitszeit.

Wenn weder taktische Innovationen zu erwarten sind, noch die Motivation unter Grammozis ein Problem schien, warum denn nun der ganze Stress? Erstmal brachte das nur defensive Stabilisierung – also genau das Gegenteil von dem, was viele Trainerwechselbefürworter sich erwünscht und uns prophezeit hatten. Und die Möglichkeit einer nun auftretenden Eigendynamik, sowie weniger Unruhe und mehr unbedingte Unterstützung aus der Fanszene.

Das wäre alles aber auch dem alten Trainer zuzutrauen gewesen. Wenn der Schalker Anhang nur endlich mal die nötige Geduld aufbringen würde. So wird es halt wieder nur grundloses Hoffen auf ein besseres Saisonende und danach der immer gleiche versprochene und schließlich doch nicht durchgezogene Neubeginn im kommenden Sommer.

Langfristigen Erfolg hat diese Herangehensweise schon Jahrzehnte nicht gebracht. Wann traut sich Schalke endlich mal konsequent einen anderen Weg zu gehen, als den, der sie inzwischen in Liga zwei und mehrfach finanziell an den Rand des Abgrunds gebracht hat?

Wann emanzipiert man sich endlich von der immer wieder gescheiterten Strategie des doch so verhassten und längst entmachteten Clemens Tönnies – irgendwie auf Biegen und Brechen nur einmal noch kurzfristigen Erfolg erzwingen und darüber die Zukunft Jahr für Jahr aufs Neue zu verscherbeln?

Kategorien: Spielbericht

Philip

Da er im kleinstädtischen Thüringen aufwuchs, gab es für Philip ab der Grundschulzeit eigentlich nur die Entscheidung zwischen FCB und BVB - er tendierte zu letzteren, denn die Bayernanhänger waren schon damals unerträglich charakterlose Erfolgsfans. Doch glücklicherweise nahmen die Verwandten aus dem Sauerland noch rechtzeitig Einfluss und so wurde er doch Schalker. Intensiv mit seinem Verein beschäftigt er sich seit 2014, über Rasenfunk und Königsblog stolperte er schließlich immer wieder über diese komische Halbfeldflanke und begann Gefallen an der analytischen Zerlegerei zu finden. 2019 durfte er sich schließlich selbst mal ausprobieren.

11 Kommentare

Alex · 14. März 2022 um 10:23

Danke für die Analyse. Dem letzten Absatz nach der Zwischenüberschrift „Was hat der Trainerwechsel nun gebracht?“ kann ich nicht 100% zustimmen. Grundsätzlich bin ich zwar auch der Meinung, dass wir mal einem Trainer Zeit geben müssen, um etwas aufzubauen und dazu müssen wir wahrscheinlich auch mal für eine gewisse Zeit auf Erfolg verzichten. Aber das sollten wir mit einem guten Trainer machen, und der war Grammozis nicht. Eine Entwicklung habe ich im Gegensatz zu dir („Trotz danach stetiger Entwicklung…“) nicht wirklich erkennen können. Deshalb war der Rausschmiss von Grammozis folgerichtig und wenn überhaupt zu spät. Andersherum finde ich es tatsächlich anmaßend, den Trainerwechsel nach einem Spieltag so niederzuschreiben. Du sagst ja selbst, dass eigentlich noch keine Zeit bestand, etwas großes zu verändern. Trotzdem gibst du am Ende ein vernichtendes Urteil über den Trainerwechsel ab. Es ist doch gut, dass wir jetzt mit Ingolstadt und Hannover zwei schlagbare Gegner haben, bevor die Topspiele kommen. Und da haben wir ja unter Grammozis (bis auf Bremen) ziemlich alt ausgesehen. Warten wir doch die mal ab, bevor du den Trainerwechsel abschließend als „gescheiterte Strategie“ beschreibst. Und: du magst ja am Ende der Saison vielleicht sogar recht behalten, aber nach einem Spiel ist dieses Urteil doch wirklich zu früh, oder nicht?

    Philip · 14. März 2022 um 11:11

    Das sehe ich tatsächlich anders. Das Verhaltensmuster des Trainerrauswurfs bei der ersten Ergebnisdelle ist mittlerweile so tief eingebrannt, dass es auf Schalke konsequent auch die „guten“ Trainer trifft. Das muss sich einfach endlich ändern und nicht erst dann, wenn der nächste „gute“ Trainer schon halb abgesägt ist. Ist wie bei jeder Selbstoptimierungsmaßnahme, man muss einfach erstmal anfangen! Wenn man erst auf perfekte Voraussetzungen wartet, wird’s nie was.
    Ich hielt Grammozis auch nur für adequant, mehr Anspruch wäre auch übertrieben bei der erst zweiten Profistation und in der zweiten Liga, bei unserem finanziellen Spielraum und dem undankbaren Start, den unausweichlichen Abstieg erst noch wegverwalten zu müssen. Das tut sich halt alles kein großer Name im Geschäft an. Deswegen war es Teil der Strategie, wie ich sie verstanden habe, einen entwicklungsfähigen jungen Trainer an die Seitenlinie zu setzen, damit er zusammen mit dem Verein (wieder-)aufgebaut werden kann. Ist halt nur blöd, wenn Grammozis schon vor dem ersten Zweitligaspiel bei (lauten) Teilen der Anhängerschaft gefangen in ihren alten Denkmustern schon so dermaßen angezählt ist, dass er echt hätte Wunder wirken müssen, um die Saison zu überstehen.
    Zum Thema stetige Weiterentwicklung empfehle ich die letzte Podcastfolge. Und ganz unkritisch sehe ich auch das nicht, der Fortschritt war auch mir zu langsam.
    Und zuletzt noch eine Klarstellung, weil das wirklich nicht ganz sauber rauskommt. Die Arbeit von Büskens und Co will ich ausdrücklich nicht vorverurteilen. Mir geht es darum, dass im Sommer so oder so wieder bei Null angefangen werden muss. Kurzfristigen Erfolg bringt das ständige Trainerkarussel ja zwischendurch immer mal wieder, häufiger hat es zuletzt aber nicht funktioniert. Nicht immer weil die kurzfristige Alternative so schlecht war, sondern weil über die ständigen Umbrüche selbst die fundamentalste Grundlagenarbeit vernachlässigt wird. Siehe ständig neue Verletzungsmiseren, siehe Fitnesszustand bei Übernahme Grammozis, siehe seit Jahrzenhten fehlendes Ballbesitzspiel. Das kam alles nicht über Nacht und wird sich nicht in einer Sommervorbereitung wieder beheben lassen. Und je früher wir anfangen umso mehr kann noch gerettet werden.

    ES · 14. März 2022 um 14:13

    Hallo Philip,

    könntest du mir mal bitte das folgende erklären: Wenn durch das ständige Abkippen von Itakura faktisch mit Dreierkette aufgebaut wurde, warum war es dann notwendig, dass wie du schreibst, die Außenverteidiger aufgrund ihrer defensiven Unentbehrlichkeit durch die Viererkette ihre offensiven Ausflüge nochmals stark beschränken mussten? Aus meiner Sicht war diese übervorsichtige Herangehensweisen nämlich genau die Crux der ersten Halbzeit, bei der mindestens einer der AVs zu tief stand und oft mit vier Mann hinterm Ball aufgebaut wurde, wodurch, oh Wunder, eine Anspielstation vorne fehlte. Das bei einem Gegner, der vor der Mittellinie gar nicht das Pressen angefangen hat. Und bei der eigenen aktuellen Unfähigkeit wenigstens mit weiten Verlagerungen den Gegner auseinanderzuziehen. Das war die sichere Taktik für das Ziel 0:0 zur Halbzeit.

    Ab der 52. Minute hat Churlinov dann die Rolle rechts offensiver ausgelegt, hat auch mal horizontal mit Drexler rochiert (und auch schön diagonal gedribbelt), Itakura war eindeutiger und damit stabilisierender rechter IV der Dreierkette (statt der etwas nervösen Wechsel mal zweiter 6er, der das aber nicht aushält und sich fallenlässt, mal zentral, mal rechts). Dadurch dass man sich nun nicht mehr wie in der ersten Halbzeit hinten auf den Füßen gestanden hat, wird der Gegner bewegt, auseinandergezogen und vor Entscheidungen gestellt. Und kriegt nicht mehr alle Räume zu wie vor dem 1:0 das Loch vor Terodde, in das Zalazar reingelaufen ist.

    Was sagt das über den Trainerwechsel? Gar nichts, außer dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, einem neuen Trainer gleich ein Erfolgserlebnis frei Haus zu liefern, indem man ihn gegen einen faktisch unterklassigen Gegner starten lässt.

      Philip · 14. März 2022 um 14:41

      Naja, Ingolstadt hat erst in der eigenen Hälfte aktiv gegen den Ball gespielt. Wenn Schalke über die Mittellinie gekommen ist – und das war entsprechend fast immer der Fall- ist Itakura wieder ins Mittelfeld auf die Sechserposition vorgerückt.
      Bis es zu einem Ballverlust kam, war Schalke im Aufbau also fast immer ins 2-4-2-2 übergegangen. Da lässt sich eben am schnellsten ein 4-4-2 draus formen, ohne die gefährlichen Räume im Zentrum in Unordnung zu bringen. Deshalb vermutlich diese offensive Zurückhaltung der Außenverteidiger.

      Deine weiteren Beobachtungen sind echt spannend, ist bei mir bisher ziemlich untergegangen, was sich im Spiel nach dem ersten Wechsel verändert hatte. Danke für diese Ergänzung.

      ES · 14. März 2022 um 22:51

      Ok, Danke Dir die Erklärung bzgl. der Motivation der tieferen Außen in HZ 1. Diese 2er Aufbausituationen, bei denen Itakura wieder in die 6er-Position gegangen ist: Dann muss ich doch den Nachteil zurückhaltender Außen kompensiert bekommen durch den Vorteil größerer Dominanz und eine gewisse Zirkulation in den zentralen und Halbräumen (ein Mann mehr als mit 3er-Aufbau) – bei so spielstarken Spielern wie Itakura, Flick, Drexler, Churlinov. Ist aber (gefühlt) nicht passiert. Stattdessen doch wieder zu oft der Versuch Außen durchzukommen oder Flanken aus dem Halbfeld zu schlagen. Wenn’s gut läuft, ist das aber auch eine Frage des Einspielens ins „neue“ System.

Benny · 14. März 2022 um 19:48

An und für sich sehe ich das ganze auch so, nur die erste Häfte war doch echt ermüdent und bis auf die ersten 10 -15 Minuten mit dem Lattentreffer von Simon war da nix von einer Spielidee zu sehen und Phasenweise erinnerte mich das Spiel stark an die letzte Saison mit all den Arbeitsverweigerern die da auf dem Platz standen. Immer wieder das Spiel hinten herum ohne den Mut mal nen tiefen Pass zu spielen oder mal den Versuch zu starten sich durchzukombinieren! Klar kann das auch mal in die Hose gehen aber wenn man es nicht versucht kann man es auch nicht herausfinden, genauso sagte Mike auf der PK das wir auch mal Abschlüsse von auserhalb des Strafraums suchen müssen, aber auch davon habe ich nix gesehen und die Gelegenheit war des öfteren da und auch gut um mal nen Fernschuss anzusetzen! Ein Sieg gegen den Tabellenletzten war einfach Pflicht und ich glaub das wäre auch unter Dimi gelungen, die Knallerpartien stehen uns erst noch bevor und dort muss sich das Team beweisen!
Ich bin niemand der ständig nörgelt und schreit Trainer raus aber ich finde diese entscheidung kam deutlich zu spät! Ich persönlich würde mir auch wünschen das endlich ein wenig Ruhe und ein gleichmäßiger Fortschritt erkennbar wird aber wenn man ständig die besten Spieler die man dann endlich mal auf dem Platz hat wieder verhökert kann das niemals etwas werden! ich würde echt gerne mal eine Mannschaft so wie sie am ersten Spieltag auf dem Platz steht über mehrere Jahre sehen damit da wirklich mal etwas entstehen kann und nicht jedes Jahr aufs neue von vorn angefangen werden muss! Es war doch immer so bis jetzt bei Leon bei Leroy bei Manuel bei Joel und und und. Klar sagt Schalke von sich das wir ein Ausbildungsverein sind aber wenn man nicht versucht bzw. nicht alles versucht um Spieler zu halten (und auch mal über die schmerzgrenze geht) wird nie eine Konstante in die Mannschaft kommen! Sicher bsind wir jetzt gerade in Geldnot und stehen mit dem Rücken zur Wand deswegen sollte man jetzt versuchen mit diesen Spielern wie KO und co. weiter zu machen und sie unbedingt halten denn das sind die Spieler die unserem Spiel die nötige Sicherheit und Schärfe geben können! Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich jetzt schon Angst vor der neuen Saison egal ob wir den Aufstieg schaffen oder nicht denn ich glaube nicht das so viel Geld da ist um Ko,Thomas,Lee,Rodrigo,Andreas V. und Darko auf Dauer binden zu können und das bedeudet im Umkehrschluss das wir wieder von vorn mit einer neuen Mannschaft anfangen müssen die sich wieder erst neu einspielen und kennenlernen muss mit wieder einem neuem Trainer! „Und Täglich grüßt das Murmeltier“
Ich liebe diesen Verein abgöttisch und für mich gibt es nix größeres als Schalke so das ich jedes WE beete das wir endlich mal ein richtig gutes und dominantes Schalke sehen mit einer echten Weiterentwicklung ohne das es dann in der Woche darauf wieder stagniert und man dann wieder das Gefühl hat da steht ein Team unten auf dem Platz das bei der kleinsten Gegenwehr des Gegeners in eine Angststarre verfällt anstatt dann erst recht zu fighten und zu zeigen“ WIR SIND DER FC SCHALKE 04“ kommt und Ihr bekommt auf„s Maul!
Ich weiß ihr werdet anderer Meinung sein aber ich musste das einfach mal loswerden denn so seh ich das!
Glück Auf und Blau Weiße Grüße aus Halle/Saale der Benny

    Philip · 17. März 2022 um 17:29

    Bei vielen Punkten bin ich überhaupt nicht anderer Meinung. Das Spiel war abegesehen vom Ergebnis echt nicht begeisternd. Auch wenn ich zB in Sachen Fernschüssen von Flick einige Versuche gesehen habe, die leider im voll besetzten Ingolstädter Strafraum geblockt wurden. Bei weniger mauernden Gegnern in den kommenden Wochen kann ich dir dahingehend aber Hoffnung machen.

    In Sachen Trainerwechsel sehe ich wie gesagt nicht, was der jetzt gebracht hat. An keinem der aktuellen Probleme hat sich dadurch auf einen Schlag was geändert. Im Sommer hätte man aber sicherlich über einen neuen Trainer diskutieren müssen.

    Wo ich wirklich anderer Meinung bin, ist, dass ich nicht glaube, dass Schalke die besten lange halten kann. Oder muss. Nichtmal ohne unsere miserable finanzielle Lage wäre das zu schaffen, der Abstand zu den reichen Clubs Europas macht es schlicht unmöglich, da finanziell mitbieten zu können – ganz zu Schweigen diese vielleicht zu überbieten. In einer Zeit, wo selbst die Bayern Alaba ablösefrei abgeben müssen, kann Schalke sich von dem Gedanken verabschieden die besten Talente langfristig halten zu können. So sehr mich das auch persönlich schmerzt…

BastiS04 · 16. März 2022 um 15:32

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht, ich habe mich sehr gefreut mal wieder etwas aktuelles auf Eurem Blog zu finden!

Zum Thema Trainerwechsel:
Offen gesprochen bin ich an dieser Stelle zwiegespalten. Ich sehe es einerseits so wie Philip und zwar auf die Spitze getrieben: Die Definition von Wahnsinn ist immer das Gleiche zu tun und auf andere Ergebnisse zu hoffen. Dies kann man auch auf diesen Trainerwechsel münzen und das ist sehr schade.

Andererseits hat man im Leistungssport eben immer einen Zielkonflikt zwischen Langfristigkeit und Kurzfristigkeit auszutarieren und in diesem konkreten Fall ist es nunmal so, dass die Wahrscheinlichkeit mit Grammozis noch aufzusteigen nicht sehr hoch war. Bei einem Trainerwechsel hat man in dieser Branche eben manchmal das Glück, dass die Ergebnisse über einen kurzen Zeitraum vom tatsächlichen Leistungsvermögen abgekoppelt werden (siehe Werder Bremen mit Ole Werner oder letztes Jahr Köln mit Markus Gisdol) und jetzt kommt das Problem, dass es für Schalke im Grunde existenstiell wichtig ist sofort wieder aufzusteigen. Wir reden hier über Einnahmen von vermutlich 50 Mio. Euro pro Saison die in der Erstklassigkeit mehr erzielt werden. Da kann ich dann aus Sicht des Managements schon verstehen, dass man da dann auf das Prinzip „Lucky Shot“ setzt.

Zum Spiel in Ingolstadt:
Ganz ehrlich und nüchtern betrachtet war das einzige was wirklich gestimmt hat das Ergebnis. Die erste Halbzeit war sehr zerfahren und uninspiriert und die Herangehensweise gegen ein Kellerkind der Liga hinten auf ganz viel Sicherheit zu setzen und den Spielaufbau bloß nicht riskant über das Zentrum zu versuchen war aus meiner Sicht zu konservativ. Ingolstadt hat ja erst einmal gar keine offensiven Anstalten versucht.

In der zweiten Halbzeit hat man dann beim 1:0 und 2:0 letztlich eine größere Portion Spielglück (beide abgefälscht) und fertig ist ein klassischer Arbeitssieg. Die echten Gradmesser kommen noch und das Spiel hat aus meiner Sicht wenig Aussagekraft.

    Philip · 17. März 2022 um 17:43

    Danke und ja, ich kann hier beim Lesen nur zustimmend nicken.
    Im Endeffekt hoffe natürlich auch ich darauf, dass die Saison nach dem aktionistischen Trainerwechsel irgendwie trotzdem gut ausgeht. Auch wenn uns sowas schon ewig nicht mehr gelungen ist…

Erle72 · 17. März 2022 um 12:15

Es ist total nervig wenn Fans gefühlt ab dem ersten Spiel einen Trainerwechsel fordern. Dabei hat Dimitrios Grammozis einen großen Verdienst an dem stabilen Übergang von Schalke in die 2. Liga nach der desaströsen Vorsaison für die er keine Verantwortung hatte. Er ist nur auf das Heck eines sinkenden Schiffes gesprungen.
Die letzten Spiele des Jahres 2021 (ohne Terodde) gegen Nürnberg und Hamburg machten berechtigte Hoffnung auf eine spielerische Weiterentwicklung im neuen Jahr. Und dann kamen die Spiele gegen Kiel, Regensburg und Düsseldorf und alle Vorfreude war dahin. Das, was Dimitrios Grammozis mit Darmstadt gelungen war, mit langem Anlauf in der Rückrunde zu punkten, schien auf Schalke nicht zu funktionieren.
Immer wieder Fehler im Aufbau, verschlafene Umschaltmomente und eine mangelhafte Aufteilung von Angriff, Mittelfeld und Sturm. Da stehen dann alle vorne drin, wärend der Restverteidigung bei jedem Fehlpass sofort der gefährliche Konter droht.
Waren es die Verletzungen? Die experimentierfreudige Aufstellung? Die Formdellen der Führungsspieler? Jedenfalls kam selbst mir, als Trainerwechselgegner, nach dem Rostockspiel (immer die gleichen Fehler) zum ersten Mal der Gedanke – das war es. Schade, ich hätte es mir anders gewünscht. Dimitrios Grammozis ist ein Trainer, der es jetzt wirklich verdient hat sich bis zum neuen Engagement von Schalke zu erholen. Wir müssen weitermachen, am Bildschirm und im Stadion.

    Philip · 17. März 2022 um 18:00

    Eine zu offensive Spielweise ist zumindest mal ein neuer Grund für eine Trainerentlassung. Tatsächlich war Rostock einfach extrem effizient. Die haben aus 10 Schüssen 4 aufs Tor gebracht und 4 Tore erzielt. Gegen Ingolstadt hat unsere Abwehr gar nicht mal so viel weniger zugelassen: von 9 Schüssen 3 aufs Tor aber eben 0 Treffer. Unsere offensive Leistung hingegen war letztes Wochenende deutlich deutlich schwächer als die Woche zuvor.
    Glück ist und bleibt im Fußball einfach ein gewaltiger Faktor. Die meisten Alutreffer der Liga (13), noch keinen Elfmeter zugesprochen bekommen und mindestens eine ergebnisrelevante Fehlentscheidung gegen dich und zack fehlen dir eine Hand voll Punkte im Aufstiegsrennen und der Trainer wird entlassen…

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