Hoffentlich habt und hattet ihr alle einen guten Jahresabschluss! Ich habe mich zwischen Knödeln und Plätzchen gefragt, wie es eigentlich den ausgeliehenen Schalkern bei ihren aktuellen Vereinen ergangen ist. Bei einigen wurde aus finanzieller Sicht ursprünglich auf einen festen Verkauf gehofft, bei den Leuten aus der eigenen Jugend waren die Gründe nicht immer ganz so offensichtlich. Zeit für eine kleine Tour quer durch Europa.

Ozan Kabak, Norwich City, Premier League

Der türkische Nationalspieler dürfte sich seine erneute Ausleihe in die Premier League anders vorgestellt haben, Norwich City steht nach 18 Spielen mit nur 10 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Kabak verpasste den ganzen November aufgrund eines grippalen Infektes und stand zwar seitdem im Kader, wurde aber noch nicht wieder eigensetzt. So kommt der Innenverteidiger auf nur neun von achtzehn möglichen Ligaeinsätzen.

Nur zwei Punkte holten die Canaries mit Kabak auf dem Platz. Seit dem 15.11.21 steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Dean Smith folgte auf Daniel Farke, der ausgerechnet nach dem ersten Saisonsieg gegen Brentford am 06.11.21 entlassen wurde. Klingt ziemlich schalkig, eigentlich. Seine Leistungen jedenfalls waren schwankend, mit mal guten Defensiv-, aber nicht so guten Spieleröffnungswerten und umgekehrt.

In den beiden Spielen vor seiner Erkrankung gegen Everton und Watford war bei ihm ein Aufwärtstrend erkennbar: mit weniger eigenen Ballverlusten und mehr zurückeroberten Bällen, mehr Pässen nach vorne, die außerdem besser ankamen, sowie mit gelungen offensiven Dribblings. Bleibt zu hoffen, dass er bald die Gelegenheit bekommt, daran wieder anzuknüpfen. Seit dem 16. Spieltag konnte er zumindest wieder mitwirken.

Rabbi Matondo, Cercle Brügge, Jupiler Pro League

Zwischenzeitlich sah es düster aus für Cercle Brügge, in den letzten Wochen konnte man sich aber aus dem Tabellenkeller der Jupiler Pro League herausarbeiten und steht auf dem 10. Platz nur fünf Punkte hinter den Playoff-Platzierungen. In den letzten sechs Spielen gab es nur eine einzige Niederlage – gegen den überraschenden Tabellenführer Royale Union Saint Gilloise (das ist ein kleines Fußballmärchen für sich).

Auch hier gab es ähnlich wie bei Norwich nach dem ersten Sieg dieser Erfolgsserie einen Trainerwechsel. Für Schalker interessanter ist aber, dass diese positive Entwicklung von Cercle parallel zu Rabbi Matondos Formhoch verläuft. Der immer noch erst 21 Jahre alte walisische Nationalspieler ist seit seinem Wechsel Stammspieler und fehlte auch in diesen sechs Spielen nur ein einziges Mal aufgrund einer Gelbrot-Sperre. Zudem war er in dieser Phase immer an mindestens einem Tor beteiligt (5 Tore, 1 Vorlage).

Eingesetzt wurde Rabbi in diesen Spielen als linker Außenstürmer und als offensiver Mittelfeldspieler im linken Halbraum in einem defensiven 4-3-3. Brügge schafft es dabei besonders gut, seine Läufe hinter die gegnerische Abwehrkette einzusetzen, er kommt auf durchschnittlich 4,32 progressive runs pro 90 Minuten und kommt 4,2-mal per 90 Minuten im Sechzehner an den Ball.

Da es in der belgischen Liga mehr Zeit am Ball gibt, ist es wenig überraschend, dass mit weniger Gegnerdruck seine Passwerte besser aussehen als in der Bundesliga. Trotzdem ist das ein Bereich, in dem er sich noch weiter verbessern muss, wenn er in Zukunft variabler einsetzbar sein möchte. In so einer Verfassung würde er trotzdem auch uns in der zweiten Liga weiterhelfen, nur ist sein Vertrag dafür vermutlich viel zu teuer. So hoffen wirtschaftlich denkende Menschen wohl eher auf andere Interessenten im Sommer. Bis zum 16.01.22 pausiert die belgische Liga, dann geht es gegen KAS Eupen weiter.

Amine Harit, Olympique Marseille, Ligue 1

In der Ligue 1 dominiert das finanziell künstlich aufgepumpte Paris St. Germain, der Kampf um die internationalen Ränge dahinter ist aber durchaus spannend. Harits Leihverein Olympique Marseille liegt aktuell mit 33 Punkte auf dem dritten Platz hinter dem punktgleichen Nizza, bis zum achten Platz sind es nur fünf Punkte Unterschied.

Für Amine fing die Saison nach seinem Wechsel gut an, er steuerte gleich in den ersten beiden Spielen ein Tor und eine Vorlage bei. Mitte Oktober fiel er dann aber mit Aduktorenbeschwerden aus und seitdem wurde er die meiste Zeit nicht eingesetzt. So kommt er in der Liga nur auf acht von sechzehn Spielen.

Eine feste Position hat er unter Sampaoli auch nicht gefunden, er wurde in der Offensive quasi schon überall eingesetzt und selten mehr als zweimal hintereinander an gleicher Stelle. Ein Blick auf Statistiken ergibt hier deswegen wenig Sinn. In der Europa League kam Harit auf drei Einsätze, Marseille ist allerdings ausgeschieden und macht im neuen Jahr in der Conference League weiter.

Hamza Mendyl, Gaziantep FK, Süper Lig

Gleich drei Schalker spielen leihweise in der Süper Lig, aber nur für zwei davon läuft es einigermaßen gut. Einer davon ist Hamza Mendyl, er kommt auf 13 Ligaspiele, ein Tor, zwei Vorlagen und – man kennt ja seine Pappenheimer – vier Gelbe Karten und eine Gelbrot-Sperre. Gaziantep mit Trainer Erol Bulut wechselt immer mal zwischen einer Vierer- und einer Dreierkette, Mendyl war also entweder als Linksverteidiger oder linker Wingback unterwegs. Der Verein ist mit 28 Punkten im gesicherten Mittelfeld der Liga.

Seine Zweikampfwerte in der Liga sehen besser aus als in seiner Schalker Zeit, ansonsten kommt er nach wie vor hauptsächlich über sein Tempo. Für Pässe und Flanken haben Spieler in der Süper Lig etwas mehr Zeit, trotzdem ist das bei ihm noch zu oft ungenau. Nach der abgesessenen Sperre wurde er in einem weiteren Spiel nicht in den Kader berufen, da bleibt abzuwarten, ob Mendyl seinen Platz im erweiterten Stamm behalten kann.

Can Bozdogan, Beşiktaş Istanbul, Süper Lig

Von den reinen Spielminuten sind es bei Bozdogan wettbewerbsübergreifend nur acht mehr als bei Mendyl, allerdings durfte Can in der Champions League ran und traf dort unter anderem auf Dortmund. Dabei hatte er es in der ersten Zeit nach seinem Wechsel etwas schwer auf Spielzeit zu kommen, allerdings fehlen Beşiktaş mittlerweile auch ein paar Spieler verletzt. Die türkischen Doublesieger der letzten Saison stehen aktuell nur auf dem siebten Platz.

Bozdogan wurde meistens im rechten zentralen Mittelfeld neben Hutchinson oder dem von Barcelona ausgeliehenen Miralem Pjanic eingesetzt, sein erstes Tor für Beşiktaş erzielte er Anfang Dezember beim 1:1 gegen Kasımpaşa. Während er in Zweikämpfen noch besser werden muss, zeigt er immer wieder gute Pässe ins letzte Drittel und natürlich zeigt er weiterhin die von ihm bekannten Dribblings.

Levent Mercan, Fatih Karagümrük SK, Süper Lig

Zu Mercan gibt es leider nicht viel zu erzählen, er kommt nur auf zwei Ligaspiele und einen Einsatz im Pokal Anfang Dezember, insgesamt kommt er nicht mal auf 80 Spielminuten. Seine technischen Fähigkeiten im Passspiel und Dribbling hat er gezeigt, aber wie auch schon auf Schalke kann er sich wohl nicht für mehr empfehlen. In der Vorbereitung bei uns im Sommer hatte ich den Eindruck, dass er ein guter Spieler für Ballbesitz-orientierte Teams sein kann, die durch die Mitte spielen möchten. Mit so wenig Spielzeit ergibt diese Leihe wenig Sinn, die Frage wird sein, wie sein Vertrag dotiert ist und ob es andere Interessenten gibt. Eine Rückkehr auf Schalke wäre für beide Seiten nur sinnvoll, wenn nachhaltig eine andere Spielweise etabliert werden soll, als sie über weite Strecken der bisherigen Saison zu sehen war.

Nassim Boujellab, FC Ingolstadt, 2. Bundesliga

Die Saison des FC Ingolstadt verläuft sehr chaotisch, der Verein steht mit nur zehn Punkten auf dem letzten Platz der 2. Bundesliga und es gab in diesem Jahr schon drei Trainerwechsel. Nach dem kurzen Intermezzo von André Schubert steht nun Rüdiger Rehm an der Seitenlinie. Boujellab kam anfangs immerhin noch zu Kurzeinsätzen (die er in der Form vor dem Hintergrund der Latza-Verletzung auch bei uns hätte bekommen können), dann fiel er allerdings wegen einer Muskelverletzung mehrere Wochen aus. Danach gab es nur noch einen Mini-Einsatz gegen Paderborn, seitdem stand er nicht mehr im Kader.

Eine feste Position hatte er in der Zeit nicht und spielte mal im rechten und linken Mittelfeld, mal zentral, mal hinter dem Sturm. Seine Stärken und Schwächen machen es ihm in der Hinsicht auch nicht ganz einfach. Er ist für einen zentralen Mittelfeldspieler nicht stark genug in Zweikämpfen, andererseits aber gut darin, Bälle abzufangen. Er ist gut darin, lange Bälle ins letzte Drittel zu spielen, ist aber nicht sehr pressingresistent und verliert deshalb häufig den Ball, bevor er das machen kann. Je nachdem wie sein neuer Coach die Situation einschätzt, sollte man auch hier nach einem neuen Verein schauen, generell wird er aber viel an sich arbeiten müssen.

Quelle für alle statistischen Werte: wyscout.com.


Annika

Annika ist in Essen geboren, eine Meisterin der Kulturwissenschaften und hat außerdem Kreatives Schreiben studiert. Fing ca. 2012 an sich durch das Lesen auf Spielverlagerung für Taktik zu interessieren. Ist seit 2019 beim Halbfeldflanke Podcast dabei und hin und wieder auch im Rasenfunk zu hören. Mehr von Annika zu lesen gibt's auf Twitter (@annika_be).

1 Kommentar

Carlito1904 · 3. Januar 2022 um 21:47

Schöner Bericht über die verliehenen Spieler, die man ja sonst gerne mal aus den Augen verliert.

Auch wenn sich das meiste nicht gerade übermäßig positiv liest. Kann man nur hoffen, dass sich die eine oder andere Leihe noch positiver entwickelt um entweder bessere Spieler zurückzukommen bekommen oder alternativ eine vernünftige Ablöse zu generieren.

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