Zwei Teams mit jungen Trainern, deren Spielphilosophie unterschiedlicher nicht sein könnte. Und auch die Vorzeichen für dieses Spiel waren sehr verschieden. Was tatsächlich passiert ist und wie es wahrgenommen wird sind zwei paar Schuhe. Ein sehr sehr kurzer Blick auf’s Spiel als Beitrag zur aktuellen Diskussion.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die erste Halbzeit

Bremen baute sich im 4-3-3 auf und Schalke im 4-4-1-1. Defensiv pressten beide hoch im 4-4-2. Gleichzeitig gingen beide wenig Risiko ein. Blau kam damit aber besser zurecht und schnürrte Grün regelrecht in der eigenen Hälfte ein. Bis zur 30. Minute kamen nur verschwindend geringe Pässe in der Schalker Hälfte an.

Zur 30. Spielminute machte Bremen das Spiel dann breiter und vertikaler. Es wurde mehr Risiko eingegangen und das Spiel entwickelte sich zu einem hin und her zwischen den Strafräumen. Dabei konnte Schalke das meiste recht früh abfangen. Einen Weitschuss aus dem nichts allerdings nicht und so endete das die Halbzeit 0:1.

Die zweite Halbzeit

Schalke musste also Aufholen. Der Plan war entsprechend umzubauen und das Zentrum zu stärken. Also baute Tedesco auf Raute um: 4-1-3-2. Schalke machte mächtig Dampf und Werder hatte sehr damit zu kämpfen. Also stellten die Nordlichter auf Sicherung um. Im 5-3-2 versuchte Bremen in erster Linie stabil zu stehen und dann herauszurücken.

Das hatte zwei Effekte. Zum einen spielte Schalke sich am Strafraum fest, kam aber nicht so recht hinein, weil es eine grünweiße Überbevölkerung gab. Zum anderen gab es natürlich viele Umschaltmomente die Bremen für direkte Angriffe ausnutzen wollte.

Das komplette Spiel

Insgesamt hielten beide Endverteidigungen eigentlich relativ gut dicht. Es gab zum Teil einen offenen Schlagabtausch. Schalke kam ein paar Mal in den Strafraum, Bremen eigentlich nicht. Am Ende standen 12:3 Torschüsse aus dem Strafraum. 23% des Spiels fanden im Schalker Spielfeld-Drittel statt, gegenüber 32% im Bremer Drittel. Insgesamt wirkte das Schalker Spiel allerdings auch meist zerfahren, während Bremen nur kurzzeitig die Ordnung verlor.

Karsten, Du verwirrst mich, war das jetzt ein gutes Spiel von Schalke oder ein schlechtes?

Weder noch. Oder besser: Beides gleichzeitig. Es gibt viel Schatten aber eben auch Licht. Schalke spielte zerfahren, aber mit starkem Pressing. Schalke hat Probleme im Spielaufbau, kam aber immer wieder durch das Bremer Pressing. Schalke hat eine Abschlussschwäche, kam aber häufig in den Bremer Strafraum.

Und wie fandet Ihr das Spiel so?


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

7 Kommentare

Floyd · 22. Oktober 2018 um 10:04

Die strukturelle Grundordnung für die Defensive fand ich ebenfalls gut. Werder gelang viel weniger als zuletzt.
Gleichzeitig reicht es offensiv aber nicht, Werder ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Dann reichen 1-2 Momente in denen man Kruse nicht richtig kaltgestellt kriegt, Eggestein hat einen guten Tag und dann verliert man sang- und klanglos 0:2.

Ich bin inzwischen der Auffassung, dass sich Grundsätzliches im Schalker Spiel ändern muss. Dass man den Gegner in dessen Hälfte einschnüren und hohe Ballgewinne erzielen kann ist wertlos, wenn man absolut keinen Plan hat wie man daraus Kapital im Sinne von eigenen Toren erzielen kann. Der eigene Spielaufbau setzt nach wie vor zu sehr auf lange Bälle die zu einfach zu verteidigen sind. Burgstaller stand desweiteren gegen Werder in 9 von 10 Fällen im Abseits.
Dazu kommen offensichtliche Mängel im technischen Bereich. Passquoten von konstant unter 80% – selbst gegen Düsseldorf hatte man am Ende 76% – und wenn ich bspw. Breel Embolo einen Ball annehmen sehe wundert mich nicht mehr viel.

Mit dem derzeitgen Gesamtpaket von halbwegs vernünftiger Verteidigung und beispiellos harmloser Offensive ist Platz 16 jedenfalls folgerichtig.

Matt · 22. Oktober 2018 um 20:55

Zunächst freue ich mich das nach langer Zeit eine wenn auch kurze Spielanalyse online ist.
Ärgerlich finde ich die allgemeine Spielanalyse der Sportjournalisten. Sicher war Bremen sehr effektiv. Nur hat das eben auch was mit Glück zu tun. 3 Chancen – 2 Tore. Im Gegensatz zu Schalke mit 4/5 Chancen und eben keinem Tor. Die Benotung von durchwegs 4/5/6 der Schalker finde ich komplett daneben. Geht Schalke in Führung gewinnen sie auch.
Mittlerweile kommen mir aber bei Tedesco doch Zweifel auf. Die Aufstellung und Wechsel kann ich nicht ganz nachvollziehen. Schöpf ist offensiv rechts so schwach wie defensiv links. Keine einzige Flanke oder Vorlage und beim 0:2 ganz schwach verteidigt. Burgstaller hat wohl das größte Kämpferherz aber technisch ist er doch limitiert. Auch McKennie war auf dieser Position leider nicht effektiv. Naldo hat es nicht schlecht gemacht aber eben auch in der einen und anderen Szene altersbedingt zu langsam. Ich habe den Eindruck es durften einfach alle spielen die bisher getroffen haben – ausser Embolo. Und dann kam mal wieder Di Santo. Ja rennt, presst gut aber sonst als Stürmer – null. Den Unterschied hat in dem Spiel Kruse gemacht. Zwei mal den richtigen Pass gespielt und das war`s.
Warum Nastacic, Uth, Embolo, Konoblyanka auf der Bank saßen ist mir unverständlich. Gerade die letzten 3 hätten (für Schöpf, Burgstaller, Mckennie) vielleicht mal eine 1:1 Situation entschieden und damit vielleicht dem Spiel eine entscheidende Note gegeben – für Blau. Klar Spekulation aber für mich eben wahrscheinlicher. Rudy kann ich noch verstehen wenngleich ich dann den Transfer als solches nicht verstehe.
Was ich eindeutig vermisse ist ein Schalker Spiel bei dem der Gegner an die Wand gespielt wird. Wann gab es das letztemal ein 4-0?
Mit Sicherheit ist die momentane Situation eher ein psychisches Problem und da ich (Dank dem Tipp von Halbfeldflanke das Buch Matchplan gelesen habe) auch andere Statistiken anschaue weiß ich das Schalke leistungsmäßig nicht 16ter ist aber eben dennoch nur Mittelmaß. Tedesco wird sich bei seiner Spielauffassung hinterfragen müßen. Ansonsten wird es noch eine schwierige Saison.

    Stefan · 23. Oktober 2018 um 08:10

    Meiner Meinung nach hat Tedesco durch seinen Wechsel in der 63. Minute Schalke auf die Verliererstraße gebracht, als er für den „Sechser“ Mascarell den seit Wochen völlig wirkungslosen Stürmer Di Santo brachte. Drei Minuten danach fiel das 0:2, auch weil nun im Mittelfeld die Räume zu offen waren. Das hatte wohl auch Tedesco bemerkt. Drei Minute nach dem Treffer brachte er nämlich mit Serdar wieder einen zentralen Mittelfeldspieler.

    Zu Burgstaller: Er ist wirklich ein Typ, der von seiner Mentalität zu Schalke passt. Wer aber als Stürmer so häufig ins Abseits läuft – und das ja auch schon in der vergangenen Saison – der sollte dringend mal sein Stellungsspiel im Umschaltspiel verbessern…

    Glück auf!

renato.maruca · 23. Oktober 2018 um 20:39

Schöne grüße aus BW,Karsten! Das einzige Lösung ,zeigt uns, unsere Nachbar. Tedesco (meine Landsmann) braucht eine Erfahrene Berater ,mindestens eine weile Lang. Der ist noch unerfahren, und nur Felix Magath würde sich kurzfristig durchsetzen und ein bisschen Stabilisierung uns bringen. Glaube ich! Ah und Heidel Einmischung Verbot, ist auch notwendig!

renato.maruca · 25. Oktober 2018 um 10:50

Grüße Karsten ,wie du siehst ,nach lange pause , melde mich manchmal wieder, und bitte um Verzeihung für irgendwelche Fauxpas. Di Santo und Caligiuri wissen alle spülen ein brutaler Pensum, ständig! Wie lange können die beiden das aushalten? Di Santo hat eine bescheidene individuelle Technik ,könnte man sagen , und Embolo , vor der Verletzung hat meistens im Zusammenspiel mit Choupo , geglänzt! Burgstaller hat auch, ein begrenzte Individualismus! Flanken von Links , mit den Ukrainer oder andere , kommen ganz wenige , von Rechts ,das selbe , meistens Caligiuri mit ein riesige Pferdelunge. Kopfbälle Möglichkeiten um Tore zu erzielen und sich besser Empfehlen zu können , für den 3 , viel weniger, als die letzten Jahre, finden statt ,sowie Elfmeterraum Szenen, durch Assists. Ganz seltene von uns ,schreiben, in andere Medien von Baba ,vor der Verletzung. Tore , Flanken , Dribblings ,und erinnern sich dabei nicht, das Kolasinac hinter ihn stand. Baba hat Kola geholfen ,der Mittelfeld, und meistens, in die zweite Hälfte , als Links Außen Freude vorbereitet. Tedesco und seine Aktuelle Kollegen ,waren damals noch nicht da , aber haben , Heidel ,Tönnies… keine Erinnerungsvermögen ,so wie mehrere in Netz? Als Links Außen ,vor Hamza , kann Baba noch Fehler machen, und sich Hoch arbeiten ,als Linksverteidiger nicht! So verliert Schalke eine mögliche guter Spieler , und für mich unsere Spielweise ,leidet brutal darunter , sowie, die Stürmer. Auch der Ukrainer kann rechts spielen (noch schlechter als links ,ok) ,aber Caligiuri, ein wenig zu Kräfte zu kommen, zu lassen. Haben mehrere das nicht mehr im Kasten! Bis noch keine Verstärkungen ,kommen können, das ist für mich unsere einzige Möglichkeit ,zu eine Upgrade, gegen alle Gegner , bis die Winter Pause da ist! Heidel muss aufwachen und Mainz vergessen!

Dennis · 26. Oktober 2018 um 00:13

Ich war im Stadion wegen der fehlenden Abstimmung der Laufwege in der Offensive total frustriert und war danach von der Statistik überrascht, dass wir doch so viele Tormöglichkeiten hatten. Wenn man diese beiden Eindrücke kombiniert, drängt sich der Eindruck auf, dass wir mit besserem Kombinationsspiel zu noch mehr Abschlüssen gekommen wären.

Das hilft natürlich nicht weiter, wenn wir das Tor nicht schießen (siehe Galatasaray!) und defensiv solche Fehler machen wie beim 0:2, als Bremen sich in unserem Strafraum weitgehend ungestört den Ball zuschieben konnte.

Die große Frage ist, woran diese mangelhafte Abstimmung liegt. Schlecht genutzte Vorbereitung? Zu späte Transfers? Zu wenig Trainingsarbeit wegen der Dreifachbelastung? Zu häufige und umfassende Rotation? Zu viele Systemwechsel? Ein vom Gegner entschlüsseltes System? Die eine korrekte Antwort darauf wird es nicht geben. Aber wir müssen die Defizite schleunigst aufholen.

Floyd · 7. November 2018 um 08:12

Nach den letzten Spielen und der PK nach dem Gala-Spiel muss ich Abbitte bei unserem Trainer leisten. Er hat die Krise zu Beginn der Saison sehr gut gemanaget und Schalke auf den richtigen fußballerischen Kurs gebracht, das macht Freude auf mehr!

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