Schalke legt das stärkste Spiel der bisherigen Saison hin und gewinnt doch nicht. Da ist sich die Fan-Schar großteilig einig. Aber unterschied sich diese Partie wirklich so sehr von den vorherigen? Und wenn ja, worin?

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Vom Bosporus

Galatasaray steht für aggressiven und intensiven Fußball mit viel Tempo. Dazu hat die Atmosphäre in deren Stadion ihre ganz eigene Folklore. Alles etwas einschüchternd und sicher mit großem Einfluss auf das Spiel. Interessant war zu beobachten, dass sie zu Spielbeginn sehr hoch pressten und das mit laufe der Partie immer weiter zurückzogen.

Das Team aus Istanbul formierte sich recht klar in einem 4-3-3. Der altbekannte Belhanda gab den rechten 8er und band sich recht häufig auf dem Flügel mit ein. Ansonsten wenig Spektakuläres in deren Spiel. Auffällig war nur, dass sie Schalke offensichtlich deutlich höher pressend vermutet haben. Immer wieder geriet der Spielaufbau ins Stocken, weil die Verteidiger auf Gegenspieler warteten. Doch die kamen nicht. Also mussten sie sich langsam an den Mittelkreis herantasten, wo Schalke dann wartete.

Vom Berger Feld

Schalke kam zurück zur 5er Kette. Und Stambouli kam zurück. Im 5-3-2 spielte Königsblau eigentlich recht ähnlich wie vor einem Jahr, als Meyer vor der Abwehr die Strippen zog. Diesmal war es halt nur Rudy.

Wobei Schalke im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich sichereres Pressing samt Gegenpressing aufzog. Aber das war in den letzten Partien ja eigentlich auch schon der Fall (siehe Gladbach oder Freiburg). Das Pressing zog Tedesco allerdings deutlich zurück im Vergleich zum Bremen Spiel am Wochenende. Er wollte wohl vermeiden einfach überspielt zu werden und in schnelle Angriffe zu laufen. Der Unterschied macht deutlich, Bremen spielt Ballstaffetten, Galatasaray eher schnell vertikal.

Allgemein war Schalke recht stark auf Sicherheit bedacht. Die Flügelspieler rückten nur selten vor. Spannend zu beobachten, wie gut Caligiuri und Stambouli hier harmonierten und sich gegenseitig ausbalancierten. Der Franzose rückte recht regelmäßig mit vor, besonders später in der Partie.

Vor allem Steil

Zwar habe ich gerade geschrieben, dass Schalke recht stark auf Sicherheit bedacht war, aber erstens ist Schalke das immer und zweitens heißt das nicht, dass bei Schalke nicht nach vorne gedacht wurde. Wurde nämlich. Deutlich.

Die Angreifer machten eine ganze Menge Meter. Ständig wurden sie Steil geschickt. Zu Spielbeginn noch viel über lange Bälle aus der Abwehrkette, je länger das Spiel aber ging, desto mehr zuspiele gab es auch auf kürzere Distanzen. Grundsätzlich ging es dabei meist aus dem 6er Raum auf den Flügel und dann in die Spitze. Teilweise über verschiedene Stationen, relativ oft aber nach dem Schalker Muster…

Diagonales Durchstecken

Es gibt ein Muster, was ein bisschen die große Stärke Schalkes in dieser Saison werden sollte, aber irgendwie bisher leider noch nicht so recht zündete. Dieses Muster ist es den Ball diagonal durchzustecken, so ein paar Verteidiger zu überspielen und einen gegenläufigen Diagonallauf einzuläuten, der mit Tempo Richtung Strafraum geht. Dieses Muster war zu Beginn der Saison häufig sichtbar, so auch in diesem Spiel. Ziemlich häufig sogar.

Die Frage die sich natürlich stellt ist, warum war das zuletzt seltener zu sehen? Die Antwort ist simpel: War’s gar nicht. Schalke versucht das zurzeit ständig. Bleibt damit in der Pressingliga Bundesliga allerdings ständig hängen. Gegen Galatasaray gab es mehr Platz. Denn auch wenn die Türken rigoros in den Zweikämpfen waren, die Defensive war klar auf den Ball orientiert und wenig auf den Raum drumrum. So hatte Schalke zwar zum Teil mächtig Druck, aber oft auch trotzdem noch Anspielstationen.

Pressing Steigerung

Weiter oben schon angerissen, kommt die Schalker Pressing Maschinerie immer besser in Lauf. Dabei sind die Entwicklungsschübe gar nicht so riesig wie von manchen wahrgenommen. Es wird halt von Spiel zu Spiel ein bisschen besser. Gegen Bremen funktionierte es gegen einen umtriebigen Gegner schon recht gut. Diesmal war der Gegner weniger umtriebig. Folgerichtig schnürrte Schalke Galatasary komplett zu.

Rot-orange kam damit überhaupt nicht zurecht und schien zum Teil sehr überrascht. Sie versuchten das mit Einsatz, Aggressivität und Intensität wett zu machen. Das klappte in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit recht gut, kostete aber auch einiges an Körnern. Zur 60. Minute war das Gros des Teams aus Istanbul stehend KO. Ergebnis war, dass das sie ihren Fußball immer weniger anbringen konnten, weil keiner mehr die Kraft dazu hatte. Auch die Stockfehler häuften sich jetzt und Abspiele wurden ungenauer.

Gleichzeitig wurde das eigene Pressing immer lockerer. Schalker wurden oft nur noch gestellt, nicht mehr wirklich attackiert. Königsblau kam also zu immer mehr Räumen und immer mehr Zeit für die eigenen Angriffe.

Anpassungen

Tedesco wird oft vorgeworfen zu viele Anpassungen zu machen. Diesmal gab’s keine. Personalwechsel waren ziemlich Positionstreu und in der Schlussphase rückten natürlich mehr Leute risikofreudiger auf, das war’s aber auch schon.

Die Türken dagegen machten einige Veränderungen durch. Die waren dabei allerdings sehr evolutionär. Wie schon berichtet zog sich das Pressing mit der Zeit Stück für Stück zurück. Das gleiche machte der 6er. Donk ließ sich immer weiter Richtung Verteidiger fallen und kippte schließlich deutlich ab, um der Defensive so mehr Grip zu geben. Zu Beginn der zweiten Halbzeit bildete er so in der Defensive den Zentralverteidiger, rückte in Ballbesitz aber deutlich vor. Zur 60. Minute stellte Fatih Terim allerdings richtig um und brachte einen anderen 6er um fortan im 5-3-2 ein Abwehrrigel zu installieren. Oder das zumindest zu versuchen. War ja wenig erfolgreich.

Ein paar Spieler in der Einzelbetrachtung

Breel Embolo zeigte wie stark er ist den Ball zu behaupten. Er zeigte auch wie schnell er ist und wie gut er sich Chancen erarbeiten kann. Er zeigte leider nicht, dass er das Tor auch treffen kann. Er zeigte das häufig nicht.

Ich habe generell keine sehr hohe Meinung von Yevhen Konoplyanka, glaube er hat kein gutes Stellungsspiel und kein Gefühl für Mitspieler. Ab und an schimpft Jakob mit mir und erklärt mir wo ich da Dinge übersehe. Oft hat er recht, meist sage ich ihm das aber nicht. In dieser Partie wurde aber selbst mir bewusst, dass Kono besser wird, was sein Gefühl für Räume angeht. Er hat sich zum Teil ziemlich gut positioniert und bewegt und konnte so einige Chancen kreieren.

Das erste Spiel von Sebastian Rudy in der Rolle für die er geholt wurde. Und machte das gut. Verteilte Bälle und machte Räume zu. Wenig Glamour, dafür sehr sicher, wie der die Fäden zog. Ich gehe davon aus, dass wir in eine Situation laufen, wie mit Neustädter damals. Die einen, die sehen mit wie wenig Aufwand Rudy das Spiel steuert und die anderen, die ihn für einen Mitläufer halten.

Benjamin Stambouli is back! Der 6er im Abwehrblock. Es wurde sehr deutlich wie groß sein Einfluss auf das Aufbauspiel sein kann. Besonders sein Aufrückverhalten in der letzten Halbenstunde ließ daran keinen Zweifel. Seinen Job in der Defensive machte er solide, der große Test blieb aber auch aus. Übrigens hab ich ihn nach dem Spiel zum ersten Mal Deutsch sprechen hören und bin schwer beeindruckt. Sehr flüssig und mit großem Wortschatz. Fetter Respekt.

Eine Einordnung

Viele Worte verlieren ist unnötig, wir haben in der neuen Episode des Halbfeldflanke Podcast alles ausführlich besprochen. Schalke spielt von Spiel zu Spiel besser und die Siege werden sich auch einstellen. Zumindest wenn alle ruhig und zielstrebig weiterarbeiten.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

4 Kommentare

wehren, ina · 26. Oktober 2018 um 12:26

halte tedesco grundsätzlich für absolut richtig auf schalke! würde mir wünschen, dass er sich für eine spieler-aufstellung entscheidet; das ständige wechseln der spieler kann nicht funktionieren!!! die aufstellung vom türkeispiel war doch vielversprechend und lässt hoffen auf “tore”, somit “punkte”, raus aus “tab-keller!!!”

Rjonathan · 26. Oktober 2018 um 13:42

Die Rolle von Uth als 8er hätte mich noch sehr interessiert. Ich habe das Gefühl, wir haben keinen besseren für den finalen Pass. In Hoffenheim ist er ja auch als Vorlagengeber erfolgreich gewesen. Könnte er vielleicht zu einer Art Tor gefährlicher 10er werden?

    Karsten · 26. Oktober 2018 um 22:49

    Oh Mist, da wollte ich noch drauf eingegangen sein. Ist ein bisschen unter gegangen. Finde spannend, dass der zum 8er wird und beobachte das noch ein bisschen. Macht das bisher ziemlich gut, finde ich.

Christian Weisz · 29. Oktober 2018 um 09:46

Ich hatte mir das Spiel einige Tage später noch angeschaut. Muss sagen, die Leistung wurde gestern in Leipzig bestätigt, wo wir nicht die bessere Mannschaft waren, aber die besseren Chancen hatten. In der Liga ist es ja schon fast “egal”, aber ich hoffe, in der CL fällt uns die Chancenverwertung nicht auf die Füße. Gala war schwach und konditioniell nicht CL-tauglich. Das soll unsere Leistung nicht schmälern, denn nach dem Saisonstart ist es eine psychische Leistung, da so aufzutreten. Das scheint eine Stärke von DT zu sein. Das Trainieren von funktionierenden Offensivspielzügen ist es nicht.

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