Es sind glorreiche Zeiten für den S04: Sechs Siege aus sechs Spielen, ein Torverhältnis von 15:3 und der erste Platz in der Tabelle! Hä, wat? Hat die Olle etwa gesoffen, fragt sich jetzt vielleicht so manche*r. Ja, schon. Aber die Zahlen stimmen trotzdem, denn sie gehören zum FC Schalke 04 Blau in der Kreisliga A der Frauen im Kreis Herne.

Und auch Team Weiß steht richtig gut dar, durch zwei abgesagte Partien mit 04 Siegen aus 04 Spielen auf Tabellenplatz 04 und bei den Ergebnissen gab’s hier auch schon zweimal ein 0:4 bzw. 4:0. Könnte eine Aneinanderreihung von Zahlen noch sympathischer sein? Vielleicht ja so:

In diesem anstrengenden Jahr 2020 gibt es mindestens zwei bedeutende Jubiläen für den deutschen Fußball. Zum einen sind es jetzt 50 Jahre seit der Aufhebung des lächerlichen Verbotes von Frauenfußball durch den DFB in der BRD. Zum anderen gibt es die Bundesliga der Frauen seit 30 Jahren.

Naja, und außerdem verkündete FC Schalke 04 im Juli überraschend, dass neben der Männerabteilung nun auch ein Frauenteam an den Start gehen solle, angedacht war die Kreisliga B. Letztendlich wurden es dann gleich zwei Teams in der Kreisliga A: FC Schalke 04 Blau und Weiß. Das ist mindestens mal regional bedeutend.

Glückauf!

Ich konnte aus verschiedenen Gründen leider noch keine Partie besuchen, deswegen möchte ich hier einmal durch das Internet rufen: Herzlich willkommen und Glückauf an alle Spielerinnen! Ich freue mich so für und mit euch und auf all die Spiele, die da noch kommen werden!

Wenn die allgemeine Situation es für mich wieder zulässt, gibt’s hier bestimmt auch mal was zum Sportlichen zu lesen. Ob die Saison beendet werden wird, bleibt wegen Covid abzuwarten, die nächsten Spiele sind durch die neuen Verordnungen alle abgesetzt.

Trotzdem ist es höchste Zeit, an dieser Stelle mal über Frauenfußball zu sprechen. Das geht aus meiner Sicht nicht, ohne so einige strukturelle Probleme im deutschen Fußball anzusprechen und auch Schalke kommt bei alldem bisher nicht besonders gut weg. Deswegen habe ich einfach mal formuliert, was ich mir wünsche.

I Empfehlungen des Hauses

Worum es hier weniger gehen wird, ist Historie. Einfach weil sich andere Menschen damit sehr viel besser auskennen als ich, denn ein entscheidendes Problem des Frauenfußballs in Deutschland ist es, dass selbst die Gegenwart teilweise unfassbar mühselig zu recherchieren ist (dazu später mehr). Wer sich für solch aufwändige Recherche und das Sichtbarmachen scheinbar längst vergessener Geschichte(n) und Personen interessiert, sollte unbedingt in den Legendeverloren Podcast reinhören.

Und auch an FRÜF – Frauen reden über Fußball führt kein Weg vorbei, Gespräche über Frauen- und Männerfußball zwischen Kommerz, alten Rollenbildern, Trikotsponsoren-Scham und anderen übergreifenden Themen – was willst du mehr? Aktuelles zu Frauen-Bundesliga und Pokal gibt’s bei Lottes Erbinnen.

Aus Eintracht Erle wurde Schalke 04

Aber zurück zum Schalker Frauenfußball: Es gibt einen extrem guten Artikel im Schalker Kreisel vom September 2020, falls den einige von euch aus lauter Fußballfrust nicht mitbekommen haben sollten. Da beschreibt die Schalker Vereins-Archivarin Dr. Christine Walther die Zeit des ersten Frauenteams auf Schalke in der Zeit zwischen 1975 und 1987.

Es kommen die ehemaligen Spielerinnen Regina Klose und Marion Molenkamp zu Wort und es wird die Gründung durch die Übernahme von Eintracht Erle durchaus kritisch aufgearbeitet. Bisschen schade, dass der Text nicht öffentlich zugänglich ist, für Mitglieder ist er hierüber abrufbar.

II Zum geplanten Aufbau

Nun handelt es sich bei der jetzigen Gründung bekanntermaßen nicht um eine Übernahme, daher ja auch der Start beider Teams in der Kreisliga. Jedes Jahr soll zudem ein weiteres Nachwuchsteam für den Unterbau hinzukommen. So sollen unter der Leitung von Bodo Menze langsam und nachhaltig eigene Strukturen aufgebaut und der Breitensport gefördert werden.

Die Breitensportförderung wird dabei von den Verantwortlichen als Ziel immer wieder betont, für den Fall des Erfolges halten sie sich bedeckt. Generell sind aktuelle Informationen außerhalb von Ergebnissen nur schwierig zu bekommen. Einen eigenen Platz auf der Vereinswebsite gibt es auch nach Monaten noch immer nicht.

Forderung 1: Her mit der Website!

Deswegen starte ich hier gleich mal mit Wunsch Nummer eins, der so konkret wie simpel ist: Bitte, verdammt noch mal, richtet endlich eine eigene Seite ein mit Tabelle, Teams (ja Teams, nicht „Mannschaften“), Infos zum Trainerteam, Spielansetzungen und all dem guten Zeugs und informiert da dann auch wie es aktuell gerade so aussieht wegen Covid. Wird gespielt? Können die Spiele besucht werden?

Ich hänge noch einen zweiten Wunsch an, was das Layout der Website und die damit verbundene Wertung angeht: Bitte klatscht nicht einfach ein „Frauen“ neben die „Profis“, ich hoffe, das erklärt sich von selbst.

Förderung, aber mit welchem Ziel?

Dass kein anderer Verein aufgekauft wurde und lieber von unten aufgebaut wird, finde ich gut und nachvollziehbar. Es gibt Argumente dafür, das anders zu sehen. Lina Magull z.B., gebürtige Dortmunderin, allerdings Fan und Spielerin des FC Bayern München, äußerte sich dazu zuletzt kritisch (Bezahlartikel). Angesprochen wurde Magull auf die Abstimmung bei den Gelben, wie ein Einstieg in den Frauenfußball dort aussehen könnte.

Sie erhoffe sich, dass der BVB einen Einstieg weiter oben erwäge, also mit Hilfe einer Übernahme, und dadurch nicht erst in zehn Jahren in der Bundesliga ankäme. Die zusätzliche Aufmerksamkeit und Reichweite für die gesamte Liga seien einfach zu wichtig.

Forderung 2: Ziel Bundesliga

Aus Sicht einer Spielerin in eben dieser Liga verständlich. Ich bin trotzdem froh, dass Schalke es anders macht. Auch die Dortmunder*innen haben sich übrigens letztendlich so entschieden, allerdings mit dem klaren Ziel: Aufstieg in die Bundesliga so schnell wie möglich. Natürlich möchte ich genau das auch gerne von Schalke hören, mindestens mal ein klares Bekenntnis dazu, dass die Entwicklung der Frauenabteilung nicht unnötig ausgebremst wird.

Die beiden Schalke-Teams stehen gerade nicht umsonst so gut in der Tabelle, für Schalke möchten sehr viele talentierte Frauen spielen, der Andrang bei den Probetrinings war groß. Einige Spielerinnen mussten sogar weggeschickt werden, weil es für sie ein krasser Rückschritt gewesen wäre hier zu spielen. Diese Strahlkraft wird es auch in Zukunft geben. Es wäre fahrlässig, sie nicht zu nutzen.

Forderung 3: Trainerinnenförderung

Es gibt aber noch einen anderen Punkt beim Thema Förderung, der mir wichtig ist, das ist die Trainerinnenförderung. Es gibt noch immer viel zu wenige Fußballtrainerinnen, in der Bundesliga gibt es gerade nur eine einzige – Nora Häuptle beim SC Sand. Ich fände es total klasse, wenn unser Verein sich besonders darum bemühen würde, auch die Talente an der Seitenlinie auszubilden.

Durch die Knappenschmiede gibt es ja auch in diesem Bereich bereits Erfahrung, auf der sich aufbauen lässt. Und wenn die ganze Abteilung in Zukunft nicht ausschließlich von Männern geleitet würde, wäre das auch ein echtes Träumchen.

III Das Buffet ist geschlossen – Zum Thema Übernahmen

Aber bleiben wir mal eben noch bei Vereins-Übernahmen und dem Fan-Dasein im Frauenfußball, denn da hängt einiges dran. Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich auch Fan der SGS Essen bin, deren Verantwortliche sich immer in aller Schärfe gegen eine mögliche Übernahme durch einen großen Männerverein wie z.B. Schalke stellen.

Auch wenn es für meine SGS so immer schwieriger werden wird in einer Bundesliga zu bestehen, die nun größtenteils Vereine mit Männerfußball-Hintergrund beherbergt. (Ich wäre auch aus anderen Gründen übrigens mal für eine Aufstockung der Liga, aber das ist ein anderes Thema.) Diese Vereine bieten ihren Spielerinnen somit ganz andere Strukturen, Trainingsmöglichkeiten, bessere finanzielle Voraussetzungen, sowie potentiell mehr Aufmerksamkeit.

Die Geschichte schreibt, wer übrig bleibt

Das Los als Ausbildungsverein ist schwer (diese Saison ganz besonders), trotzdem freut es mich, dass die SGS das nicht mitmachen möchte. Mir würde da einfach zu viel verloren gehen, unter anderem die Historie. Auch z.B. der vorhin erwähnte Text im Kreisel erzählt nicht die Geschichte von Eintracht Erle – sondern nur die vom Verein danach, Schalke. Das ist kein Vorwurf, es ist einfach die Art wie Geschichte oft erzählt, erinnert wird.

Jedenfalls ist für mich das Gefühl als Fan eines der letzten Frauenteams ohne Männerclub im Rücken vergleichbar mit dem Gefühl, Fan eines der letzten e.V.‘s in der Männerbundesliga zu sein. Gleichzeitig ist es auch komplett anders.

Auch wenn es definitiv Frauenteams gibt, die ich absolut nicht ausstehen kann, freue ich mich trotzdem über jedes bisschen Aufmerksamkeit für diesen Sport. Selbst wenn es für das falsche Team ist. Ich glaube diese Art von Solidarität gibt es im Frauenfußball häufiger als im Männerfußball (so nehme ich es wahr) und das finde ich schön. Gepöbelt wird trotzdem <3

IV Lass uns ein Fass aufmachen

Überhaupt empfinde ich das Fan-Dasein im Frauenfußball anders als im Männerfußball. Das fängt damit an, wie und wann ich Fan des jeweiligen Vereins geworden bin und geht damit weiter, wie anschlussfähig das Thema „Verein X“ bei einem zufälligen Kneipentratsch ist. Wie kacke oder super Männer-Schalke spielt bekommt so ziemlich jede*r mit. Sogar Leute die nicht so richtig was mit Fußball zu tun haben. Bei den Frauen hört es spätestens nach Wolfsburg und Bayern dann schnell auf.

Problemfeld LIVE-Übertragungen – Zum Thema Gleichwertigkeit

Das kreide ich jedoch keiner Einzelperson an, sondern u.a. dem DFB, der nicht genug dafür tut, Aufmerksamkeit und Interesse zu erzeugen. Fan eines Frauenteams zu sein, fühlt sich oft an wie Arbeit, weil nach jedem Fitzelchen Information aktiv gesucht werden muss. Wie es anders geht lässt sich z.B. in England und Spanien wunderbar beobachten.

Da wird Geld in Werbespots gesteckt und siehe da: Die Stadien sind voll. Da wird Geld in eine App gesteckt, mit deren Hilfe sich die meisten Liga-Partien schauen lassen und siehe da: Menschen gucken englischen Frauenfußball, denn es ist einfach das zu tun.

Es ist in Deutschland im Jahr 2020 einfacher, Partien aus den USA und England zu verfolgen, als welche aus der Bundesliga. Ich habe von der aktuellen Saison z.B. von den 7 Spielen meines Teams nur zwei sehen können. Ich hätte bei einigen Spielen ins Stadion gehen können, aber das empfinde ich als unnötiges Risiko. Also schaut man dann entweder etwas gezwungen eine der anderen Partien oder eben doch die Männer.

Die Highlights gibt’s teilweise erst am Montag. Übertragungen fallen unangekündigt und unentschuldigt aus. Statt Siegesehrungen gibt’s Werbung. Nach größeren Werbekampagnen außerhalb des kurzen Aufschreckens vor einem Internationalen Turnier wollen wir lieber gar nicht erst zu suchen anfangen.

Ausbremsen gilt nicht

Besonders wenn dann noch die finanzielle Seite ins Spiel kommt, kommt schnell von irgendwo das Argument: „Joa nu, es gibt eben kein Interesse und wo kein Interesse da auch kein Geld, so funktioniert eben der Markt, blablabla.“

Aber wie soll ein solches Interesse denn entstehen, wenn so gut wie nichts dafür getan wird, es zu erzeugen? Wenn der Eindruck entstehen könnte, dass ein solches Interesse vielleicht gar behindert wird durch Anstoßzeiten um 16 Uhr mitten in der Woche für ein Spiel Deutschland gegen England, das bei den Männern abend- und nachtfüllend ausgeschlachtet würde? Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Forderung 4: Macht euren Job, DFB!

Das richtet sich an den DFB. Es ist eure Aufgabe im Rahmen der Aushandlung von Übertragungsrechten auch dafür zu sorgen, dass euer “Produkt” benutzerfreundlich am Markt platziert wird.

Das heißt für mich: Möglichst viele Spiele, die LIVE geschaut werden können, verteilt auf so wenige Sender wie möglich, versteckt hinter so wenigen Barrieren wie möglich. Eine App ähnlich zum FA Player wäre ein guter Anfang. Ja, das wird Geld kosten. Nein, es gibt keinen Ertrag ohne Investition.

Zeigt her eure GIFs

Beim Thema Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit kommen aber neben den ignoranten Sportmedien auch die Vereine selbst ins Spiel. Das Geld, das da ist, wird oft direkt in den Sport selbst gesteckt, seien es nun Gehälter oder Unterhaltskosten. Viele Vereine haben keine richtige Presse- und Social Media-Abteilung mit bezahlten Kräften.

Das mag kurzfristig eine finanziell schwierige Investition sein, würde den Vereinen mittel- bis langfristig aber auch wieder einiges einbringen, davon bin ich überzeugt. Die Vereine mit Männerbackground haben es hier einfacher, denn dort gibt es solche Abteilungen und die dazugehörigen Kanäle bereits.

Trotzdem dämmert es oft sehr langsam, was für eine Kraft dahinter liegen könnte. Wenn z.B. auch auf dem Account der Männerabteilung über das Frauenteam berichtet wird, schließlich repräsentieren sie alle gleichermaßen den Verein. Es tut etwas weh das zu schreiben, aber die Rede ist hier von Manchester City, die auch ansonsten oft vorbildlich in dem Bereich sind. Aber auch der Arsenal FC z.B. gibt ein gutes Bild ab.

Forderung 5: Nutzt eure Kanäle für gleichwertige Repräsentation

Also Schalke: Ladet die Spielerinnen doch z.B. zu den Fotoshootings für den neuen Katalog oder die neusten Trikots ein. Präsentiert sie gleichwertig zu Raman und Co. Total egal, dass es aktuell die Kreisliga ist, ich will sehen, dass ihr es ernst meint! Es geht um tatsächliche Gleichwertigkeit, es gibt genügend Mittel und Wege die auszudrücken.

V Einmal Zahlen, bitte – Zum Thema Datenhistorie

Weiter oben schrieb ich, es ginge hier nicht um Historie. Größtenteils stimmt das, andererseits ist das hier ein Taktikblog und eine Sache, mit der sich die meisten Taktiknerds in irgendeiner Form beschäftigten sind Daten und auch Datenhistorie. Deswegen möchte ich hier am Ende noch auf ein Problemfeld eingehen, das oft übersehen wird. Es ist eine natürliche Folge aus den Dingen, die ich vorher angesprochen habe.

Spielanalysen, wie ihr sie z.B. auch von uns hier auf Halbfeldflanke kennt, sind oft voller Daten und Statistiken. Erst vor kurzem hat sich Karsten z.B. die Mühe gemacht, eine Einführung zu den grundlegendsten Metriken zu verfassen.

Nun sind diese Metriken grundsätzlich erst einmal spielbezogen. Nehmen wir mal ein ganz simples Beispiel. Egal, wie viele Spiele es vorher gab und nachher noch kommen werden, wenn in einer Partie das eine Team 35 % Prozent Ballbesitz und das andere 65% hatte, lässt sich damit für das eine Spiel ein bisschen was anfangen. Vor allem, falls wir noch auf andere Werte Zugriff haben.

Daten können Kontext schaffen

Sagen wir spaßeshalber mal, das Team mit den 35% ist Duisburg und das mit den 65% ist Schalke. Wir sehen an den Zahlen, dass es im Spiel einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Teams gegeben hat. Sehr wahrscheinlich deckt sich das bei einem so großen Unterschied ungefähr mit unserer Wahrnehmung des Spiels.

Vergleiche lässt das allein jedoch nicht zu. Weder zu Spielen von Duisburg und Schalke vorher. Noch zu den Spielen anderer Teams. Denn die Daten dieser anderen Spiele fehlen uns. Komplett. Dabei hätten sie uns helfen können, die einzelne Partie in einem größeren Kontext zu bewerten:

Ist solch eine Differenz normal, hat Schalke immer so viel Ballbesitz oder Duisburg immer so wenig? War es ein Ausreißer? Wie nah liegen die Werte in der Liga durchschnittlich beieinander? Wie war es in den Saisons davor? Wie hat sich das Spiel in der Liga gemessen an Zahlenwerten in den letzten Jahren entwickelt? Wird z.B. mehr gelaufen?

Vergleichen, aber wie und womit?

Im Männerfußball ist das alles easy rauszufinden, sogar für kleinteiligere Metriken. Und das obwohl in den letzten Jahren erkannt wurde, wie kostbar diese Daten sind und deshalb immer mehr nur noch für zahlende Großkunden (wie Medienanstalten und eben Fußballvereine) zu haben sind.

Salif Sané hat laut whoscored in dieser Saison stand jetzt pro 90 Minuten durchschnittlich 2,3 Pässe abgefangen und 4,3 klärende Aktionen. Der erste Wert ist in der Männerbundesliga nur Mittelmaß, beim zweiten Wert ist er in den Top 10 der Liga.

Für die Frauenbundesliga habe ich bis heute keine Website gefunden, die so etwas festhält. Solche Daten existieren im Frauenfußball in der Öffentlichkeit nicht. So etwas banales wie den Ballbesitzwert gibt es im Frauenfußball oft nicht. Eine Tabelle ist hier schon ausführlich, wenn es eine Foulstatistik gibt.

Ich vermute, dass all diese Daten auch im Frauenfußball erhoben werden, aber sie sind den meisten Medien zu teuer? Landen deswegen nicht in der Öffentlichkeit? Aber vielleicht liege ich damit auch falsch. Jedenfalls würde ich mir lieber Statistiken anhören, als zum hundertsten Mal erzählt zu bekommen, welchen berühmten Boyfriend eine der Spielerinnen hat oder wer ihr berühmter Vater ist….

Kontext is Queen

Die Datenlage ist so dünn, dass sogar Goalimpact bei der letzten Frauen WM etwas ins Schwitzen gekommen ist. Und von FIFA-Spieler*innen gibt es immer wieder berechtigte Kritik an den Werten, die EA sich für Rapinoe und Co zusammenreimt. StatsBomb bietet hin und wieder etwas an, so drei bis viermal im Jahr.

Zahlen und Daten sind nicht das einzig wahre Mittel, um über Fußball zu sprechen. Richtig eingesetzt können sie aber zu wertvollen Erkenntnissen beitragen. Ohne sie wird Kontextualisierung schwierig. Subjektive Wahrnehmung wird schwieriger zu belegen oder zu widerlegen. Das Beobachten einer langfristigen zeitlichen Entwicklung fast unmöglich.

Oldschool ist nicht immer cool

Im Frauenfußball fehlen oft andere Dokumente, um diese dürftige Datenlage auszugleichen, wie z.B. alte Fernsehaufzeichnungen oder ausführliche Zeitungsberichte. Damit wären wir dann doch wieder bei Historie angekommen. Auch das ist natürlich eine Auswirkung der spärlichen Übertragungen und der seit jeher lückenhaften Dokumentation durch so einige Verbände.

Das führt zu solch spannenden Blüten wie der Suche nach der ersten Torschützin der Frauen-Bundesliga. Manch eine*r empfindet das Fehlen von Zahlen vielleicht als erholsam und schön oldschool. Es führt aber auch dazu, dass noch eine weitere Zugangsmöglichkeit diesem Sport verbaut wird.

Es gibt immer wieder Fanprojekte, die versuchen das zu ändern. Sei es durch Podcasts oder den unfassbar aufwändigen Versuch einer eigenen Datenerhebung, wie durch diesen Fan der NWSL, dem die Sache 2018 verständlicherweise einfach zu stressig wurde. Sein Blog ist ein wahrer Schatz.

VI Absacker

Ich freue mich über unsere neuen Teams. Es macht mich traurig, dass sie ausgerechnet in diesem Jahr an den Start gehen mussten. Ich denke, dass da was richtiges Tolles entstehen kann. Und ich will unbedingt, dass Schalke es ausnahmsweise mal einfach nur richtig gut macht.

Vorausschauend, mit Ehrgeiz. Aber auch mit Respekt für die, die vorher schon da waren. Das Fundament dafür wurde gelegt, jetzt muss das Grundgerüst gebaut werden und ein paar konkrete Vorschläge habe ich gemacht.

Vom DFB verlange ich viel, viel mehr. Welch Fußballmensch tut das nicht. Silvia Neid hat durchblicken lassen, dass für dieses Jubiläumsjahr eigentlich Dinge geplant waren, die dann durch Covid nicht umgesetzt werden konnten. Das ist sicher alles nett, aber mir wird da zu oft die Verantwortung abgewälzt auf z.B. den Erfolg des Nationalteams.

So etwas ist sicher ein Faktor für Begeisterung, ändert aber auch nichts daran, dass es einfach aktuell zu umständlich ist diesen Sport zu verfolgen. Es muss unbedingt eine bessere Lösung für die Übertragungen gefunden werden.

Was denkt ihr denn so zu all dem? Habt ihr schon ein Spiel der Schalkerinnen gesehen? Ich freue mich auf eine Zeit, in der soetwas wieder unbeschwert möglich ist. Bis dahin: Passt gut auf euch auf!

P.S.: Allen, die den Fußballmanager spielen, kann ich in dem Zusammenhang auch diese Mod empfehlen, die euch mit realen Frauenteams und Spielerinnen zocken lässt. Allein um das Ausmaß der hineingesteckten Leidenschaft zu bestaunen lohnt da schon der Download.


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Annika

Annika ist in Essen geboren und rannte im Stöpsel-Alter im selbstgebastelten Asamoah-Trikot über die Wiese. Verfolgte den S04 eine ganze Zeit lang aus dem fernen Niedersachsen und studierte dort Kulturwissenschaften und -Journalismus. Lebt seit einer Weile wieder im Pott. Fing ca. 2012 an sich durch das Lesen auf Spielverlagerung für Taktik zu interessieren und ist seit 2019 beim Halbfeldflanke Podcast dabei.

8 Kommentare

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sascha · 30. Oktober 2020 um 14:19

sehr schön geschrieben! ich hoffe sehr, dass alle deine wünsche erfüllt werden. und das nicht erst in 10 Jahren.

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    Annika · 30. Oktober 2020 um 16:10

    Danke 😀

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Georg · 30. Oktober 2020 um 17:24

Sehr schön geschrieben und danke für die vielen Anregungen! Das Einzige was ich mich gefragt habe – warum wurden denn Schalke Blau und Schalke Weiß in der selben Staffel gemeldet und gibt es eine klare Abgrenzung zwischen den beiden? Also sowas wie erstes und zweites Team oder sind beide Teams gleichwertig?

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    Annika · 30. Oktober 2020 um 18:03

    So weit ich weiß sind beide gleichwertig, allerdings sind in dem einen Team eher jüngere Spielerinnen und in dem anderen eher die Älteren. Das stand zunindest so in irgendeinem der Artikel, die ich gelesen habe. Ich weiß aber nicht, welches Team das jeweils ist.

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Exil-Schalker · 31. Oktober 2020 um 15:54

Vielen Dank für den Bericht, der auch einige Informationen bereit hielt, die ich so noch nicht kannte!

Ich habe mich gefreut wie Bolle, als feststand, dass wir endlich, endlich auch im Frau-Fussball aktiv werden! Tolle Sache!

BWG

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Frank · 1. November 2020 um 09:43

Sehr informativer Bericht und sehr gut geschrieben. Ich habe irgendwo gelesen, das Schalke an der Erstellung der Homepage arbeitet. Wir hatten doch schon einmal eine Kooperation mit einer Frauenfußballmannschaft, oder nicht ?

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Schalker · 2. November 2020 um 08:58

Na immerhin waren im aktuellen Schalker Kreisel von beiden Teams die Gruppenfotos (ganzseitig).

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Daniel · 2. November 2020 um 13:44

Guter Artikel! Einen Bereich für die Fußballerinnen auf der Homepage gibt es bereits, inklusive Teamfotos und informativem Video über Vorbereitug, Heimspiel, Interviews mit Spielerinnen und Verantwortlichen usw.!
https://schalke04.de/verein/abteilungen/frauenfussball/

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