Schalke machte in einer Krisen-Saison zu Karneval eine Super Krise durch. Die scheint durchstanden, das Echo hallt aber noch deutlich nach. Eine kleine Chronik.

Torflaute, die

Schalke hat ein Problem mit dem Toreschießen. Doch es scheint drastischer zu werden. Lassen wir die letzten Wochen nochmal Revue passieren…

Bei der Niederlage gegen die Bayern, da gab es das letzte Schalker Tor für lange Zeit, ein Konter. Dann folgte das Torlose Spiel gegen Freiburg. Im Achtelfinale der Champions League wurde Manchester City zwar an den Rand einer Niederlage gebracht (siehe Analyse), aber dennoch verloren. Es gab nur zwei Torschüsse, beides Strafstöße.

Spätestens im Nachzug dieser Partie eskalierte die Diskussion um die Schwierigkeit Tore zu schießen bei Schalke 04. Das ist letztlich nichts neues (siehe Analyse der Vizemeistersaison), sicherlich durch die aktuelle Situation und die Spiele in letzter Zeit noch ein Stückchen verschärft. Es wurde medial viel und laut gemäkelt, dass Schalke keine Offensive könne.

Zu Gast beim Karnevalsverein

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Tedesco wollte, wie so oft, auf die Kritik reagieren. Geplant war ein Offensivfeuerwerk abzubrennen, wie selten zuvor. Dazu baute er sehr offensiv auf. Doppelspitze, Bentaleb und Rudy als vertikal denkendes Mittelfeld und Mascarell als Strippenzieher im Zentrum. Soweit zumindest der Plan.

Denn auf ging gar nix. Mascarell irrte übers Feld wie ein Kopfloses Huhn, spielte die vermutlich schlechtesten Pässe seiner Karriere. Rudy orientierte sich darum eher nach hinten und stand eigentlich fast immer in irgendeinem Deckungsschatten. Offensiv war er sehr unauffällig.

Der Effekt war, dass die Abteilung Attacke komplett in der Luft hing. Uth versuchte gleichzeitig hängende Spitze und offensives Mittelfeld zu spielen. Und Bentaleb war sichtlich sauer. Er schaltete jetzt in den Zidane Modus und versuchte alles alleine zu reißen.

Das eigene Spiel kam also gar nicht erst in Tritt, von Offensivfeuerwerk ganz zu schweigen. Das Problem war der Gegner. Mainz überrannte Schalke förmlich. In Zweikämpfe verwickelt kam Schalke auf keinen grünen Zweig. Eigentlich konnte sich Schalke über die komplette Partie nie vom Druck der Mainzer befreien.

Die eigenen Angriffe wurden durch ein schwaches Mittelfeld unterbrochen eh nicht vernünftig ausgespielt. Und gegnerische Angriffe wurden schlecht unterbunden, weil man ja nach vorne verteidigen wollte, das aber schlecht umsetzte. Und während Schalke immer frustrierter mit sich selbst schien, aber keinen Hebel fand daran etwas zu ändern, so spielte sich Mainz in einen Rausch und die Gäste an die Wand.

Und dazu kam dann auch noch die Kündigung von Christian Heidel.

De Fortuna kütt

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Stimmung war schlecht und der Sportvorstand weg. Heidel hat auch immer dafür sorge getragen, dass der Boulevard nicht viel zu tratschen bekam. Das änderte sich umgehend. Und so wurde die Schalker Fan-Seele angestachelt. Tedesco war sich der Situation sehr bewusst und wollte gegen den vermeintlich schwachen Aufsteiger zuhause endlich einen Sieg servieren.

Er stellte wieder offensiv auf. Burgstaller wurde flankiert von Harit und Uth, stolze 3 Spitzen also. Dahinter die klassische Doppel-6 Bentaleb und Stambouli. Tedesco gab nach dem Spiel zu protokoll, dass eigentlich sehr offensiv gedacht werden sollte, 6 Spieler vorne, nur 4 nach hinten. Von überall schallte es aber, dass die Mannschaft Blutleer gewesen sei.

Tatsächlich waren die Knappen sehr engagiert. Schalke hatte 25% mehr schnelle Läufe als die Fortuna, 19% mehr intensive Läufe und 11% mehr Sprints. Das klingt nicht als gäbe es keinen Einsatz. Stattdessen wirkte es eher so, als dass nahezu jeder Spieler allen beweisen wollte, dass er allein Schalke retten kann. Als Ergebnis ist aber das Kollektiv auseinandergefallen, was für Tedescos Schalke so enorm wichtig ist. Anstatt Gemeinschaftswerk gab es nur zerfahrenes Stückwerk.

Ein gutes Beispiel ist auch Sané. Was der am Anfang verteidigt hat, war unfassbar gut. Weiträumig, sehr aktiv und antizipativ. Irgendwann schien sich aber der Gedanke festzusetzen noch mehr tun zu müssen. Er spielte plötzlich viel zu Risikoreich, weil er alles allein verteidigen wollte. Was natürlich nicht funktionieren kann.

Und besonders drastisch wurde das alles natürlich beim Pressing. Eigentlich die große Stärke Tedescos. Unabhängig von der Formation funktionierte das mit wenigen Ausnahmen eigentlich seit Dienstantritt. In dieser Partie allerdings überhaupt nicht. Stattdessen wollte jeder einzeln den Ball zurückerobern, leichtes Spiel für die Fortuna.

Das größte Problem war also die Nervosität. Einfachste Aktionen schlugen fehl. Das bemerkte die Mannschaft und wollte es direkt besser machen, baute also noch mehr Druck auf. Ergebnis war der Blackout. Ganz ähnlich wie Prüfungsangst in der Schule. Letztlich hatte Schalke der Konterstärke der Gäste also nur einfache Manndeckung entgegen zu setzen. Und immer schwerere Beine.

Die Szenen nach Abpfiff haben sicher nicht dazu beigetragen die Situation fokussierter anzugehen.

Nah anne Weser gebaut

Die Grundformationen nach der Anfangsphase. Stambouli gab zunächst den Zentralverteidiger in einer 3er Kette.

Mit ein paar personellen Veränderungen ging Tedesco in ein sehr schweres Spiel, im Vergleich zu den beiden vorherigen Partien war das schon vor Anpfiff klar. Sané kam erst in der Schlussphase als Stürmer, dafür begann Schalke mit Stambouli als Zentralverteidiger, der aber nach der Anfangsphase nach vorne schob. Schalke ab da im 4-3-3. Vorne bildete Embolo mit Burgstaller die Doppelspitze (das hat unter Weinzierl schon gut geklappt) mit Skrzybski direkt dahinter. Mark Uth war nichtmal im Kader.

Der Ansatz des Spiels war der, den Tedesco immer dann rausholt, wenn’s nicht läuft. Und darum auch so ein bisschen das immer wiederkehrende Grundschema Schalkes seit Weihnachten 2017. Schnell und lang in die Spitze sollte gespielt werden und ansonsten: Pressing, Pressing, Pressing. Das erste Tor zeigte das in Vollendung. McKenny gewinnt in einem Luftzweikampf nach einem weiten Ball nach vorne, legt ab auf Embolo, der noch ein paar Meter geht und abschließt. Leider, gab es solche Tore viiiel zu selten, wenn bedacht wird, wie oft genau das der Plan war.

Allerdings kam mit dem Rückstand auch das Nervenflattern wieder. Und dass Schalke ja gleichzeitig auch etwas auf machen musste um Tore für eventuelle Punkte zu erzielen, spielte Bremen in die Karten. Die Unsicherheit, oder der Abstiegskampf, war jedem einzelnen anzusehen. Das ist das Problem mit diesem Druck, befreites Aufspielen funktioniert dann nicht mehr.

Interessanter Weise funktionierte das Pressing trotzdem wieder recht gut. Tedesco bringt die Mannschaft zu den Spielen immer wieder gut in Schuss, an der Mentalität scheitert es eigentlich nie. Hier klar zu sehen an 59% gewonnener Zweikämpfe. Schalke gab 14 Torschüsse ab und erreichte einen expected Goals (xG) Wert von 1,54. Jeweils der zweithöchste Wert der Rückrunde nach dem Wolfsburg Spiel. Allerdings war die Effizienz und die Ausbeute der Offensivbemühungen trotz des Embolo Doppelpacks erneut zu dürftig.

Trotz der angespannten Situation zurzeit, war dieses Spiel eigentlich eins der besseren. Etwas mehr Spielglück und Schalke hätte hier Punkte mitgenommen. In der Liste dieser 3 Spiele sticht das Spiel in Bremen daher klar raus, die Begegnung in der Hinrunde war schlechter.

Watt nu?!

Innerhalb der nächsten Woche folgt jetzt erstmal das Rückspiel gegen Manchester City und dann kommt Leipzig. Eigentlich sind das Spiele in denen Schalke sich Mut und Selbstvertrauen zurückholen kann, weil seriöse Erfolgsaussichten eher gering sind. Interessant wäre, wenn Schalke gegen Leipzig wieder so spielt wie in der Hinrunde. Würde das dann als gut interpretiert oder als schlecht? Wir werden es sehen.

Prinzipiell scheint die Karneval-Krise (Mainz & Düsseldorf) mit dem Bremen Spiel überwunden. Jetzt ist Schalke zurück in der Saison Krise 2018/19. Das ist weniger drastisch, aber auch nicht wirklich mit Punkten gesegnet. Die sind ja aber wirklich nötig jetzt. Allein das Restprogramm macht mut, es wird noch gegen alle gespielt, die hinter Schalke stehen.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

7 Kommentare

Dennis · 9. März 2019 um 12:23

Tedesco wird ja oft vorgeworfen, zu defensiv zu denken. Das könnte jetzt nach 11 Gegentoren in 3 Spielen vielleicht endlich aufhören. Es klingt komisch, aber eigentlich müssten wir viel defensiver spielen! In deiner Analyse zum Hinspiel gegen City hast du ja sehr schön erklärt, dass wir das Spiel verloren, als wir nach dem Platzverweis für den Gegner eben nicht mehr so konsequent verteidigten.

Richtig scheint mir zu sein, dass wir offensiv zu wenig kreativ und zu schwach im Abschluss sind. Das ist nur dann dasselbe wie “zu defensiv”, wenn man – meiner Meinung nach fälschlicherweise – daran glaubt, dass Offensive und Defensive ein Nullsummenspiel sind, dass der Trainer einen einzigen Schieberegler bedient, der zwischen totaler Defensive und totaler Offensive skaliert ist. Interessant, dass du schreibst, Tedesco wolle oft auf Kritik reagieren. Haben wir jetzt so lange versucht, “weniger defensiv” zu spielen, bis unsere Abwehrarbeit genauso schlecht ist wie unser Angriff?

Die große Frage ist natürlich, warum wir nicht mehr Torgefahr entwickeln. Kann Tedesco das wirklich nicht? Liegt es an den Verletzungen im Sturm? Stimmt die Mischung in der Mannschaft nicht? Sind die Spieler nicht in der Lage, tatsächlich “miteinander” und nicht nur auf demselben Fußballfeld zu spielen? Falls du eine Meinung dazu hast, würde die mich sehr interessieren.

Julius Frings · 10. März 2019 um 22:37

Ich wollte nur sagen das mir McKennie in den letzten Wochen unfassbar gut gefällt und das in so einer Phase. Es wirkt so als wäre er noch kraftvoller und selbstbewusster geworden. Das wird der nächste ganz ganz große.
Embolo macht hoffentlich so weiter, er scheint bis jetzt während der Verletzungspause Coolness vorm Tor gewonnen zu haben. Auch das Tedesco ihn direkt nach der Pause von Anfang an spielen lässt spricht für ihn.
Das meine beiden Hoffnungsträger für die nächsten Wochen.

Spannend wird es auch wie Tedesco auf Cali´s Ausfall reagiert. Schöpfi ist auch verletzt, McKennie fände ich etwas verschwendet, Riether ist auch schon gefühlte 50. Rudy wäre eine Option, weiß aber nicht ob man auf der Position jetzt einen Zweikampf Schwachen Spieler gebrauchen kann. Ich würde mal einen Stambouli probieren, weil der das glaube ich mit seiner Spielintelligenz, Technik und Kampfstärke gut hinkrigen könnte.

FloKno · 13. März 2019 um 10:00

Hab gerade bis ‘durchstanden’ gelesen.

    Karsten

    Karsten · 14. März 2019 um 20:40

    Da steht “scheint durchstanden”. Siehe Unterschied zwischen Schein und Sein.

Matt · 14. März 2019 um 19:30

Hi zusammen
Die Karnevalskrise ist wohl nur dadurch beendet das Karneval vorbei ist. Dann kam City. Und wieder stellt sich die Frage war das nun der Höhepunkt? Als Ex Fußballer kann ich schon nachvollziehen wie schwer es ist in einem aussichtslosen Spiel sich zu motivieren. Aber es gab immer die Grenze zwischen Niederlage und Blamage. Wie auch immer ist die die größte der Fragen: was nun? Mit Tedesco oder ohne. ich kann für meinen Teil das Zögern der Vereinsführung verstehen. Halte selbst Tedesco für einen super Trainer der top zu Schalke passt. Sicher ob er bleiben sollte bin ich mir nicht. Viel zu realistisch ist nun das Szenario Abstieg geworden. Einen Top mann aufzugeben um den Spielern die man nicht in der Saison austauschen kann ein Alibi zu geben ist nunmal eine reele Chance für einen Neustart. Zum dem hat Tedesco mit Worten und Taten für mich noch immer nicht unwichtige Spieler wie Uth, Harit, Rudy verloren. Meine Meinung hat in der Sache kein Gewicht aber ich wünsche mir schnell eine Entscheidung die bis Saisonende Gültigkeit hat. Welche auch immer aber zumindest das diese Diskussionen enden auch wenn es dann neue ergibt. ich würde mir auch einen Kommentar/Bericht von euch wünschen weil Spielberichte von Schalke für Schalke gerade nicht die Lektüre Nr. 1 sind. ich schätze euch als absolute Fachleute für das Thema Fußball auf Schalke ein (mit einem Hang es oft besser zu sehen als andere 🙂 ) und würde mich über einen Bericht zur aktuellen Lage daher freuen.

Trainerwechsel im Fußball... warum?! - Halbfeldflanke · 14. März 2019 um 20:25

[…] So gibt es Studien die Trainerwechsel vorhersagen können. Das folgt nämlich meist einem typischen Muster: Von Saisonbeginn an wird unter den Möglichkeiten geliefert. Schlechtere Ergebnisse als zu erwarten war. Dann kommt in der Krisen-Saison irgendwann noch die Mega-Krise, zwei Spiele mit krass schlechten Ergebnissen und der Trainer wird entlassen [2]. Erinnert mich sehr an die Schalker Karnevals-Krise. […]

Der Über-Optimierer: Tedescos Zeit bei Schalke 04 - Halbfeldflanke · 15. März 2019 um 20:58

[…] Was also als defensive Grundausrichtung wahrgenommen wurde, war eigentlich nur eine Verlegenheitslösung, ein Zugeständniss um eine Ergebniskrise zu überstehen. Die Krisensaison hatte dabei viele Probleme, die Defensive war aber eigentlich keins davon. Denn auch die Anzahl der Gegentore ist für den Zustand des eigenen Spiels und den Tabellenplatz verhältnismäßig harmlos. Zumindest bis vor der Karnevals-Krise. […]

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