Ob das Spiel interessant war, liegt ja im Auge des Betrachters. In jedem Fall gab es einige interessante Einflüsse auf das Spiel. Konoplyanka auf der 8, McKennie mit Meyer auf der Doppel-6 und ein überraschend mutiges Freiburg.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

An den Grenzen

Freiburg spielte das für sie nicht unübliche 3-4-3. Höfler agierte dabei recht tief vor der Abwehr und Frantz sehr hoch, band sich immer wieder in Angriffe ein. Von der Rollenaufteilung her nicht unähnlich der Schalker Doppel-6 Goretzka & Meyer. Offensiv ging es darum schnell zu kontern. Es wurden faktisch nur die Flügel bespielt und wenn es mal nicht weiter ging, dann wurde hinten rum auf den anderen Flügel verlagert. Schalke musste so verschieben um zu verhindern, dass sich Räume für angriffe ergeben. Besonders an der Laufleistung der Schalker Doppel-6 ist das zu erkennen (McKennie 12.96km und Meyer 12.76km).

Freiburg ist sehr gebeutelt in dieser Saison, viele Ausfälle, wenig Punkte. Details entnehmt ihr bitte dem Boulevard eures Vertrauens. Nichtsdestotrotz agierten die Breisgauer sehr mutig und engagiert. Wiedermal hat Christian Streich gezeigt, was für ein ausgezeichneter Mental-Coach er auch ist. Auch Domenico Tedesco gab anschließend zu Protokoll, davon überrascht gewesen zu sein.

Das couragierte Auftreten lässt sich gut an der Defensivleistung verdeutlichen. Beim Schalker Spielaufbau stellten die 3 Freiburger Offensivkräfte die 3er-Kette. Die Doppel-6 positionierte sich ein bisschen weiter hinten, so dass gerade Max Meyer dazwischen passte. Alle 5 Spieler waren in der Gegnerischen Hälfte. Zur Absicherung hinten gab es lediglich die 3er-Kette und die Flügelspieler. Das ist schon heftig offensive Verteidigung.

Der springende Punkt hier ist, dass der Angriff gestellt wurde und nicht attackiert. Freiburg stellte mehr Passoptionen zu, als dass sie die Schalker tatsächlich unter hohen Druck setzten. Schalke würde Wege finden das zu überspielen, da war sich Streit sicher. Sobald der Ball dann aber im Mittelfeld ankam, also bei den Schalker 8ern, konnte von beiden Seiten gepresst werden. So gewann Freiburg viele Bälle und konnte erfolgsversprechende Konter einleiten.

Anne Grenzstraße

Schalke fing wieder im 5-1-2-2 an, also die Formation mit 5er Kette und 5-Eck im Mittelfeld. Meyer war diesmal der 6er hinter Konoplyanka und McKennie. Das ist eine doppelt interessante Konstellation, weil Konoplyankas Spielanlage eigentlich nicht zu einem 8er passt und McKennie & Meyer beim letzten gemeinsamen Einsatz in Hoffenheim so gar nicht harmonierten.

Harit war nicht 100% Fit und wurde darum durch Konoplyanka ersetzt. Der ist allerdings eine Art Gegenentwurf. Der Franzose ist stark im klein-klein, hält auch bei höchster Geschwindigkeit noch Übersicht wo seine Mitspieler sind und wem er wie den Ball geben könnte. Der Ukrainer weiß, so scheint es manchmal, gar nicht so genau, dass er auch Mitspieler hat, weiß dafür aber sehr genau wo das Tor steht und wie er den Ball auch bei höchster Geschwindigkeit da unterbringen könnte.

Und so ganz von ungefähr kam die Befürchtung auch nicht. Konoplyanka spielte 8 Pässe bis zu seiner Auswechslung (immerhin 100% Passerfolg)). Im Vergleich, Harit, der für ihn eingewechselt wurde und dann 30 Minuten lang die gleiche Position bekleidete, spielte 7 Pässe (71,4%). Und McKennie, der ja die gleiche Position nur auf der anderen Seite hatte spielte 33 Pässe (63,6%). Dafür band sich Konoplyanka stark ins Offensivspiel ein. So dass es eine Art Mischform gab zwischen Dreifachspitze und 5-Eck.

Die Kombination McKennie & Meyer funktionierte diesmal deutlich besser. Es schien auch klarer einer Struktur zu folgen. Wie Magnete stießen sich die beiden förmlich voneinander ab. Es schien zusätzlich immer eine Art Grenze zu geben, die beiden standen praktisch nie auf einer Linie und McKennie immer mindestens ein paar Schritte höher als Meyer.

Ballbesitz und Umstellungen

In den ersten 20 Minuten hatte Freiburg über 70% Ballbesitz. Doch das änderte sich dann. Bis zum Tor, und auch noch ein paar Minuten länger, hatte Schalke dann 60% Ballbesitz, bevor Freiburg wieder besser ins Spiel kam und wiederrum auf 60% Ballbesitz kam.

Was war passiert? Zu Beginn war Schalke irritiert ob der hohen und aggressiven Verteidigung. Der Freiburger Trick auf die 8er zu gehen zeigte Wirkung und die Blauen hatten so ihre liebe Mühe damit umzugehen, schließlich sind das Schlüsselpositionen im Aufbau. In der ersten Halbzeit klappte das noch nicht so richtig gut, obwohl Schalke jetzt zu mehr Kontrolle über das Spiel kam.

Darum stellte Tedesco in der Halbzeit um und löste die 8er Rolle auf. So halb. Schalke spielte die zweite Halbzeit mit Doppel-6 und dreifach Sturm. Konoplyanka wurde also nach vorne gezogen und agierte nun als Flügelstürmer. So gab es im 8er Raum mehr Bewegungen, weil immer Spieler sich dorthin fallen ließen um den Ball weiter zu bespielen, was schwerer zu verteidigen war. Um zu verhindern, dass McKenni & Meyer sich zu sehr auf den Füßen stehen, gab es aber eben doch irgendwie eine 8.

Woran’s haperte

Das aus meiner Sicht größte Problem Schalkes in diesem Spiel war die fehlende Kreativität. Max Meyer war der einzige Spieler auf dem Platz mit Ideen. Klar, Di Santo hat hier und da auch mal einen Geistesblitz und Kehrer ist auch kreativ und McKennie entwickelt sich in solch eine Richtung. Aber so richtig ins Aufbauspiel eingebunden werden konnte das nie. Di Santo ist zu inkonstant, Kehrer zu tief und McKennie noch zu unerfahren. Jeweils in Bezug auf die Kreativität im Angriffsdesign.

Dazu kam es zu ein paar ungewohnten Problemen. In dieser Saison ist Schalke ziemlich stark im Gewinnen des zweiten Balls. In dieser Partie gingen die zu einem Großteil an Freiburg. Dazu kam es zu relativ vielen Chancen für den Gegner. Das ist so auch ungewohnt. Der SC gab auch mehr Schüsse ab als die Blauen. Interessanter Weise Zeigen die Daten aber, dass diese oft aus ungünstigen Positionen kamen. Von 13 Schüssen der Freiburger kamen 77% von außerhalb des Strafraums. Von den 8 Schüssen Schalkes nur 38%.

Was kommt als nächstes?

Aus der letzten Länderspielpause vor einem Monat kam Schalke plötzlich mit einem richtigen Ballbesitzspiel zurück (Wie von mir gefordert 😉 ). Ein Quantensprung in der Entwicklung. Seit dem wechselte Tedesco in jedem Spiel vom Ballbesitz- zum Konterspiel. Großteilig erfolgreich. Allerdings ist das jetzt erwartbar geworden. Christian Streich hat seine Freiburger perfekt auf das 8er Spiel ausgerichtet und so dem 6er Meyer seiner Waffen beraubt. Tedesco muss also eine Lösung dafür finden und gleichzeitig das Spiel weiterentwickeln.

Dazu bleibt das Hauptproblem bestehen: Die Torflaute. In jedem Spiel kommt Schalke zu guten Gelegenheiten. Oft Situationen, die sich in keiner Statistik wiederfinden, weil es gar nicht zum Torschuss kommt. Klar, die Verteidigung gewinnt Titel, sagt man. Aber wer das Tor nicht trifft, hat eben ein Problem.

In eigener Sache

Halbfeldflanke wird sich in den nächsten Wochen optisch ein bisschen verändern. Erschreckt Euch nicht. Und seid Euch sicher, der Inhalt bleicht der gleiche. 🙂

Kategorien: Spielbericht

Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

12 Kommentare

Bernd · 5. November 2017 um 19:11

Optisch ändern! Kommt der Bart ab?

Maik · 5. November 2017 um 19:21

Hi, hab echt richtig Spaß deine/eure Spielanalysen zu lesen.
Verändert auch das Fußball gucken und es wird dadurch nicht langweiliger 😉
Danke!

Chris · 5. November 2017 um 22:05

Ich muss eine kleine Lanze für di Santo brechen: Er hat wie immer aggressiv gepresst und trotzdem drei richtig gute Gelegenheiten aufgelegt.

    Karsten · 6. November 2017 um 07:49

    Das stimmt.

    Warum hast Du das Gefühl eine Lanze brechen zu müssen, findest Du Di Santo kommt hier zu schlecht weg?

      Chris · 6. November 2017 um 21:12

      Vielleicht hatte ich das Gefühl, dass er eine Sondererwähnung brauchte. Bei Dir klingt es noch zurückhaltend. Ich versuche zu beschwören, dass er mit veränderter Rolle (mehr Spielanteil, weniger Abschlussorientierung) vielleicht auch eine Wandlung a la Meyer durchmacht.

      Karsten · 7. November 2017 um 07:24

      Ah, verstehe. Der Vergleich zu Meyer hinkt mMn ein bisschen, aber der Einsatz stimmt definitiv. Vielleicht machen wir demnächst mal einen Fokus auf den Argentinier, wird ja reichlich diskutiert.

schnabusel · 7. November 2017 um 14:00

Hallo Karsten,

lese deine fundierten Analysen sehr gern. Kompliment, weiter so!
Auch sehe ich die Entwicklung in dieser Saison ziemlich ähnlich.

Was mir im letzten Spiel noch positiv auffiel, waren die wenigen Aktionen von Embolo, der angedeutet hat, dass er Schalkes bester Stürmer werden könnte, wenn er zu Form und Selbstvertrauen findet. Man sollte hier wahrscheinlich den Ball flach halten, aber das könnte -wenn´s denn gut läuft- in der Rückrunde das Problem Torflaute lösen. *träum*

Glück Auf!
schnabusel

BastiS04 · 7. November 2017 um 18:22

Hallo Karsten,

danke für die ausführliche Analyse.
Ich fand auch, dass es dieses Mal Max Meyer deutlich weniger gelungen ist, dass Spiel aus der Tiefe heraus zu steuern. Das hatte in den Wochen davor überragend geklappt. Allerdings hatte Meyer vielleicht auch keinen Sahne-Tag sondern nur einen recht normalen Tag, muss man ihm sicher auch mal zugestehen und es war gegen die Freiburger mit Ihrem extremen Willen sicher auch sehr schwierig. Bei aller Taktik war das sicher auch ein Schlüssel für die gefühlte Freiburger Überlegenheit vor der Pause. Die waren einfach einen Tick galliger und willensstärker (war jedenfalls mein Eindruck).

Nach dem sicherlich glücklichen Führungstor fand ich aber, dass unsere Jungs es sehr stark gemacht haben und Freiburg sehr gut vom eigenen Tor weggehalten haben. Die Freiburger wurden immer wieder dazu gezwungen lange Bälle aus der Kette heraus zu schlagen und diese waren in der Regel eine sichere Beute, auch wenn die Anzahl der eroberten zweiten Bälle sicherlich ausbaufähig war.

Taktisch zum Ende hin wieder eine sehr gute Leistung, ansonsten aber aus meiner Sicht ein glücklicher Sieg den wir aber natürlich gerne mitnehmen.

Ich fand in der zweiten Halbzeit übrigens Weston McKennie bärenstark. Ganz viele direkte Duelle entweder klar gewonnen oder zumindest dem Gegner den Ball weggespitzelt und 2mal per Steil- / Vertikalpass Franco di Santo auf außen super in Szene gesetzt. Ich glaube an McKennie werden wir noch ganz viel Freude haben!

Knochenbrecher · 8. November 2017 um 02:23

Glück auf!

Ich sehe dich als Könner für das Auseinandernehmen von Taktiken.
Ich stimme dir in vielen Punkten, mit wohligem Gefühl,zu,und ich möchte Anmerken,dass ich Mc Kennie schlechter gesehen habe.Ich finde,dass er in der ersten Hälfte stetig im Schatten seiner Mitspieler stand.Ich glaube,es war ein Wunschgedanke von Tedesco ihn als zweikampfstarken Achter aufzustellen,eine gute Idee,die,meiner Meinung nach,schief ging.Zum Glück hat er ihn auf die ursprüngliche 6 zurückgesetzt.
Ich möchte Oczipka herausheben,ich finde ihn konstant stark,trotzdessen wird er schlecht bewertet von den Medien (Fake news 😉

Was heißt das eigentlich: Dreckiger Sieg? – Unser Senf zum Spiel. – Torhagelblau · 6. November 2017 um 14:30

[…] FC Schalke 04 beim „kleinen“ SC Freiburg sich insbesondere in der ersten Halbzeit (Details bei Mitbewohner Karsten) sehr schwer getan […]

Der Kampf gegen Mannorientierungen. FC Schalke 04 – 1. FC Köln, 1:0 – Halbfeldflanke · 20. Dezember 2017 um 11:12

[…] Wochen erfunden. Oder zumindest perfektioniert. Mit Mannorientierungen hatte Schalke schon gegen Freiburg oder Hannover arg zu […]

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