Die letzte Saison war ein dunkles Kapitel (siehe Analyse). David Wagner war angetreten Schalke sportlich in eine Neuzeit zu führen, während neu Manager Jochen Schneider die sportliche Leitung ummodelt. Was bisher geschah…

Für mich klang da erstmal viel nach Übergangsjahr. Wagner spielte die Vorbereitung sehr starr in einem 4-2-3-1, es schien relativ deutlich, dass das sein System sei und es einige Zeit brauchen würde, bis sich daran etwas tut. Vertan, vertan…

Das System Wagner

Es dauerte nicht lang, da fing Wagner an zu variieren. Inzwischen ist relativ klar, dass er Schalke ständig und flüssig zwischen verschiedenen 4-4-2 / 4-3-3 Mischformen wechselt. Mal mit Doppelspitze und 10er, mal mit Stoßstürmer und Flügelzange, mal mit Raute, mal mit Doppel-6.  Aber es gibt ein paar sehr klare Eckfeiler.

Die Außenverteidiger rücken immer sehr hoch auf und (einer) der 6er kippt ab. Abgesehen von Situationen, in der Gegner mit Ball am Fuß, in der Schalker Hälfte direkt auf den Schalker Strafraum zusteuern, spielt Schalke also de facto mit einer 3er Kette.

Davor geht’s meist recht flüssig. Viel Zentrumfokus um den Mittelkreis, dann aber auf die Flügel für hereingaben. Es ist besonders auffällig, dass wenn jemand den Ball direkt zentral vor dem Strafraum hat, er den Ball in den meisten Fällen nicht in den Strafraum spielt, sondern auf den Flügel. Von da aus wird der Ball dann gelegentlich direkt hereingegeben oder nach hinten gespielt und dann zentral in den Strafraum zu kommen oder auf den anderen Flügel verlagert.

Außer bei einem Konter geht der Ball also nie gerade durchs Zentrum bis in den Strafraum. Die Grundidee dahinter ist, dass die gegnerische Verteidigung, die sich zunächst auf’s Zentrum fokussiert, auseinandergerissen wird und Lücken entstehen.

Pressing und Gegenpressing

Defensiv gibt es meist ein recht hohes Pressing. Spannend ist dabei besonders, dass sich schon in Ballbesitz immer alle sich so positionieren, um bei Ballverlust direkt gegenpressen und nachsetzen zu können. Das ist jetzt nicht spektakulär neu, aber in der Konsequenz schon eindrucksvoll und sucht in der Liga ihres Gleichen. Oft schaffte Schalke es so die Gegner in der eigenen Hälfte festzuschnüren.

Angriff am und im Strafraum, Ballverlust, Gegenpressing, hohes Pressing, Ballgewinn noch vor der Mittelline. Besonders im Derby war das schön zu beobachten. Das Gegenpressing ist Schalkes wichtigster Spielmacher. Damit das funktioniert ist viel Disziplin nötig und ein hoher Laufaufwand. Letztlich ist das genau der Grund, warum Wagner häufig auf Burgstaller setzte und nicht, wie von vielen Fans gefordert, Kutucu brachte.

Bei Ballverlust muss der Ballführende immer direkt angelaufen werden. Die ganze Mannschaft muss Druck aufbauen. Dafür wird schon bei Ballbesitz auf das Positionsspiel geachtet. Das hilft aber nur dafür in der richtigen Ecke zu stehen. Der Ball muss dann immer noch attackiert werden. Und dafür müssen die Spieler Sprinten. Oft nicht sehr weit, aber eben schnell. Ergebnis: Schalke hat bei eher ausgeglichenem Ballbesitz die höchste Sprint-Differenz pro Spiel in der Liga.

Zu erwartende Tore

Der xG (eXpected Goals) ist eine statistische Methode mit der Abschlusspositionen mit historischen Daten verglichen werden. So wird eine Erfolgswahrscheinlichkeit berechnet. Das funktioniert also eigentlich genauso wie die Wettervorhersage.

Schalke schoss in der Hinrunde 29 Tore, 4 Teams schossen mehr. Nach den xG Daten hätte Schalke nur 21,49 Tore schießen ‚dürfen‘, also basierend auf den Wahrscheinlichkeiten. Etwa so viele wie die Hertha. Gleichzeitig hat Schalke nur 21 Gegentore bekommen, 3 Teams haben weniger. Nach den xG Daten hätte Schalke aber 26,44 Gegentore bekommen müssen. Damit wäre Schalke im Mittelfeld gelandet.

Schalke hat also deutlich mehr Tore geschossen, als erwartbar war, und ein ganzes Stück weniger bekommen. Nach den xG Berechnungen hat Schalke dadurch gut 10 Punkte mehr auf dem Konto als erwartbar gewesen wäre. Damit würde Schalke auf Platz 12 überwintern.

Lucien Favre wird international schon lange dafür gefeiert, dass er mit schlichter Regelmäßigkeit mehr Tore schießt, als der xG vorhersagt. In dieser Halbserie stolze 8,44 Tore mehr. Freiburg auf der anderen Seite bekommt deutlich weniger Gegentore als erwartbar wäre, stolze 11,1 weniger. Allerdings schießt Freiburg nur wenig Tore mehr als zu erwarten war. Und Dortmund bekommt sogar mehr Gegentore als der xG vorhersagt. Schalke ist über-effizient in beiden Bereichen. David Wagner macht den xG kaputt.

Schießen und treffen

Etwa seit dem Derby gibt es mehr Schüsse und Chancen aufs eigene Tor und weniger aufs Gegnerische. Vorher war das andersrum. Wagner wird vorsichtiger. Gleichzeitig fährt Schalke trotzdem Punkte ein und zwar so, dass gefühlt noch Luft nach oben ist.

In Wolfsburg etwa wurde Schalke zwar eine Halbzeit komplett an die Wand gespielt. Verteidigte aber alles weg, glücklich zum Teil, aber immerhin. In der zweiten Halbzeit kam Schalke dann mit etwas Glück zu einem Tor und bekam erst kurz vor Schluss den Ausgleich. Insgesamt eigentlich glücklich, trotzdem wäre mehr drin gewesen. So etwas gab’s recht häufig. Die Fans haben das Gefühl, dass Schalke ein paar Punkte zu viel verschenkt habe. Der xG sagt das Gegenteil. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Siehe auch die Halbfeldflanke Diskussionsbeendigung.

Es wird viel an Stürmern kritisiert. Es fehlen Tore (was bei der xG Analyse schräg erscheint). Stürmertore gibt es eher selten. Raman brauchte etwas um warm zu werden, macht sich aber grad ziemlich gut, finde ich. Viele fordern Kutucu, weil er viel Wirbel vorne rein bringt. Wagner hat aber ein paar Mal erklärt, dass dessen Pressingverhalten noch nicht ganz auf der Höhe ist. Das wird bei seinen Einwechslungen auch sichtbar, verbessert sich aber.

Allerdings wirkt das alles wie ein Spiel mit dem Feuer. Die erwartbaren Tore und die geschossenen Tore nehmen ab, die erwartbaren Gegentore und die tatsächlichen nehmen zu. Wagner muss die nächste Stufe zünden. Dass es Probleme in der Defensive gibt, ist bei den Verletzungssorgen sicher nicht verwunderlich. Es müssen aber mehr Torchancen erarbeitet werden. Nur 5 Teams haben einen niedrigeren xG Wert als der FC Schalke 04. So toll es ist, dass Schalke mehr rausholt, als theoretisch drin wäre, so wenig würde ich mich drauf verlassen.

Spielen und nicht spielen

Oczipka ist eine große Säule des Teams. Von vielen wird eine Auferstehung von Serdar & Harit gefeiert, allerdings waren beide schon bei Tedesco elementare Stützen und haben selbst unter Stevens geliefert. Weniger konstant, natürlich, und etwas flacher, aber da funktionierte ja auch insgesamt nicht viel.

Größtes Problem waren die vielen Verletzungen, besonders in der Verteidigung. Kabak macht allerdings viel Freude und wird ein dickes Brett zusammen mit Sané geben. Ich persönlich finde Mascarell noch etwas irritierend. Ich sehe ihn zum Teil genial, zum Teil sehr plump. Bin da unter Schalkern aber einer der wenigen, die ihn auch mal kritisieren.

David Wagner hat kürzlich gesagt, dass Schalke den interessantesten Kader der Altersstufe 19-23 bietet. Mindestens in Deutschland. Und ich würde ihm da zustimmen. Insgesamt einiges an jungem Gemüse, zum Teil mit noch schwankenden Formkurven aber enorm viel Potenzial. Dass mit Nübel jetzt einer nicht längerfristig dabeibleibt, ist schade. Die Entwicklung geht aber weiter. Und wenn Schalke sich damit längerfristig in Europa festsetzt, werden Talente auch nicht immer wegspringen, sobald eine größere Bühne lockt.

Einen Spieler auf Grund von Vertragsverhandlungen auf die Bank zu verbannen und nicht nach dem Leistungsprinzip, kann verheerende Auswirkungen auf den Kader haben. Das tägliche Training von den Zukunftsplanungen beeinflussen zu lassen hat noch nie gewirkt, da es Gift für das Mannschaftsklima ist.

Hypothek Tönnies

Neben den Verletzungen in der Saison, der destruktiven Grundstimmung und katastrophalen Abschneiden der Vorsaison gab es da noch den Fall Tönnies im Sommer. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat mit seiner rassistischen Äußerung dem Ansehen Schalkes nachhaltig geschadet. Dazu zählt auch, wie der Verein damit umgegangen ist. Als einziger gab sich Wagner vorsichtig unzufrieden.

Mir persönlich hat es nachhaltig die Freude an Schalke verhagelt. Wie viele andere bin ich ab dem 1. Januar kein Mitglied mehr. Bei einem Verein der sowas toleriert, und fadenscheinige Ausreden findet, bin ich falsch.

Frohes Neues!

Das war’s für 2019 von Halbfeldflanke. Aber im neuen Jahr geht’s direkt weiter. Freut euch auf Analysen und Podcasts. Wir würden uns freuen, wenn ihr hier einen Kommentar hinterlassen würdet, was hat euch in diesem Jahr gefallen, was nicht? Und vor allem, was würdet ihr euch für’s nächste von Halbfeldflanke wünschen?

Kommt alle gut rein und habt ein glückliches 2020!

Vielen Dank an BStat (Twitter, Website) für die großartigen Datenvisualisierungen. Für eine tiefere Detail-Analyse inklusive Vergleich mit der Konkurrenz sei die BStat Analyse der Trainerwechsel und Spielstiländerungen in der Saison 19/20 wärmstens empfohlen.


Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt. Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

23 Kommentare

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Chris · 28. Dezember 2019 um 19:52

Vielen Dank! Worauf basiert Deine Einschätzung, dass Bastian Oczipka eine Säule des Teams sei?

    Karsten

    Karsten · 28. Dezember 2019 um 20:02

    Keine Minute verpasst, extrem Qualitätsstabil. Unauffällig, aber gut. Bin ein bisschen Fan geworden in dieser Hinrunde. Vielleicht gehen wir da irgendwann man genauer drauf ein.

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      Gregor Schumann · 29. Dezember 2019 um 11:22

      Oczipka ist technisch sehr stark, hat immer die Option aus der hintersten Linie souverän ins 1:1 zu gehen (was das gegnerische Pressing gegen die letzte Linie kaputt macht), hat ein sehr gutes Gefühl für Positionierung und Raum. Dass es ihm an Geschwindigkeit außen fehlt, fällt in der IV nicht so ins Gewicht. Grösse, mangelnde Kopfballstärke und nicht ganz so überragende zweikampfwerte sind die Gründe, warum er als IV nicht Bundesligaspitze ist.

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      Chris · 30. Dezember 2019 um 11:41

      Also ich stimme Dir zu, dass er präsenter wirkt, als im letzten Jahr. Ob das an der Konkurrenzsituation liegt, kann ich von hier natürlich nicht beurteilen. Aber schon die wenigen Einsätze von Miranda haben doch gezeigt, was links alles fehlt: Beweglichkeit, gute Flanken, Spielintelligenz, Passgenauigkeit. Ich behaupte nicht!, dass Miranda jetzt schon die bessere Alternative sei, aber ich finde O. eigentlich – je nach Startelf – den limitiertesten Spieler auf dem Platz auf Schalker Seite.

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Philipp · 29. Dezember 2019 um 12:47

Vielen Dank für dieses Jahr und alles Gute für 2020!!! Am schönsten war für mich natürlich zu sehen was David Wagner aus dieser Mannschaft rausholt und wie Spieler und Fans wieder Spaß am schalker Fußball haben.
Eure Analysen sind extrem spannend und fundiert und ich würde mir wünschen für jedes Spiel eine zu bekommen, obwohl ich verstehe, das das zeitlich wahrscheinlich schwierig für euch ist 🙂
Positioniert euch bitte auch politisch weiterhin so wie ihr das bisher getan habt!! Sich kritisch mit den Dingen auseinander zu setzten sollte immer Raum haben.
Peace & Glück auf

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    Jörg Gonschior · 29. Dezember 2019 um 15:05

    Die Beschreibung Oczipka trifft m.E. nicht zu. Ja, er ist ein guter Techniker und er kann gut Flanken. Er ist kein Zweikämpfer (sucht sich immer nur die einfachen aus), kopfballschwach und kommt viel zu langsam wieder hinter den Ball. Der linke IV ist dann oft in Unterzahl und da hat Schalke oft Glück und bekommt wenig Gegentore, das stimmt. Dieses (Übergangs-) Jahr reicht es noch, aber bitte nur noch als Alternative (für z.b. Max oder Rodriguez) verlängern, wenn überhaupt…

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      Gregor Schumann · 29. Dezember 2019 um 16:05

      Oczipka ist In der IV sicher nicht so gut wie Sane oder Kabak. Aber gegenüber Nastasic, der im Spielaufbau limitierter ist und lieber hoch und weit schlägt, eine Verbesserung.

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Manuel Schenzer · 29. Dezember 2019 um 12:51

relativ typische Frage, aber was wünscht du dir bei unseren Möglichkeiten als Winterverstärkung (-en) ?

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Lukas · 30. Dezember 2019 um 00:46

Vor ein paar Berichten in der Kommentarspalte auf Halbfeldflanke weiß ich noch, wie du selbst den xG-Wert als nicht richtig aussagekräftig für die Spielentwicklung findest. Hast du umgedacht? 😀

Deinen Argumenten kann man natürlich nicht widersprechen. Einzig bei der Bewertung der xG-Werte und die Rückschlüsse, tu ich mich persönlich etwas schwer. Du wirst ja sicherlich die Daten von Understat nehmen und da ist die Auswertung etwas verwaschen.
Nicht nur unsere Blinsen-VAR-Elfmeter gegen die Münchner oder Nachbarn würden ja dazuzählen. Allerdings kann ich mich an Chancen wie Harit 1vs1 gegen Bremen erinnern, die von Rashica geklärt wird….da er allerdings eine halbe Sekunde vorher geblockt wird, wird es nicht als Chance gezählt. Auf der Gegenseite wurde ein Kopfball von Nübel gehalten und der Abpraller landet bei einem Bremer, der einschieb – gezählt als 2 Chancen für irgendwas um 1,2 xG.

Ansonsten als anderes Thema. Habt ihr schon eine Idee, wohin denn unser Spiel sich entwickeln könnte? Bei Klopp gab es ja bspw. damals die Entwicklung vom Aufbau der Dreierkette hin zum Aufbau per 2-3-5, sobald er halt das entsprechende Spielermaterial hatte….

    Karsten

    Karsten · 30. Dezember 2019 um 08:20

    Hi Lukas, ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, was du meinst. Der zusammenhang zur Spielentwicklung kommt auf die Argumentation an, würde ich sagen. Generell halte ich den xG für ein sinnvolles Werkzeug und habe das immer so gesehen. Wie jedes Werkzeug, muss er allerdings richtig genutzt werden…

    Der xG bildet eine Übersicht aus Torchancen und deren Qualität. Es ist kein allheilmittel über Gerechtigkeit, was auch immer das sein sollte. Nicht gegebene Strafstöße werden entsprechend nicht berücksichtigt. Wenn aus der gleichen Situation aber mehrere Torschüsse resultieren, dann werden die natürlich getrennt voneinander betrachtet.

    Für mich ist das schlüssig, da der xG ein statistisches Werkzeug ist zur Messung von Torchancen ist. Nicht mehr und nicht weniger.

    Wie’s weiter gehen könnte, gucken wir uns nochmal explizit an. Spätestens im Podcast.

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      Lukas · 30. Dezember 2019 um 15:24

      Dass sich der xG gut zum Messen der Torchancen eignet, stimmt natürlich. Ich wollte aber andeuten, dass es hierzu keine einheitliche Berechnungsgrundlage gibt und die frei verfügbaren Daten seitens understat ein guter Indikator sind, aber nahezu jedes Spiel einzeln hinterfragt werden sollte.
      Eine Torchance ist für mich persönlich eben nicht allein nur ein Abschluss. Bei Domenico in der Vorbereitung wurde bspw. ja auch noch gezählt, wie häufig man in bestimmte Feldpositionen kommt (bspw. 10er Raum) anstatt reine Abschlüsse oder Tore zu zählen.
      Will meinen, wir sind bspw. in der Bundesliga auf Platz 15 bei den Torschüssen. Mainz hingegen ist auf Platz 5. Beim xG steht der FSV ebenfalls vor uns. Jetzt ist nur die Frage, ist Mainz im erarbeiteten der Chancen wirklich besser als wir oder ob sie einfach nur sofort den Abschluss suchen, während wir noch versuchen den letzten Pass für die bessere Situation spielen und der noch nicht immer ankommt. Dann hätten wir ja allerdings die bessere Spielanlage und noch ordentlich Potential.
      Über Kollegen, welche in Sportwettbüros arbeiten, kann ich bspw. auch noch erzählen, dass dort der xG auch immer zusätzlich über Ballpositionen berechnet wird.
      Hoffe das war noch etwas verständlicher….

      Karsten

      Karsten · 30. Dezember 2019 um 20:16

      Ja gut, dass die Datenqualität beim Fußball meist etwas schwammig ist, sollte allgemein bekannt sein. Auch, dass es verschiedene xG Modelle gibt.

      Insgesamt nutze ich den xG ja hier nicht um vorhersagen zu treffen, sondern für eine Einordnung. Habe darum ja auch die Anzahl Abschlüsse angezeigt.

      Die Frage mit der Spielanlage wäre ja eine der Antworten auf die Frage, warum Schalke so viel besser ist als die Statistik vorher sagt. Da hab ich mich aber nicht dran getraut, weil mir da die Datenbasis und ein bisschen die Einblicke fehlen.

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Erle72 · 30. Dezember 2019 um 10:59

Glück auf Karsten. Es ist immer wieder spannend die Analysen auf Halbfeldflanke zu lesen. Da die Schalke-Blog-Dichte in den letzten Jahren leider abgenommen hat, seit ihr eine der wenigen die sich noch diese Mühe machen. Dank an euch für diese Maloche und ein gutes 2×20!
Noch eine Frage: ist die Sprintdifferenz der prozentuale Unterschied in der Sprintanzahl der jeweils spielenden Mannschaften?

    Karsten

    Karsten · 30. Dezember 2019 um 20:18

    Hallo nach Erle! Vielen Dank für die netten Worte. 🙂
    Die Sprintdifferenz ist tatsächlich die Anzahl der Sprints in jedem Spiel verglichen. Schalke hat da in jedem Spiel deutlich mehr als der jeweilige Gegner.

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K. Wehmer · 1. Januar 2020 um 22:04

Erstmal vielen Dank für deinen Content. Sehr gut geschrieben alles. Basti sehe ich persönlich überhaupt nicht so gut, wie du (und ich war seit er bei uns ist, immer ein Befürworter). Auf IV allerdings hat er seinen Job sehr solide gemacht.

Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist deine Sicht zu Schalke und der Tönnies-Affäre bzw. dass du deswegen deine Mitgliedschaft gekündigt hast. Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Dass die ganze Sache bescheuert hoch 10 war, braucht man nicht zu diskutieren! Allerdings bin ich der Meinung, den Menschen eine 2. Chance zu geben und mit Liebe und Verständnis zu begegnen. Schneider hat das sehr gut kommuniziert. Tönnies hat einen Fehler gemacht. Vielleicht hatte er auch ein Pils zu viel. Da kann es passieren mal einen dummen Spruch zu machen. Das ist menschlich. Passiert jedem mal. Er hat sich sehr reumütig gezeigt und jeder weiß, dass Tönnies absolut 0,0 Rassist oder ähnliches ist. Asa oder Jeff sind wohl sehr gute Beispiele. Ich könnte deine Meinung völlig nachvollziehen, wenn so etwas Tönnies zu wiederholtem Male passiert wäre bzw bei ihm der Verdacht durch sein Verhalten es bestätigen würde. Dies ist aber zu 0,0 Prozent der Fall.
Glück auf und schönen Abend noch.

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    Philip · 2. Januar 2020 um 17:57

    “Allerdings bin ich der Meinung, den Menschen eine 2. Chance zu geben und mit Liebe und Verständnis zu begegnen. Schneider hat das sehr gut kommuniziert.”
    Zunächst einmal muss nicht jeder deine Meinung teilen. Eine zweite Chance kann sich Tönnies gerne verdienen, indem er zum Beispiel seinen Fehler klar zugibt und benennt – eine _rassistische_ Aussage getätigt zu haben und nicht bloß eine diskriminierende (auch das hat er selbst nie offen kommuniziert) und schon gar nicht alles als unüberlegt abzutun, als würde das die gesagten Worte entkräftigen – und indem er bei den Opfern seiner Aussage um Entschuldigung bittet und nicht nur ausdrücklich bei “Mitgliedern, Fans und Freunden” des S04. Das alles und noch einiges mehr hat Tönnies aber monatelang unterlassen. Er hat sich somit mMn selbst keine zweite Chance verdient.
    Ob man bei Tönnies überhaupt von der _zweiten_ Chance reden darf mal ganz außenvor.

    “Vielleicht hatte er auch ein Pils zu viel. Da kann es passieren mal einen dummen Spruch zu machen.”
    Er hat eine öffentliche – mit ziemlicher Sicherheit vorher geschriebene – Rede vor Kameras, Mikrofonen und Publikum gehalten. War er also ehrlich und hegt rassistische Ressentiment oder ist er nur unfähig und trinkt vor öffentlichen Auftritten einen zu viel? Beides macht ihn untragbar und ist für einen der höchsten Vertreter meines Vereins für mich unentschuldbar.

    “Das ist menschlich. Passiert jedem mal.”
    Es geht nicht darum, ob es menschlich ist, sondern darum, ob sich dieses Verhalten mit dem Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke 04 vereinbaren lässt. Und nein, rassistische Aussagen sind mit der Satzung unseres Vereins unvereinbar. Und an die höchsten Vertreter des Vereins muss dieser Maßstab besonders rigoros angelegt werden (können).

    “[J]eder weiß, dass Tönnies absolut 0,0 Rassist oder ähnliches ist.”
    Nein, weiß ich nicht. Ich kenne ihn persönlich nicht, kann ihn also nur nach seinen öffentlich getätigten Äußerungen und Handlungsweisen bewerten und die getätigte Äußerung war schlicht rassistisch. Und es ist keine hinreichende Verteidigung, wenn er sich einigen wenigen Menschen gegenüber nicht rassistisch verhält oder äußert, oder gar mit ihnen ehrlichen Herzens befreundet ist. Und es reicht auch nicht aus darauf hinzuweisen, dass er – soweit bisher bekannt – kein Wiederholungstäter ist.

    Schließlich ging es Karsten aber auch nur um seine persönlichen Konsequenzen aus der Causa und nicht um eine Anklage. Das hat er so deutlich formuliert und ich kann mich dem nur anschließen: “Bei einem Verein der sowas toleriert, und fadenscheinige Ausreden findet, bin ich falsch.”
    Wie sieht das bei dir aus?

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Erle72 · 3. Januar 2020 um 11:41

Letztlich ist die Geschichte doch einfach: Als Konzernchef hat Tönnies keinen Bock Steuern auf CO2 zu zahlen im Kampf gegen den Klimawandel. Stattdessen schlägt er vor, jährlich lieber 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. “Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren”. – Eine Mischung aus stumpfem Lobbyismus und rassistischem Stammtischgeschwätz -. Der Text ist abgelesen. Tönnies hielt das für eine lustige Pointe und viele Leute haben gelacht.
Das war also kein Versehen sondern volle Absicht. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Höchstens ein privates Verzeihen der Betroffenen.
Und deshalb sollte er nicht das Gesicht meines Vereins sein, in dem sich viele Fans seit Jahren den Arsch aufreißen, argumentativ gegen Rassismus und Minderheitenfeindlichkeit im Stadion anzugehen.
Und deshalb ist meine Mitgliedschaft bis auf weiteres beendet. Schade.

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    swe · 7. Januar 2020 um 18:25

    Sagen wir mal er hat das tatsächlich so gesagt (obwohl die meisten ihn falsch zitiert haben). Ich spiele mal Advokatus Diaboli: Was genau ist an der Aussage: “Wenn die Afrikaner mehr Kraftwerke (d.h. eine stabile Stromversorgung) haben fällen sie weniger Bäume (in dem Zusammenhang recht eindeutig “für Strom”) und produzieren weniger Nachwuchs”.

    Zur Einordnung:
    (1) Wenn ich sage “jaja, Stromausfall in New York City, das heißt Geburtenwelle in 9 Monaten”, ist das aus deiner Sicht auch rassistisch?
    (2) Es lässt sich ganz eindeutig belegen, dass stabile Stromversorgung ein entscheidender Faktor bei der Industrialisierung von Staaten ist, das bedeutet, dass neue Kraftwerke/stabile Stromversorgung eben statistisch genau das bedeuten: Die Einwohner (in diesem Fall Afrikaner) werden eine niedrigere Geburtenrate vorweisen.

    Das bedeutet nicht, dass ich Tönnies flapsige Verallgemeinerung und unterschwellige “wir wissen was besser für Afrika ist”-Art gutheiße, aber wenn Du sagst es ist rassistisch (kein kleiner Vorwurf), dann kannst du sicher hieb- und stichfest festmachen wo der grundsätzliche Rassismus der Aussage liegt. Ich verweise gerne auf die Kolumne von Herrn Fischer auf SPON der als Rechtsexperte das ganze ebenfalls beleuchtet hat.

      Karsten

      Karsten · 7. Januar 2020 um 19:06

      Vielleicht guckst du nochmal genau nach, was Kollonialismus ist, und wieso es diskriminierend ist zu sagen, irgendwer anderes soll weniger Babys machen. Ganz davon ab, auf die Idee zu kommen, irgendwelche Deutschen müssten Pläne für andere Länder machen, ohne gefragt worden zu sein.

      Hieb und stichfest beweisen muss dir hier niemand irgendetwas, denken darfst du allein. Und für jeden Kolumnist, der das ganze als nicht Faschistoid erkennt, zeige ich dir 7 die das sehr anders sehen.

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      swe · 8. Januar 2020 um 12:13

      Karsten, ich verstehe nicht wieso du mich persönlich angreifen musst, als ob ich nicht wüsste welche Verbrechen im Kolonialismus begangen worden sind. Auch gehst Du exakt gar nicht auf den Kern meiner Frage ein: “Welcher Teil der Tönnies’ Aussage ist rassistisch/faschistoid?” Du bringst als Beispiel “Deutschland sagt anderen was sie tun sollen.” Das ist übergriffig oder arrogant. Nicht sehr nett und Tönnies’ Aussage ist auch inhaltlich dumm. Jedoch für sich nicht rassistisch.

      Die Aussage bezüglich der Kinder ist rassistisch, falls sie darauf beruht, dass es weniger Afrikaner geben soll, weil Afrikaner=schlecht. In dem Zusammenhang bezieht sich die Geburtenate (und einer Senkung dieser) doch recht offensichtlich auf zivilisatorischen Fortschritt. Wäre jede Maßnahme zur Begrenzung/Erniedrigung der Geburtenrate in 3.Welt Ländern rassistisch wären ja auch alle Verhütungs-/Kondomkampagnen rassistisch.

      Ich hatte meine Nachfrage gestellt, weil ich gerne wissen wollte, wieso die Aussagen von Tönnies für manche offenbar zweifelsfrei rassistisch sind. Leider bekam ich dahingehend keine Antwort deren Argumentation mich überzeugt hätte und auch Deine Antwort wich dem aus. Außer “Ich persönlich empfinde es halt so”. Natürlich steht es jedem frei so zu reagieren wie er möchte und es ist das Recht jedes einzelnen zu entscheiden.

      Karsten

      Karsten · 8. Januar 2020 um 17:40

      Lieber SWE, in keinster Weise hab ich dich persönlich angegriffen. Ich hab dir nahe gelegt, dich mit dem Thema Kollonialismus auseinander zu setzen und dann selbst zu denken. Deine Umkehr der Erklärungsverantwortung hier finde ich nämlich schlimm. Niemand muss dir hier irgendwas beweisen.
      Nehmen wir mal an du möchtest wirklich nur den “Advokatus Diaboli” spielen und herausfinden, warum Tönnies Aussagen rassistisch seien. Nehmen wir das mal an und nicht, dass du eigentlich davon überzeugt bist, dass sie nämlich nicht rassistisch sind (obwohl du sehr so klingst)…

      Aber eigentlich ist das auch egal, denn in beiden Fällen sollte der erste Gedanke immer(!) sein: Hmmm, da hat jemand etwas rassistisch genannt, ich frage mich warum. Statt dessen gibt es ausschließlich Verteidigungshaltung (#whataboutism).

      Und obwohl ich einen riesigen Hals habe auf sowas, gebe ich trotzdem eine kleine Beweisführung. Gar nicht so schwer eigentlich, wir müssen nur selbst wollen.

      Der Kolonialismus ist nichts aus der Vergangenheit, sondern sehr lebendig. Im Kolonialsmus hält sich der reiche weiße Mann für Mächtiger als irgendwer sonst und bestimmt, wie andere zu leben haben. Als der afrikanische Kontinent kolonialisiert wurde (und da leidet der komplette Kontinent noch heute drunter), haben sich Europäer zu Herrschern gemacht, weil sie die besseren Waffen hatten und die Population komplett zu Sklaven gemacht.
      Warum Kollonialismus auch immer Rassismus ist, sollte damit klar sein.

      Nur weil die Menschen heute nicht mehr auf Sklavenmärkten verkauft werden, heißt das aber nicht, dass das Grundprinzip nicht mehr greift. Ständig wird sogenannten Entwicklungsländern die Entscheidungshoheit abgesprochen und der reiche weiße Europäer kommt mit Regelungen daher, denen die sich zu unterwerfen haben. Der Unterschied ist ideel gar nicht so riesig.
      Also, ja, jede von außen aufgezwängte Begrenzung der Geburtenrate ist blanker Kollonialismus und daher Rassismus. qed

      Ich hoffe die Verbindung zu Tönnies bekommst du jetzt selbst hin. Und dann erwähne ich nochmal schnell, dass er als Fleischfabrikant einen erheblichen Anteil am CO2 Ausstoß in Europa hat. Statt aber Steuern zu bezahlen, will er lieber Afrika retten. Ohne, dass die gefragt haben. Und dann haben wir bisher nur über den Inhalt seiner Aussage gesprochen, noch nicht über die unfassbar arrogante Art und Weise, wie sie vorgetragen wurde. Also das, was gern als Flapsig abgetan wird. Aber flappsig gegenüber Menschen anderer Herkunft… Merkst’e selbst, oder?

      So. Hiermit ist die Tönnies-Diskussion geschlossen. Jeder weitere Beitrag wird gelöscht. Wer jetzt “Aber die Meinungsfreiheit!” auf den Lippen hat, sollte die eigene Motivation hinterfragen. Keine Toleranz für Intoleranz. Ich bin Gesetzlich dazu verpflichtet, dass sich hier kein rechtes Gedankengut wiederfindet. Und das ist eins der Dinge die ich gerne mache.

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Chris · 3. Januar 2020 um 11:48

Bevor es mir wieder untergeht, Karsten: Mir kommt bei der Detailbetrachtung zu kurz, dass DW ein sehr eigenes, untypisches Verhalten bei Ein- und Auswechselungen an den Tag legt. These: Es gibt niemanden in unserer Liga, der so spät und manchmal nicht dreimal wechselt. Ich glaube, dass das “auf der Insel” (aka Premier League) gar nicht so unüblich ist. Hast Du dazu eine Meinung, kannst Du diese These bestätigen?

    Karsten

    Karsten · 3. Januar 2020 um 12:02

    Oh, schöner Punkt. Danke für’s aufbringen. Wagner hat das in einer der letzten Pressekonferenzen mal ganz gut erklärt. Beim wechsel geht es nicht nur um die frische eines Spielers, sondern ob das Gesamtpaket dem Team einen positiven Impuls bringen könnte. Er wägt das (wie hoffentlich alle) immer sorgfältig ab. Meine Interpretation ist, dass er ein bisschen das Risiko scheut und eine Tendenz dazu hat dem Team auf dem Platz weiter zu vertrauen, wenn ein Wechsel nicht einen klaren Vorteil bringen würde.

    Oft wurde etwa kritisiert, dass Burgstaller zu lang gespielt habe und Kutucu zu spät käme. Letzterer bringt zwar viel wirbel nach vorne, verschlechtert aber die defensive Stabilität. Wagner betrachtet das nunmal ganzheitlicher.

    Ob das in der PL so üblich ist, da fehlt mir der Überblick. Und wie das im Liga Vergleich aussieht weiß ich auch nicht genau. Wenn ich mir den Schalker Kader allerdings so ansehe (besonders zum Ende der Hinrunde), dann bin ich eigentlich recht froh, dass er nicht jedesmal alle Wechsel ausgeschöpft hat.

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